## Title: Chronik der Königl. Schaubühne zu Dresden vom 22. bis 27. April 1817 ## Author: Winkler, Karl Gottfried Theodor ## Version: 4.4.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A030123 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Am 20. April. Zum erstenmale: Helene, Oper in 3 Akten frei nach Bouilly, von G. F. Treitschke. Die Musik ist von Mehul. Unsre lieben Gäste Herr und Mad. Weixelbaum gaben Veranlassung zum Einstudiren dieser Oper. Wir dürfen uns bei der Beurtheilung derselben nur auf das beziehen, was der treffliche Karl Maria von Weber bereits in No. 96 dieser Blätter und früher, über Mehuls Musik überhaupt, diese Oper insbesondre und über die Ansicht für die gegenwärtigen Darstellungen und Opern, auf unsrer Bühne ausgesprochen hat. Und in der That gewährte die Ausführung mannigfaches Vergnügen. Das Süjet ähnelt sehr dem des Wasserträgers, so wie überhaupt die Franzosen vorzüglich zu einer gewissen Zeit eine vorherrschende Neigung zu solchen sogenannten Rettungsopern hatten. Dadurch wird den, wie im Wasserträger, nicht die Gräfin Armand, so auch hier nicht Helene, sondern der Pachter Moritz die Hauptperson besonders der zwei ersten, eigentlich auch allein interessanten Akte. Hr. Hellwig, welcher diese Rolle sang, gab sie uns aber auch ganz in dem wahren Sinne, und stellte ein treffliches Gemälde treuen Gemüths, wahrer Rechtlichtkeit, inniger Theilnahme und beschränkter, aber doch nicht roher Guthmüthigkeit auf, wofür ihn mehrmals lauter verdienter Beifall zu Theil ward. Mad. Weixelbaum sang die Helene mit dem ihr eignen tiefergreifenden Wohllaut der Stimme, und in den eingelegten schwierigern Parthieen mit ungemeiner Kunst, welche jedoch wieder vergessen läßt, daß sie nur Kunst ist, und zur ungeschmückten Sprache des Gefühls wird. Ihre etwas fremde Aussprache des Deutschen störte, da sie nicht eigentlich als Dialekt, sondern nur als Sorgfalt für die eingelernte Sprache – die Sängerin ist eine geborne Italienerin – sich darlegte, sehr wenig, und ihr Spiel war innig und wahr. Auch ihr Gatte, welcher den Grafen Constantin gab, erfreute uns sehr durch seine klangreiche Stimme und seinen braven Vortrag. Besonders trefflich führten sie die beiden Duetts aus, wo sich das innige Anschmiegen ihrer Stimmen in einander zu dem höhern Wohllaut der Seelensprache erhob. Dieselbe Oper ward darauf, mit gleichem Beifall: Am 24. April, wiederholt. Am 26. April traten in Tancredi Herr und Mad. Weixelbaum in ihren letzten Gastrollen auf, und schieden mit der Ueberzeugung, daß unser Publikum den Werth dieser so braven Künstler gewiß dankbar anerkannte. Am 27. April: Der Schawl, ward in den Hauptrollen, wie in den Nebenparthieen, mit vielem Fleiße gegeben. Hierauf folgte abermals Adrian von Ostade, wo jedoch Herr Hellwig mit besonderer Gefälligkeit, wegen Herrn Burmeisters plötzlich eingetretener Krankheit, den Doktor Cajus übernommen hatte, und zu großer Zufriedenheit durchführte. Zu gleicher Zeit gab Herr Genast, als Gastrolle, nochmals den Adrian – warum nennt man ihn auf dem Schauspielzettel bloß Ostade? – und in unbefangenerm Gesang und Spiel als bei der ersten Vorstellung entfaltete er sehr achtungswerthe Talente. Th. Hell.