## Title: Friedrich Wilhelm Jähns an Felix Otto Dessoff in Karlsruhe. Berlin, November 1878 ## Author: Jähns, Friedrich Wilhelm ## Version: 4.4.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A044081 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Briefstelle an Dessoff in Carlsruhedenn wozu dient die Kürzung? Zur Zeitersparniß? Sie erspart genau 1 1/4 Min! – Zu klarerern Hergang gedrängterem u deshalb vielleicht klarerern übersichtlicherem Hergang des Ganzen? Es kann nur dem Ganzen frommen, wenn das was geschieht, genügend motivirt wird. – Ist der Eremit nicht schon genug ein Deus ex machina? Ist er nicht nach der Kürzung nicht nahe am Statisten? – Freilich hat Kind die Oper ursprünglich mit einer Scene zwischen ihm u. Agathe eröffnet. Aber Gott sei Dank fiel diese Scene, noch ehe sie componirt war auf Drängen von W.'s damaliger Braut, seiner damals als Sängerin in Prag bühnenkundigen geistvollen Caroline. Der Schluß zu Anfang beim Aufgehen des Vorhangs jetzt war wahrlich keine ... verschossene .... 7te Kugeln, welche äffen, sondern einer von den sechsen, welche treffen mußte. Der Strich war ein durch den jene 1ste Scene fiel, war ein Meisterschuß, wenn er auch von der nachmaligen Frau Meisterin kam. Aber diese Streichung der 22 Takte des Eremiten? Zu ihnen tritt ja das schöne Motiv Ottokar's "Bist du es heilger Mann" (auch die Ouverture bringt es kurz vor dem Hauptthema in Es) hier tritt es noch einmal auf; der Eremit verbindet sich damit demjenigen, was Ottokar aussprach; – und nun die wirkungsvolle Steigerung bis "womit sie Leidenschaft umflicht" u. dann die beiden prächtigen Schlußzeilen "Wer höb" – Busen nicht? Alles, alles fort! – Nein es bleibt unbegreiflich, bei Weber namentlich unbegreiflich, schon der so genial ...im Schaffen selbst war, so begabt besonnen u. scharf abwägte, ehe er niederschrieb, vor dem alles innerlich fest stand u. fertig dastand, bevor er zur Feder griff, u. der sich | nur der äußersten Notwendigkeit beugte, um das einmal als für das recht Erkannte u. Hingestellte umzustoßen. – Und nun doch diese Streichung durch ihn, zu der welcher jede Nothwendigkeit fehlt. Ich hege die feste Überzeugung, das aus ihm die Kürzung nicht geflossen ist, sondern daß er sich nur dazu herbeiließ auf Vorstellung gewisser sogenannter Theaterpraktiker, vielleicht schon in Berlin dazu angeregt, jedenfalls in Dresden vor der Aufführung dort endlich dazu schlüssig gemacht, denn – die Partituren, vor der Dresdener Aufführung von ihm versendet enthalten die Kürzung nicht wohl aber enthalten sie 16 versendete es sind deren 8 über 17 von den 41 von ihm W. versendeten habe ich keine Nachichten erreichen können.