Carl Maria von Weber und Gottfried Weber an Johann Gänsbacher
Mannheim, Freitag, 7. Dezember 1810

Absolute Chronologie

Vorausgehend

Folgend

Korrespondenzstelle

Vorausgehend

Folgend

Geliebter Bruder

Deinen Brief vom 17 8br* von Salzburg aus habe ich den 1t 9ber richtig in Darmstadt erhalten. mit inniger Freude ergreiffe ich das herzliche du was schon lange in unsrer Seele lag, und nur der Mund nicht aussprach und was so schön uns traulicher zusamenschmiegt, also auf ewig mit biederem Handschlag auf du und du. ich habe dir unter 9t 8ber nach Wien geschrieben* unter Adreße der Fr: v: Paradies und hoffe du wirst diesen Brief erhalten haben, daß ich dir so lange nicht mehr schrieb, hatte nicht Faulheit zum Grund, sondern weil die Beylage* noch nicht im Reinen war, und ich auch einen wichtigen Vorfall* meines Schiksals ganz abwarten wollte, doch nun zur ausführlicheren Relation wie gewöhnlich.

Die 6 kleinen Sonaten* für André hatte ich endlich fertig und schikte sie ihm nebst dem Concert pp* d: 15t 8br. ich hatte so lange mit meinem zu gebenden Concert in Frankfurt* gewartet, um die kältere Jahreszeit abzuwarten, nun war ein glüklicher Zeitpunkt da, meine Bekanntschaften der Umstand daß lange kein Concert gewesen war, alles versprach mir eine gute Einnahme. d: 22t fuhr ich daher von Darmst: nach Frankfurt stelle dir meinen Schrekken vor, als mit mir zugleich die Franzosen einrükten* und alle Colonial Waaren in Beschlag nahmen. die Bestürzung und der allgemeine Jammer war so groß, daß durchaus an kein Concert geben zu denken war, ich blieb noch einige Tage in Frank.[furt] um zu sehen ob sich denn die Sache nicht wenden würde, da aber kein Anschein dazu da war, so gieng ich d: 30t wieder zurük nach Darmstadt. vorher war ich bey André in Offenbach gewesen, und hatte mich schwer geärgert, er hatte mir meine Sonaten zurükgeschikt, weil – sie zu gut wären, er zeigte mir welche von Demar* pp so müsten Sie sein, ich erklärte ihm daß ich solch elendes Zeug nie schreiben könnte noch wollte, und verlangte mein Honorar, worauf er mir nur die Hälfte davon gab, und sagte es sey so Sitte bey ihm, die andere Hälfte erst bey Erscheinung der Werke zu bezahlen. was deine Lieder* betrifft, so sind sie in der Arbeit, er hat mir aber nur 11 ƒ gegeben, weil er sagt er könnte das nicht anders verstehen, als daß die 10 Exemplare wie du ihm geschrieben, davon bezahlt würden, ich ärgerte mich zu sehr, um noch ein Wort weiter darüber zu verlieren, und gieng. – d: 1t Nov: nun hatte ich die Freude deinen Brief* zu erhalten, gerade an dem Tage wo deine Meße in Salzburg* aufgeführt wurde, worüber Papa und Bruder Beer große Freude hatten. H: Hofkamerath Hoffmann überredete mich, mit ihm nach Mannheim zu reisen, und ich, überdrüßig des vielen Unangenehmen wollte auch noch einige Tage ganz meinen Freunden, und der Freude weihen. ich reißte also d: 8t mit ihm ab, und überraschte meine lieben Manheimer. wie ich mich hier befinde brauche ich dir nicht erst zu sagen, wie im Himmel. und alles gedenkt deiner mit Liebe und Freundschaft, besonders das ganze Solomé’sche Haus, Hertlings, Edel, aber vor allem die Brüder Weber und Dusch, auch Frey grüßt dich.

