## Title: Friedrich Rochlitz an Ignaz Franz Edler von Mosel in Wien. Leipzig, Freitag, 23. März 1827 ## Author: Rochlitz, Friedrich ## Version: 4.2.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A045520 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Sr. Hochwohlgeb. dem Herrn Hofrath und Vice-Director des k. k. Hoftheaters an der Burg, Edlen von Mosel in Wien. Frey, Gränze. Im Schotten-Hofe, ohn- weit dem Schotten-Thore. Leipzig, d. 23sten März, 27. Ihr Brief, theurer, verehrter Freund, vom 10 - 13 März, ist mir einer der überführendsten Beweise und eins der schönsten Geschenke Ihrer Freundschaftstreue. So schreibt Niemand, der nur Werthachtung und Geneigheit im Allgemeinen gegen den Andern hegt: das ist Männer-Freunschaft, fast so schön, als Frauen-Liebe, und fester als sie. Wüßten Sie, wie ich dies zu würdigen, und in treuer Erwiederung mein Glück zu finden weiß; wüßten Sie auch, wie es, als dieser Ihr Brief ankam, um mich stand: dann würden Sie sich denken können, wie es mich erfreute und seitdem immer von neuem erfreut; wie herzlich darum jetzt auch mein Dank ist. Nach diesem Händedruck – leider nur im Geiste – lassen Sie mich, ehe ich auf Anderes komme, einige Produkte Ihres Briefes nochmals berühren. […] Auf Salieri's Leben freue ich mich sehr, um seiner selbst, um des Verf.s, und um des Mannes willen. Nehmen Sie schon im voraus meinen Dank für das, was ich empfangen soll. Über Webers Oberon würde ich Ihnen Vieles schreiben, begäbe ich mich, oft gebeten von Härtel, nicht eben daran, eine Beurtheilung desselben, so weit sie bey Anzeige des bloßen Klavierauszuges Platz finden kann, für die musikal. Zeitung aufzusetzen. Da werden Sie mithin, dem Wesentlichen nach finden, was ich hier schreiben könnte. Die Grundideen meiner Ansicht des Ganzen werden Sie aber schon gelesen haben; denn die Wittwe, ängstlich gespannt auf die hiesige Aufnahme, hatte mich dringend ersucht, ihr gleich nach der ersten Vorstellung mein Urtheil zu schreiben. Das that ich; und sie, da es günstig ausfiel, ließ' es durch Böttiger, ohne mein Vorwissen, gegen meinen Willen, doch ohne meinen Namen, in die Allgemeine Zeitung spediren, wo es schon im im Januar gedruckt worden. Doch habe ich Beruhigung, daß ich jetzt, nachdem ich die Oper eilfmal gehört habe, (sie ist, in unsrer Mittelstadt, seit Ende Decembers nun 15mal gegeben) nicht anders darüber denke, als nach jenem ersten Eindrucke; der überhaupt bey bedeutenden Werken, zu denen ich mich recht gesammelt und zusammengehalten, mich fast niemals getäuscht hat. Dagegen muß ich noch einmal auf Spohrs Oratorium, die letzten Dinge, zurückkommen […]