## Title: Friedrich Kind an Friedrich Rochlitz in Leipzig. Dresden, Montag, 5. September 1825 ## Author: Kind, Friedrich ## Version: 4.2.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A046990 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Sr. Wohlgebℓ Herrn Hofrath Friedr. Rochlitz in Leipzig nebst 1. Ex: des Beckerschen Taschen- buchs auf 1826. Dresden, 5. Sept. 1825. Theuerster Freund, hier sende ich Ihnen mein Taschenbuch auf 1826. Was Gutes, was Schlechtes darin sey, werden Sie ja finden. Daß Ihnen Ged. V. nicht mißfallen haben, hat mich sehr erfreut. Das Portrait davor ist freilich ähnlich, doch wohl ein wenig zu alt Das von Schmidt ist nun fertig, meisterhaft gearbeitet, auch wohl, als Profil und in dieser Kleinheit, ähnlich genug. Mit Freuden habe ich gehört, daß er das Ihrige eben so bearbeiten wird – Daß ich hinsichtlich des Unterlegens (Für Freunde p II.) mit Ihnen gezankt habe und daß wir doch so ganz derselben Meinung sind, hat auch mich zu einem so behaglichen Lachen gebracht, als mir selber zu Theil wird. Aber – aber – ! Mit der Ironie ist es bei uns Deutschen eine eigene Sache. Vortrefflich durchgeführt ist der ganze Aufsatz; etwas unheimlich ist es mir manchmal wohl auch dabei vorgekommen. Indeß, wenn meiner Wenigkeit und Böttigern, mit dem ich über jenen Aufsatz sprach und der ihn doch auch ziemlich für Ernst angenommen hatte, der Scherz nicht ganz klar worden, wie Viele wird es geben, die das Ganze nicht völlig für Ernst halten? Auch hat Alles seine Gränzen. Ironie, man mag sie jetzt auch an- und herausstreichen, wie man will – oft; freilich nicht in dem fraglichen Falle, nur ein Nothbehelf, wenn es hie und da nicht fort will! – bleibt doch immer eine | Art Verspottung. Aber das Heilige darf nicht verspottet werden. Ich würde mir kein Gewißen daraus machen, dem Bösewichte die größten Blasphemien in den Mund zu legen, was auch unser Freund Fouque dagegen einwenden möchte; aber – der fromme, ehrliche Hinter-Pommer, wenn man über ihn lächeln soll, darf nicht schreiben, wie S. 404. Z. 18. vor Gott in christlicher Demuth pp S. 406. Z. 7. Die Grundlage von Gott den Herrn pp​ und S. 407. Z. 3. du vermochtest pp – Diese Stellen haben mich eigentlich irre geführt – und besonders bei Ihnen. – Es mag wunderbar seyn, daß ein Stück von Freigeist, wie ich bin, so etwas rügt; allein, es ist mein inneres Gefühl, was mich dieß zu rügen nöthigt. Genug, ich glaube, Sie hätten das Ganze komischer halten sollen, und sind daher dem Publicum eine mit derselben Consequenz durchgeführte Schicksalsfabel einer Operntänzerin oder eines […] Recensenten der hochseel. allgem. deutschen Bibliothek in der That schuldig. – Von Rechts Wegen. Die Ella aufführen – wollen Viele; aber keiner hat Muth oder Sinn genug, der Erste zu | seyn. Über die Übersetzungs-Fabriken bin ich ganz Ihrer Meinung, und wer, dem die Kunst wirklich etwas ist, sollte es nicht seyn? Man muß das mit ansehen. Da vertiret[= übersetzt] ein Häuflein Weiblein, die besten Thäter, zu streichen; der Meister corrigirt die Schnitzer heraus; man legt was Tanz und dergl. ein, man giebt das Stück nach irgend etwas, das – sey’s auch nur der Neuheit wegen – zieht. Da müßen es die Leute mit ansehen. Mißfälts – wird der Quark bei Seite gelegt. Gefällts – schickt mans an 20. Bühnen, läßt sich excl. mundi die 3. 4. Ducaten geben und giebt es zuletzt in Dr[…] – Abhit ! Weber soll ziemlich wohl zurückgekommen seyn, obwohl man ihn, wie vorauszusehen, einigemal todsagte. – Grillparzers Ottokar hat einzelnes Schönes, aber das Ganze – ? – Böttigern ist das Bad bekommen. – Wir haben jetzt ein Lager hier – in 32mo. Hätte unterlaßen werden können! – Auf d. 19. Oct. ist des Prinzen Max Vermälung, worüber – viel gesprochen wird!!* Ich aber bleibe stets der Ihrige Kind. * Auf dem Theater soll Spontinis Olympia und – lebende Gemälde zu dieser Feier gegeben werden.