d: 19t war Museum,* wo eine Overture von mir, einer von den Psalmen von Beer, und mein Concert gemacht wurden. die Prinzeßin Stephanie war darinn, und war ganz entzükt, bat mich einige Liedchen zur Guittarre zu singen,* und war so für mich eingenommen, daß Sie mir auf der Stelle antragen* ließ in Mannheim zu bleiben. alles gratulirte mir, und war voll Freuden mich zu behalten, und ich kann sagen, daß mir auch die Aussicht unter so lieben Menschen zu leben und zu wirken wohl that. Täglich wurde nun von der Sache gesprochen, die ObersthofMeisterin der Prinzeßin leitete das Ganze, man bot mir vor der Hand 1000 ƒ und Quartier und Holz, die ganze Sache war für abgethan anzusehen, als eines Tags /: nachdem ich oft bey der Herzogin* gewesen war und mit ihr gesungen und gespielt hatte :/ mir die ObersthofMst: sagte die Prinzessin hätte mit Ihrem Kaßirer gesprochen, und Sie bedauerte sehr aber ihre Cassa erlaubte jezt nicht mich zu engagiren;* dieß sagte man mir nachdem man mich 14 Tage herzumgezogen, und ich meine edle Zeit verlohren, und nicht einmal ein Präsent bekommen hatte. da ich meine kleine Oper Abu Haßan fleißig arbeite* so beschloß ich Sie hier fertig zu machen, welches auch bis auf das Instrumentiren von 3 Stükken* geschehen ist. ich trete also in Gottes nahmen meine Reise nach München Berlin Hamburg, Kopenhagen pp an. ich war vorgestern in Heidelberg* wo dich alle Bekannte grüßen.

Daß es dir mit deiner Oper* nicht beßer geht, betrübte mich auch sehr, wolltest du sie nicht an Giusto schikken? vielleicht können wir sie dann weiter verbreiten.

Sorge dafür daß wir einige gute Corespondenten in Wien bekommen, denn Weber und ich werden wahrscheinlich eine Musikalische Zeitung* heraus geben, von welcher du im nächsten Briefe, den Plan erhalten und Subscribenten sammeln wirst. Ueberhaupt schreibe an das Centrum häufig alles Neue von Concerten, Opern pp in Wien, daß wir es vertheilen können. suche dir Einfluß auf eine bedeutende Zeitschrift in Wien, zum Beyspiel auf die die Schlegel* herausgiebt zu verschaffen, dieß alles sind Pflichten.

nun antworte mir gleich wieder, von Darmstadt aus schreibe ich auch wieder, empfehle mich deinem theuren gräflichen Haus* aufs Beste, und denk immer mit Liebe an deinen treusten Freund und Bruder Melos.

[Nachschrift von Gottfried Weber:]

Auch von mir, lieber Bruder, empfange den herzlichsten Gruß, und die Versicherung daß wir uns hier alle innig nach dir sehnen: wie schön wär es, wenn wir beysamen leben u[nd] genießen könnten – nun dies ist nun ein mal nicht im Buche des Schiksals geschrieben, und folglich müßen wir uns schon mit der Correspondenz durch Briefe behelfen. Ich will dir also hiemit angekündigt haben, daß du künftig nicht selten Briefe von mir erhalten u[nd] hoffentlich nicht unbegeantwortet laßen wirst.

Was sagst du zu unserm Musik. Zeit. Plan?* Er war eigentlich darauf berechnet, daß Melos hier bliebe: nun aber wo das gegentheil entschieden ist, hatten wir den Plan anfangs ganz aufgegeben, besannen uns aber bald, daß er auf Reißen sogar mehr für das Aufkommen des Blattes würde wirken können, als durch hier sizen und Mitredigiren. […] Auf diese Art bliebe freylich die Redact. mir allein auf dem Halse, was ein etwas langweiliges Gespas ist. doch um der guten Sache […] will […] und des Profites willen der so gott will herauskommen wird, sey’s. Uebrigens hegen wir nun zu dir die Zuversicht daß du auf verschiedentlichen Wegen contribuiren wirst, das Unternehmen glüken zu machen, naml. durch Bemühung Subscribenten u Abbonnenten zu sameln, weshalb zu welchem Ende wir dir den gedrukten Plan* hoffentlich bald zuschiken werden – durch Lieferung von Beyträgen aus deiner Feder als da sind Recensionen vorzügl. aber Abhandlungen über Gegenstände die welche die musicalische Welt intereßiren können, (denn die Zeitung wird den Nahmen erhalten: Zeitung für die musicalische Welt), Wenn du wie ich nicht zweifle, dergleichen schon ein und anderes fertig hast, so gieb es ja vor der Hand in kein andres Blatt, sondern spar es für uns: Wenns gut geht fangen wir mit dem 1t May 1811 an. Uebrigens wirf dich nun gleich einmal recht ins schriftstellerische Fach wie die Sau in Koth, mache dir Connexionen, engagire und sieh dich um nach Leuten welche uns Notizen von Wien aus auch dann noch werden geben können wenn du nicht mehr dort bist. Vor allem aber schreibe recht viel in alle mögliche Blätter über alles was dir vorkömmt damit du recht in […] Zug kömmst.

