## Title: Aufsatz über die Erfindungen der Dresdner Instrumentenbauer Kaufmann Vater und Sohn ## Author: Anonymus ## Version: 4.5.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A031803 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Die neuesten musikalischen Kunstwerke der Herren Kaufmann, Vater und Sohn in Dresden.Einen genußreichern Abend, nach den Mühen und Bürden des Tages, kann man sich wohl nicht verschaffen, als wenn man den musikalischen Abendunterhaltungen beiwohnt, welche oben genannte Meister in ihrer Kunst jetzt den Dresdnern geben. Durch ihre drei neu erfundenen Maschinen von der schwierigsten und interessantesten Erfindung, von dem schönsten und kunstgerechtesten Ton und von dem geschmackvollsten Aeußern, nehmen sie Kopf und Herz, Gehör und Gesicht gleichsam abwechselnd in Beschlag. I. Ein Trompeter, im reichsten altspanischen Kostüm, durch ein Walzenwerk, gleich einer Spieluhr, in Bewegung gesetzt, bläst nicht nur die schönsten Stücke, deren dieses Instrument fähig ist, bringt nicht nur die gewöhnlichen Prinzipal- und Klarinotöne, sondern auch Doppeltöne so täuschend hervor, daß man bestimmt zwei Trompeter zu hören meint; ja sogar das tiefe a und h, an welchen bisher alle lebendige Trompeterlippen verzweifelten. 2. Eine prachtvolle Uhr steht mit einer Pianoforte-, Flöten- und Flageolet-Maschine in Verbindung, deren richtiger Takt, hinreißender Ton und ausdrucksvolles Spiel fast nichts mehr in dieser Art zu wünschen übrig lassen. Die rauschendsten Sinfonieen, die lieblichsten Adagios, die schnellsten Tänze trägt diese Maschine, welche übrigens nicht Harfe, wie bisher, sondern wahres Pianoforte spielt, mit einer Präcision vor, die man bewundern muß; besonders ist das Crescendo und Decrescendo der Flöten in aushaltenden Tönen so täuschend, daß man bestimmt den habilsten und zugleich seelenvollsten Spieler auf einem Instrumente von Schanz oder Katholing zu hören meint. Bei einer Sinfonie aus dem Sargino fiel mitten in das Spiel dieser trefflichen Maschine, der daneben stehende Trompeter, so pünktlich ein, hielt so richtig mit ihr aus, als wenn nur ein Mechanismus das Ganze leitete und doch war der Trompeter ziemlich abwärts von der Pianoforte- und Flötenmaschine stehend, mit dieser nur durch einen unsichtbaren Faden in Verbindung gesetzt. Zwei Automaten gemeinschaftlich und gut concertiren zu hören, that eine ungemeine Wirkung. Den himmlischen Genuß der Musik abgerechnet, könnte ein Reicher der genannten Pianoforte-, Flöten- | und Flageoletmaschine noch einen Vortheil abgewinnen, den man bisher wohl noch nirgends beachtete. Eine große Gesellschaft nämlich kann darnach tanzen und sich damit der nicht selten lästigen Zeugen auf den Musikchören überheben, auch die Ausgaben dafür ersparen. Denn die Töne der Kaufmannischen Maschine sind stark genug, und bei weiten schöner, als die der gewöhnlichen Tanz-Orchester. Das Harmonichord ist dem Publikum zwar längst bekannt, denn Herr Kaufmann der Jüngere ließ es nicht nur 1810 schon im hiesigen Hotel de Pologne mit ungetheiltem Beifall hören, sondern bereisete auch damit die vorzüglichsten Städte Deutschlands. Allein beide Künstler, Vater und Sohn, haben indeß dies Instrument bedeutend verbessert. Es erscheint jetzt in größerer Form, hat einen ungleich stärkern Ton und einfachern Mechanismus. Bekanntlich ist es wie ein aufrecht stehender Flügel gestaltet, zaubert seine herzangreifenden Töne aus gewöhnlichen Metallsaiten und wird durch Klaviatur gespielt. Gleich der Harmonika, der es auch im Ton nahe kommt, eignet es sich vorzüglich für das Adagio. Doch erlaubt es auch ein mäßiges Allegro und läßt sich so äußerst delikat behandeln, daß man den Anfang des Tons, wie sein Ende, oft kaum bemerkt. Bezaubernd, das Herz gleichsam schmelzend, kommt er aus dem Reiche der heiligen Stille imd eben so geht er dahin zurück. Sein allmäliges Verhallen ist im Gebiet des Klanges gleich dem Verschwinden der Abendröthe im Gebiet der Farben. Wesentlich unterscheidet sich übrigens das Harmonichord von allen, ähnlichen Instrumenten dadurch, daß der schöne, der Glasharmonika so ganz ähnliche Nachhall seines Tons, wo es die Harmonie oder schnelle Passagen verlangen, durch Dämpfer ganz oder zum Theil benommen werden kann, und zwar so, daß man z. B. den Baß forttönen läßt, während der Discant in Staccato alle Noten scharf markiert, oder auch umgekehrt; dahingegen bei allen mir bekannten Instrumenten dieser Art entweder nur das Eine, oder das Andere Statt findet, z. B. bei der Glasharmonika der Nachhall, – wodurch das Allegro – beim Melodion aber das scharfe Abschneiden des Tons, wodurch besonders der Choral und das Adagio seinen höchsten Reiz verliert. Der jüngere Kaufmann spielte auf dem Harmonichord in einer der genannten musikalischen Abendunterhaltungen, nächst mehrern Adagios, auch dem Choral; O Haupt voll Blut und Wunden – und alle Anwesende fühlten sich ergriffen davon, besonders von den Bässen, welche eine melancholische Stärke haben, die wahrlich Mark und Bein durchdringt. Dadurch zeichnet es sich auch ganz besonders vor dem Bezoldischen Melodion aus, das mir, in Ansehung der Bässe, fast wie ein Gemälde ohne Schatten vorkommt. Der Trompeter ist eine Erfindung des jüngern Herrn Kaufmann, auf dem ganz des Vaters seltne mechanisch-musikalische Talente ruhen, die er noch dazu auf Reisen, besonders in Paris, ausgebildet hat. Die Pianoforte-, Flöten- und Flageoletmaschine ist Erfindung des Vaters. Am Harmonichord aber haben Vater und Sohn gemeinschaftlich und – mit nicht geringer Aufopferung gearbeitet. Genannte drei Kunstwerke forderten ein Studium und einen rastlosen Fleiß von fünf Jahren, binnen welcher Zeit die Künstler alle Gewinn bringende Arbeit beseitigten, um ihren Eifer für die angefangenen höchst schwierigen Unternehmungen durch nichts zu stören und zu zerstreuen. Mögen sie dafür Dank und Lohn ernten in der Aufmerksamkeit, welche, welche alle Kenner und Freunde der Kunst ihren Werken unmöglich versagen können. Dresden muß mit Recht stolz darauf seyn, unter die Zahl seiner Kinder und Bürger diese Männer zählen zu dürfen, deren Kunstwerke längst in und außer Deutschland rühmlichst bekannt sind – und welche mit seltnen Talenten und Kenntnissen eine, großen Meistern der Kunst, selten eigne, Bescheidenheit und Anspruchlosigkeit verbinden. #lb#Dresden, den 20. Sept. 1812.#lb#– – – t.