Carl Maria von Weber an Ernst August Friedrich Klingemann in Braunschweig (Entwurf)
Dresden, Montag, 8. Januar 1821

An H: Dr: Klingemann in Braunschweig.

P: P:

Höchst ungern ergreiffe ich die Feder, weil ich voraussezzen kann, daß das worum ich E: W: wieder ersuchen muß, Sie nur sehr unangenehm berühren wird. ich kann dabey allein auf Ihre Güte, und die Ihnen wohlbekannten Empfindungen eines schaffenden Künstlers hoffen, daß Sie mir nicht zürnen werden.

E: W: wißen daß meine Oper der Freyschütze zu Eröffnung des neuen Berliner Schauspiel Hauses bestimt ist. Seit 2 Jahren ruht sie* in Erwartung dieses Zeitpunkts. Wie ich in Braunschweig war* glaubte ich mit Zuversicht daß sie zu Anfang dieses Jahres in Szene gehen würde. noch ist kein Anschein dazu. Sie sehen meine Verlegenheit. ohne Darf ich zugeben daß nun diese Oper zuerst auf einer anderen Bühne gegeben werde, wenn ich nicht das Ehrenvolle des Berliner Auftrags verscherzen, und mir 1000 Unannehmlichkeiten zu ziehen will. Ich weiß was mir E. Wohlgeb: antworten werden; welche Anstalten Sie schon getroffen, wie sehr Sie darauf zur Februar Meße rechnen, daß Sie vielleicht nichts anderes dafür in Bereitschaft haben pp. aber – sezzen Sie sich in meine Lage, und gewähren Sie mein Ersuchen – den Freyschützen nicht früher auf die Bühne zu bringen als er in Berlin gegeben* ist; was sich von jeher von selbst verstand, und welches ich aber bei unsern Verhandlungen* im 8b und 9b in der sicheren Hoffnung daß kein Hinderniß eintreten würde, vielleicht nicht mit Bestimtheit wiederholt aussprach.

Bedauern Sie mit mir diese widerlichen Verhältniße, und zürnen Sie nicht Ihrem Sie mit freundschaftlichster Hochachtung ehrenden       C: M: vW:

Apparat

Zusammenfassung

bittet um Aufschub der geplanten "Freischütz"-Aufführung in Braunschweig, da sich die UA anläßlich der Eröffnung des neuen Berliner Schauspielhauses wider Erwarten verzögere; gibt seinem Bedauern Ausdruck, betont aber, er habe dies bei den Verhandlungen in Braunschweig nicht voraussehen können;

Incipit

Höchst ungern ergreiffe ich die Feder, weil ich

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

Textzeuge

Entwurf: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Mus. ms. autogr. theor. Carl Maria von Weber WFN 6 - Mappe X, Bl. 72b/v; Kopie: Weberiana Cl. II B, S. 835, Nr. 23

Textkonstitution

  • "kann": "muß" durchgestrichen.
  • "E: W:": "Sie" überschrieben.
  • "wieder": Hinzufügung.
  • "Sie": "Ihnen" überschrieben.
  • "ohne": durchgestrichen.
  • "Darf": Gelöschter Text nicht lesbar.
  • Unleserliche Stelle (ca. 3 chars)
  • "werden": "können" überschrieben.
  • "den Freyschützen nicht … Berlin gegeben* ist;": Hinzufügung am Rand.
  • "und": durchgestrichen.
  • "kein": "dieß" überschrieben.
  • "eintreten würde": "von selbst wegfiele" durchgestrichen.
  • "vielleicht": Hinzufügung.
  • "widerlichen": "unglücklichen" durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

  • "Seit 2 Jahren ruht sie": Weber übertreibt hier, denn der Abschluß der Partitur des Freischütz datiert erst auf den 13. Mai 1820. Weber hatte im Brief an Brühl vom 25. Dezember 1820um ein Schreiben gebeten, mit dem er die geplante Braunschweiger Aufführung Klingemanns verzögern könne. Ob er den laut TB am 8. Januar 1821 eingegangenen Brief Brühls diesem Schreiben an Klingemann beilegte, ist nicht mehr festzustellen, da nur der Entwurf, nicht aber das Original des Briefes an Klingemann erhalten ist.
  • "in Braunschweig war": Weber hatte sich auf seine Reise nach Norddeutschland vom 7. bis 11. August und vom 27. Oktober bis 1. November 1820 in Braunschweig aufgehalten, vgl. TB.
  • " nicht früher … in Berlin gegeben": Weber hatte die Partitur des Freischütz bereits am 24. November 1820 an Klingemann abgeschickt (im Ausgabenbuch als Nr. 1), vgl. TB. Die Premiere des Freischütz in Braunschweig fand aufgrund der Verzögerung der Berliner Uraufführung erst am 17. Januar 1822 statt, vgl. AMZ, Jg. 24, Nr. 23 (5. Juni 1822), Sp. 377–378. Weber hat dazu am 24. Oktober 1821 noch eine Kopie der Romanze des Ännchen „Einst träumte meiner seligen Base“ (Nr. 13), übersandt, vgl. TB und das Braunschweiger Material, heute in Wolffenbüttel HAB (Cod. Guelf. 258c Musica Hdschr. 1–3). Zur Verschiebung der Aufführung in Braunschweig vgl. auch den Brief an Brühl vom 16. Januar 1821 und Ulrich Konrad, Carl Maria von Weber und das Nationaltheater Braunschweig. Zur Frühgeschichte des „Freischütz“, in: Questiones in musica. Festschrift für Franz Krautwurst zum 65. Geburtstag, hg. von Friedhelm Brusniak und Horst Leuchtmann, Tutzing 1989, S. 303–316.
  • "unsern Verhandlungen": Im TB sind Verhandlungen vor der Übersendung der Partitur am 24. November 1820 nicht belegt.

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