Nun leb wohl lieber Bruder, Gott erhalte dich standhaft und waker thätig für die gute Sache. Vergiß nicht mir neben den Vereins Geschäften, auch fleißig ein freundschaftliches Wort zu schreiben. Vale. Erinnre dich noch der Freude welche du mir in Heidelberg* im Bette nach jenem vergnügten Abende gemacht hast u[nd] wofür ich dir ewig mit Herz, u[nd] bey Gelegenheit auch wieder mit Mund u[nd] Magen, dankbar seyn werde, – der hasenfüsigen StrohRenomisten* welche uns einige Minuten lang während des Mittageßens bey Houts auf Stift Neuburg incomodirten – des vergnügten Rükwegs über Schwezingen, der verschiednen Vivats welche wir bey’m Punsch deinem LandsMann* ins beßre Leben nachriefen – der erbaulichen Saulieder welche du uns lehrtest pp – denk nur, Dusch ist mit jenen oben belobten Renomistenkerls gar nicht wirklich ad manus gekommen. Sechse derselben ließen ihn fordern, er nahms an, sie zogens aber hernach so sehr in die Länge daß jezt kein Mensch mehr daran denkt. – die Bachschen Corale* sind bereits heraus bey Kühnel.

Meine Frau, – Schwester – u. zwey Schwäger* grüßen dich. Vale
Tuissimus
G. Giusto

[es folgen die Statuten des „Harmonischen Vereins“, zunächst in C. M. v. Webers Handschrift:]

Harmonischer Verein.B.

Die so häufig einseitigen Partheiischen Beurtheilungen von KunstWerken, von Verlegern gedungene Lobpreiser ihres Verlags, und die Schwierigkeit dem wahrhaft Guten, auch ohne großen Namen, in der Welt Plaz und Würdigung zu verschaffen, bewogen, C: M: v: W:Joh: G: M: Beer. Gottfried W: und Alexander von Dusch, einen Verein zu knüpfen, der zum Besten der Kunst sich gegenseitig thätig unterstüzend, handeln und wirken könnte. Gleich großer Eifer für die Kunst, gleiche Ansichten derselben, die Nothwendigkeit besonders den Ästhetischen Theil derselben mehr zu pflegen, waren die HauptGründe des Vereins. – Das Schiksal erlaubte nicht, daß alle Theilnehmer an einem Orte vereint wirken konnten, und deßwegen hielt man es für nothwendig eine Norm zu zwekmäßigem Gang des Ganzen zu entwerfen und festzusetzen. Die wahre untadelhafte Ansicht des Vereins ist bey jedem Gliede vorauszusezen, und da manche schiefe Ansicht und Deutung möglich wäre, und auch manches Hinderniß nur durch Beharrlichkeit zu überwinden seyn wird, so wählte man zum Wahlspruch: Beharrlichkeit führt zum Ziel. – Mit Recht glaubt sich der Verein, der Harmonische Verein nennen zu dürfen, weil hier alles nur von Einem Eifer, Einer Ansicht beseelt, und in dem Entferntesten Eines ist. § 1. die strengste Verschwiegenheit über die Existenz des Vereins ist eine Pflicht die aus der Natur der Sache entspringt. Alle Wirkungen deßelben würden aufhören, wenn er bekannt wäre, denn schwerlich würde das Publikum einem solchen Verein Unpartheilichkeit und Wahrheit zutrauen.

