Giacomo Meyerbeer an Caroline von Weber in Dresden
Dresden, Montag, 23. Septembver 1844

In freundschaftlicher Vereinigung haben heutigen Tages, wir, die Endesunterzeichneten in Betref der von unserm verewigten Freunde, Gatten und Vater, dem Kapellmeister Karl Maria von Weber unvollendet hinterlassenen, ursprünglich Die drei Pinto genannten Oper, Folgendes zu Recht bestehend verabredet.

Nämlich ich, der unterzeichnete GeneralMusikdirektor Giacomo Meyerbeer verspreche in treuem Andenken an meinen theuren Freund und zu Gunsten der Hinterlassenen desselben, die von ihm nicht vollendete, in den Händen habende Opernmusik, bestehend in den nichtinstrumentirten Skizzen von 8. Musikstücken zu vollenden, und einen zweiten Akt, zu welchem keine Materialien vorhanden sind, neu dazu zu componiren, und zwar unwiderbringlich in dem Zeitraum von zwei Jahren von dem Tage an, wo mir der vollständige neuzubearbeitende Text überliefert seyn wird, und als vollständig vollendetes Singspiel in zwei Akten der Frau Wittwe und ihren Kindern als deren alleiniges Eigenthum zu übergeben, woran ich für meine Person allen Ansprüchen für immer entsage. |

Zugleich will ich, falls ich bis zu der angegebenen Zeit das besagte Werk nicht vollendet haben sollte, zur Entschädigung der von Weberschen Erben, namentlich der Söhne meines geliebten Freundes, für den entzogenen Gewinn der demselben aus einer frühern Vollendung der Oper durch mich hätte zufließen können, mich hiermit bereit und verbunden erklären, an dieselben, außer den zu diesem Zwecke bereits deponirten Eintausend Thalern, annoch die Summe von Zweitausend Thalern zu zahlen, so daß die bezeichneten von Weberschen Hinterlassenen berechtigt seyn sollen, wenn ich bis zu dem weiter unten spezifizirten Termin das Singspiel nicht an sie abgeliefert haben sollte, neben der Zurückfoderung des fraglichen Manuscripts auch die angegebene Summe sofort von mir zu verlangen.

Dagegen acceptiren wir die Mitunterzeichneten Hinterlassenen des Kapellmeisters Karl Maria von Weber das vorstehende gütige Versprechen des Herrn GeneralMusikdirektors Meyerbeer in beiderlei Art andurch bestens | und dankbarlichst, indem wir uns dadurch eben so auch unsrer Seite förmlichst für gebunden und verpflichtet erklären, so daß diese Uibereinkunft beiden Theilen gleiche Rechte und Verpflichtungen auferlegt.

Endlich sind beiderseits Interessenten auch noch dahin übereingekommen. Die Ausarbeitung eines neuen Texts zu dem fraglichen Singspiele soll unter Vermittlung des Herrn Gen. Mus. Direktor Meyerbeer entweder nach Befinden Madame Birch-Pfeiffer oder Herrn von Holtei übertragen, auch dafür Seiten der Erben ein Honorar von 40. Friedrichsd’or bewilliget werden, welches jedoch der Herr Gen. Musik Direktor Meyerbeer einstweilen auszahlen und erst nach Vollendung der Oper sich remboussiren laßen wird. Auch soll ein solcher Text nur erst dann für völlig geeignet und annehmbar angesehen werden, wenn von dem Herrn Gen. Mus. Director Meyerbeer und Herrn Hofrath Winkler als dem Dichter des frühren Textes dazu die Zustimmung ertheilt worden ist. Dieser Text soll jedoh bis spätestens | zum 1. April 1845 vollendet seyn, so daß also die Ablieferungszeit der vollständigen Musik zu demselben auf den 1. April 1847 festgesezt wird, wobei man sich noch über Folgendes vereinigt, daß wenn bis zum 1. April 1845 auf obengedachte Art kein neuer Text zur völligen Zufriedenheit des Herrn General Musik Director Meyerbeer geliefert worden wäre, derselbe sich für verpflichtet erklärt, den älteren, frühern Text, jedoch nach einem Arrangement desselben in 2 Akten, zu componiren.

Urkundlich ist diese Uibereinkunft in zwei gleichlautenden Exemplaren ausgefertigt und zu treuer Festhaltung derselben vollzogen worden.Karl Winkler,
als Vormund
des minderjährigen Alex:
von Weber
und in Auftrag des Herrn
Max. von Weber.
Carolina von WeberGiacomo Meyerbeer.

Apparat

Zusammenfassung

Vertrag über die Pintos: Meyerbeer verspricht die Skizzen zu 8 Musikstücken zu vollenden und einen 2. Akt neu zu komponieren innerhalb von 2 Jahren nach Vorlage des neuen Textes; falls er dies nicht einhalte, will er außer den zu diesem Zwecke schon deponierten 1000 Talern weitere 2000 zahlen und das Material zurückgeben; die Ausarbeitung des neuen Textes solle von Birch‑Pfeiffer oder Holtei geschehen und dafür 40 Friedrichsdor bewilligt werden; zu dem Text müssen Winkler und Meyerbeer zustimmen, er soll bis 1. April 1845 fertig sein; unterschrieben von Caroline, Meyerbeer und Winkler;

Incipit

In freundschaftlicher Vereinigung haben heutigen Tages, wir

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: N. Mus. Nachl. 97, W/60

Quellenbeschreibung

Weitere Textquellen
  • Becker (Meyerbeer), Bd. 3, S. 785f.

Textkonstitution

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