§ 2. die Leitung des Ganzen wurde C: M: v: W: als Dirigens übertragen.

§ 3. Zum fixen Central Punkt ist Mannheim bestimt. wo Gottf: W: als Sekretär des Vereins, das Archiv bewahrt, die Casse hat, ein Buch über Einnahmen und Ausgaben führen wird, und die einkommenden Aufsäze und überhaupt alle Aktenstüke so ordnet und verzeichnet, daß der Gang der Arbeiten genau übersehen werden könne.

§ 4. Alle Schreiben an den Dirigens, werden offen unter der Adreße, H: Licentiat Weber in Mannheim eingeschikt, welcher in steter Berührung mit dem Dirigens sie ihm am schnellsten zusenden wird.

§ 5. da auf jeden Fall bedeutende Porto Auslagen pp vorfallen werden, so wird hiezu später ein fixer Beytrag bestimmt.

§ 6. Eigentlich consti[t]uirende MitGlieder können nur die seyn, die Componisten und Schriftsteller zugleich sind; besonders aber auch in Hinsicht ihres Karakters den wahren Gebrauch des Vereins nicht verunedeln.

§ 7. Außer diesen sollen auch noch litterärische Brüder aufgenommen werden, nämlich solche, welche ohne Componisten zu sein, MusikKenntniß mit schriftstellerischem Talente verbinden, und durch ihre Gedichte, und andere Litt: Arbeiten der Tonkunst nüzlich seyn können. Sie genießen durchaus gleiche Rechte und Antheile mit den übrigen Brüdern.

§ 8. In der Wahl neuer Brüder muß man die gröste Vorsicht beobachten, daher kann kein Mitglied aufgenommen werden, für das der Vorschlagende sich nicht aufs strengste verbürgt, und

§ 9. indem er ihn dem Dirigens vorschlägt eine genaue Auseinandersezung seiner Kunst und LebensAnsichten einsendet, welche der D: den andern B:[rüdern] zur Beurtheilung mittheilt.

§ 10. daß eher der Anzunehmende nichts von der Existenz des Vereins erfahre, versteht sich von selbst. hierdurch werden Mißbräuche verhindert, keineswegs aber Talentvolle Menschen von den heilbringenden Arbeiten des Vereins ausgeschloßen.

§ 11. Jeder Bruder muß sich einen Nahmen wählen, den er unter seine Rezensionen pp sezt, wenn er nicht seinen eigenen unterzeichnet. hiedurch wird möglichen Collisionen vorgebeugt, da jeder Bruder sogleich die Arbeiten des andern erkennt.

§ 12. Sollte ein Bruder es nöthig finden, sich zur Unterschrift mehrerer Nahmen zu bedienen oder einen neuen wählen, so soll er es sogleich dem CentralBureau anzeigen, welches dieß den anderen MitGliedern eröffnet.

§ 13. Zwey Monate nach der Aufnahme /: resp: 2 Monate nach Abschließung des Vereins :/ ist jeder Bruder verpflichtet, seine Biographie worinn hauptsächlich seine Kunstbildung entwikkelt ist, dem Archiv einzusenden, und am Ende eines jeden Jahres die Fortsezzung pünk[t]lich zu liefern. der Central Sekretär wird die säumigen MitGlieder daran zu mahnen haben.

§ 14. der HauptZwek des Vereins, und folglich die Hauptpflicht eines jeden Bruders, ist, das Gute zu erheben und hervorzuziehen, wo er es immer finden mag, und besonders ist hier auf junge angehende Talente Rüksicht zu nehmen.

§ 15. Hingegen da die Welt mit so viel schlechten Produkten überschwemmt wird, die oft nur durch Autoritäten und elende Rezensionen gehoben werden, so ist es eben so Pflicht, dieß aufzudeken, und davor zu warnen, wo man es findet. doch hoffen wir daß dabey auch aller gewöhnliche Rezensenten Ton vermieden werde.

§ 16. Nächst diesem ist Verbreitung und Würdigung der Arbeiten der Brüder eine angenehme Pflicht.

§ 17. Jedes Werk das aus der Feder eines Bruders fließt, muß dem Dirigens unverzüglich bey seiner öffentlichen Erscheinung von dem Verfaßer angezeigt werden. wobey er die individuellen

[Fortsetzung von Gottfried Webers Hand:] Ansichten seiner Arbeiten bemerkt. der Dirigens überträgt dann deßen Recension ]in[ einem bestimmten Blatte einem andern Bruder, u[nd] zeigt es dem Verfaßer an.

§. 18. von jeder Recension Aufsaz p. schikt der Verfaßer derselben eine eng geschriebne Abschrift in 8vo Format an das Archiv, woraus die Wirkung u[nd] das Fortschreiten des Archivs zu sehen, jedem Mitgliede belehrend und willkommen seyn wird.

§. 19. Partheilichkeit muß aufs strengste vermieden werden, daher das zu tadelnde nicht in den Recensionen nicht übergangen werden darf: aber wenigstens mit Bescheidenheit gesagt, und nicht im beißenden hämischen Tone unsrer Zeit Recensenten gethan werden muß.

20. Sollte aber, welcher Fall nicht wohl denkbar ist, ein Bruder etwas wirklich schlechtes geliefert haben, so soll ihm der Dirigens dieses offen sagen, und ihn zur Zurüknahme der Arbeit bewegen. Hat der Verfaßer Einwendungen gegen das Urtheil des Dirigens so holt dieser ein weiteres Gutachten von zweyen Brüdern ein. Wenn alsdann einer von diesen zweyen, mit dem Urtheile des Dirigens einverstanden, dem Verfaßer zur Zurüknahme des Werkes räth, dieser aber sich dazu dennoch nicht entschließt, so soll alsdann gegen ihn nach §. 15. verfahren werden.

21. obwohl die Tendenz des Vereins in gar keiner Hinsicht auf irgend eine politische Existenz Einfluß haben soll, so ist es doch vorauszusezen, daß jeder Bruder wo er den andren findet, demselben mit allen Kräften dient, und dadurch sich über den so häufigen erbärmlichen Künstlerneid erhaben zeigt.

Central Archiv. den 30t 9br. 1810.

Apparat

Zusammenfassung

berichtet über Aufenthalt in Frankfurt und Auseinandersetzung mit André; Reise nach Mannheim, wo Peter-Scholl-Ouverture und Klavierkonzert im Museum aufgeführt worden seien; berichtet über gescheiterten Antrag, in Mannheim zu bleiben; teilt mit, daß er Abu Hassan in Mannheim fertiggestellt habe; legt Satzung des Harmonischen Vereins bei.

Incipit

Deinen Brief vom 17. 8br von Salzburg aus habe ich

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

Textzeuge

Wien (A), Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Bibliothek (A-Wgm)
Signatur: Weber an Gänsbacher 6 u. 4

Quellenbeschreibung

  • Wien GdM (Weber an Gänsbacher 6) u. Beilage: Satzung des Harmonischen Vereins (Weber an Gänsbacher 4), 1 DBl. (4 b. S. o. Adr.) und Beilage(=Nr.4) 1 Bl. (2 b. S. o. Adr., datiert 30. November 1810)
  • Vermerk von Jähns auf 2v: Melos: pseudonym für C. Maria v. Weber. Von diesem ist nur der erste Theil des Briefes geschrieben. / G. Giusto: pseudonym für Gottfried Weber. Von diesem der 2te Theil des Briefes
  • Vermerk von Jähns auf 1v der Beilage: bis Mitte von § 17 von C. Maria v. Weber’s Hand, von dort bis zu Ende von der Hand Gottfried Weber’s

Überlieferung

Weitere Textquellen
  • Nohl (Musiker-Briefe) 1867, S. 187–189, Beilage S. 189–192;

Textkonstitution

  • "und": durchgestrichen.
  • "sogar": Hinzufügung.
  • "": Gelöschter Text nicht lesbar.
  • Unleserliche Stelle
  • " will ": Gelöschter Text nicht lesbar.
  • Unleserliche Stelle
  • Unleserliche Stelle
  • "weshalb": durchgestrichen.
  • "die": durchgestrichen.
  • "engagire": durchgestrichen.
  • "und": Hinzufügung.
  • "": Gelöschter Text nicht lesbar.
  • Unleserliche Stelle
  • "Zug": Hinzufügung.
  • "nicht": durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

  • "Deinen Brief vom 17 8br": nicht ermittelt
  • "unter 9 t … nach Wien geschrieben": vgl. Brief Webers an Gänsbacher vom 09. Oktober 1810
  • "Beylage": gemeint sind die Statuten des Harmonischen Vereins (KS 16)
  • "wichtigen Vorfall": betrifft die erhoffte Anstellung bei Stephanie von Baden, vgl. weiter unten
  • "6 kleinen Sonaten": 6 Sonaten JV 99–104, vgl. Brief Webers an Gottfried Weber vom 01. November 1810
  • "Concert pp": Lt. TB sandte Weber am 18. Oktober neben den 6 Sonaten noch das Klavierkonzert Nr. 1 JV 98 und das Recitativ und Rondo Il momento s avvicina JV 93 an André.
  • "Concert in Frankfurt": vgl. Brief Webers an Gottfried Weber vom 23. Oktober 1810 und Brief Webers an Gottfried Weber vom 01. November 1810
  • "Franzosen einrükten": vgl. Brief Webers an Gottfried Weber vom 23. Oktober 1810
  • "Demar": Johann Sebastian Demar, vgl. Brief Webers an Gottfried Weber vom 01. November 1810
  • "deine Lieder": 6 Canzonetten [= 6 Gesänge op. 9 mit Begleitung von Pianoforte oder Guitarre, VN 3004]; vgl. Erläuterungen zum Brief Webers an André vom 20. September 1810 und Brief Webers an Gänsbacher vom 24. September 1810
  • "deinen Brief": Brief von Gänsbacher vom 17. Oktober ??, nicht ermittelt
  • "Meße in Salzburg": [Gänsbacher, Messe vgl. Münchner Politische Zeitung 1810, S. 807: betrifft Augsburger Aufführung im Juli!]
  • "d: 19 t war Museum ,": Vgl. dazu die Kritik im Morgenblatt für gebildete Stände, Jg. 4, Nr. 300 (15. Dezember 1810), S. 1199–1200, Schr. 1810-s13. Bei den erwähnten Werken handelte es sich um die Ouvertüre zu Peter Schmoll JV 8, das Klavierkonzert JV 98 und Meyerbeers130. Psalm (De profundis).
  • "einige Liedchen zur Guittarre zu singen,": Nach dem Bericht im Morgenblatt trug Weber auf Wunsch der Prinzessin noch einige italienische Lieder mit Guitarre Begleitung vor, wobei nicht angegeben ist, ob es sich hierbei um eigene Kompositionen handelte; sicherlich waren dies aber nicht Webers Canzonetten op. 29, da diese erst 1811 komponiert wurden.
  • "Stelle antragen": vgl. TB 19. November 1810
  • "oft bey der Herzogin": Besuche sind im TB nur erwähnt am 23. November (vergeglich, da die Herzogin erkrankt war) und am 26. November.
  • "nicht mich zu engagiren ;": Diese Entscheidung geht zurück auf eine Rückfrage Berstetts bei dem Intendanten von Vennigen, der es in einem Schreiben vom 26. November (vgl. Dok. H-1810-y04) für unzweckmäßig hält, daß ein zweiter Direkteur bei einen so schwach besetzten Orchester, als das hiesige ist, angestellt werde. Außerdem scheint ihm diese Stelle gegenwärtig nicht finanzierbar.
  • "Oper Abu Haßan fleißig arbeite": vgl. TB 2.–4. und 10.–13. November
  • "Instrumentiren von 3 Stükken": Diese Arbeiten sind im TB nicht erwähnt; lediglich die noch fehlende Ouvertüre ist am 9. Januar 1811 als entworfen und am 11. Januar als instrumentirt vermerkt. Auch im Partitur-Autograph sind (mit Ausnahme der Nr. 2) alle übrigen Nummern als im November componirt angegeben.
  • "vorgestern in Heidelberg": vgl. TB 3. Dezember; der Brief wäre demnach am 5. Dezember begonnen worden!
  • "deiner Oper": Des Dichters Geburtsfest, vgl. Brief Webers an Gottfried Weber vom 01. November 1810
  • "Musikalische Zeitung": Vgl. hierzu auch die Nachschrift Gottfried Webers, der den Namen des geplanten Blattes mit Zeitung für die musikalische Welt (wohl in Anlehnung an die Zeitung für die elegante Welt) angibt. Trotz der konkreten Planung der ersten Nummer für den 1. Mai 1811 kam es nicht zur Verwirklichung des Planes.
  • "Zeitschrift in Wien … die die Schlegel": Österreichischer Beobachter, lt. Ernst Behler, Die Zeitschriften der Brüder Schlegel. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Romantik, Darmstadt 1983, von Friedrich Schlegel am 2. März 1810 als neue offizielle Tageszeitung Österreich (S. 5) gegründet. Die Zeitschrift enthielt eine feuilletonistische Beylage, die Schlegel ungefähr ein Jahr lang redigierte und zu dem er selbst auch zahlreiche kritische Beiträge lieferte, wohingegen er die Redaktion dieses Blattes bald an [Anton von] Pilat abgab (S. 5). Der Österreichische Beobachter wurde am 2. März 1810 Nachfolgeorgan der von Schlegel begründeten Österreichischen Zeitung, die vom 24. Juni bis 16. Dezember 1809 erschienen war (vgl. Ernst Behler, Friedrich Schlegel, Reinbek 1966, S. 110–113) und erschien bis .
  • "gräflichen Haus": Karl Anton Reichsgraf Firmian und Maria Anna Gräfin Althann
  • "Was sagst du … Musik. Zeit. Plan?": vgl.
  • "gedrukten Plan": Bis zum Druck des Zeitschriftplans scheint das Projekt nicht gediehen zu sein, da später nicht mehr davon die Rede ist.
  • "Freude welche du mir in Heidelberg": betrifft wohl den Aufenthalt Ende Mai 1810 in Heidelberg; vgl. hierzu und im folgenden Gänsbacher, Denkwürdigkeiten, S. 35–36; Weber spielt wohl auf die etwas dunkle Bemerkung im TB vom 31. Mai 1810 an.
  • "StrohRenomisten": vgl. Gänsbacher, Denkwürdigkeiten, S. 35: Ein unangenehmer Vorfall stöhrte die Unterhaltung. Während dem Essen kamen gegen 20 Burschen und machten Lärm im Hause. Der Hausherr verbath sichs. Dusch nahm sich auch der Sache an; es wurden Worte gewechselt und das Resultat war eine Herausforderung, die aber, wie ich nachher erfuhr, nie in Erfüllung gieng. – Diese Störung hing vermutlich zusammen mit der Anfang Mai in Heidelberg erlassenen Auflößung der unter den hiesigen Academikern bestandenen Landsmannschaften, denen auch verboten wurde, Treffen in Wirts- oder sonstigen Häusern abzuhalten, was zu erheblichen Unruhen unter der Studentenschaft führte (vgl. Heidelberger Wochenblatt, Jg. 4 (1810), S. 89 u. 219–221). Vgl. hierzu auch Rheinische Correspondenz, Nr. 163 (14. Juni 1810), S. 649–650.
  • "… wir bey'm Punsch deinem LandsMann": Andreas Hofer, der Sandwirt (Besitzer des Wirtshauses Am Sande; vgl. Denkwürdigkeiten, S. 36), geb. 1767; führte seit Mai 1809 die Tiroler Volkserhebung gegen die bayerische Herrschaft; nach der Niederlage Anfang November 1809 wurde er am 20. Februar 1810 in Mantua erschossen.
  • "Bach schen Corale": 12 Choräle JV Nachtrag 23; vgl. Brief Webers an Kühnel vom 30. August 1810 und Brief Webers an Kühnel vom 28. November 1810
  • "zwey Schwäger": Gottfried hatte nur einen Schwager: Ludwig Hout, der mit Gottfrieds Schwester Antonia verheiratet war. Wen meint Gottfried hier, eventuell ironisch?????

XML

XML Download

Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist,
so bitten wir um eine kurze Nachricht an bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.