## Title: Carl Maria von Weber und Gottfried Weber an Johann Gänsbacher. Mannheim, Freitag, 7. Dezember 1810 ## Author: Weber, Carl Maria von ## Version: 4.3.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A040318 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Geliebter Bruder Deinen Brief vom 17 8br von Salzburg aus habe ich den 1t 9ber richtig in Darmstadt erhalten. mit inniger Freude ergreiffe ich das herzliche du was schon lange in unsrer Seele lag, und nur der Mund nicht aussprach und was so schön uns traulicher zusamenschmiegt, also auf ewig mit biederem Handschlag auf du und du. ich habe dir unter 9t 8ber nach Wien geschrieben unter Adreße der Fr: v: Paradies und hoffe du wirst diesen Brief erhalten haben, daß ich dir so lange nicht mehr schrieb, hatte nicht Faulheit zum Grund, sondern weil die Beylage noch nicht im Reinen war, und ich auch einen wichtigen Vorfall meines Schiksals ganz abwarten wollte, doch nun zur ausführlicheren Relation wie gewöhnlich. Die 6 kleinen Sonaten für André hatte ich endlich fertig und schikte sie ihm nebst dem Concert pp d: 15t 8br. ich hatte so lange mit meinem zu gebenden Concert in Frankfurt gewartet, um die kältere Jahreszeit abzuwarten, nun war ein glüklicher Zeitpunkt da, meine Bekanntschaften der Umstand daß lange kein Concert gewesen war, alles versprach mir eine gute Einnahme. d: 22t fuhr ich daher von Darmst: nach Frankfurt stelle dir meinen Schrekken vor, als mit mir zugleich die Franzosen einrükten und alle Colonial Waaren in Beschlag nahmen. die Bestürzung und der allgemeine Jammer war so groß, daß durchaus an kein Concert geben zu denken war, ich blieb noch einige Tage in Frank.[furt] um zu sehen ob sich denn die Sache nicht wenden würde, da aber kein Anschein dazu da war, so gieng ich d: 30t wieder zurük nach Darmstadt. vorher war ich bey André in Offenbach gewesen, und hatte mich schwer geärgert, er hatte mir meine Sonaten zurükgeschikt, weil – sie zu gut wären, er zeigte mir welche von Demar pp so müsten Sie sein, ich erklärte ihm daß ich solch elendes Zeug nie schreiben könnte noch wollte, und verlangte mein Honorar, worauf er mir nur die Hälfte davon gab, und sagte es sey so Sitte bey ihm, die andere Hälfte erst bey Erscheinung der Werke zu bezahlen. was deine Lieder betrifft, so sind sie in der Arbeit, er hat mir aber nur 11 ƒ gegeben, weil er sagt er könnte das nicht anders verstehen, als daß die 10 Exemplare wie du ihm geschrieben, davon bezahlt würden, ich ärgerte mich zu sehr, um noch ein Wort weiter darüber zu verlieren, und gieng. – d: 1t Nov: nun hatte ich die Freude deinen Brief zu erhalten, gerade an dem Tage wo deine Meße in Salzburg aufgeführt wurde, worüber Papa und Bruder Beer große Freude hatten. H: Hofkamerath Hoffmann überredete mich, mit ihm nach Mannheim zu reisen, und ich, überdrüßig des vielen Unangenehmen wollte auch noch einige Tage ganz meinen Freunden, und der Freude weihen. ich reißte also d: 8t mit ihm ab, und überraschte meine lieben Manheimer. wie ich mich hier befinde brauche ich dir nicht erst zu sagen, wie im Himmel. und alles gedenkt deiner mit Liebe und Freundschaft, besonders das ganze Solomé'sche Haus, Hertlings, Edel, aber vor allem die Brüder Weber und Dusch, auch Frey grüßt dich. d: 19t war Museum, wo eine Overture von mir, einer von den Psalmen von Beer, und mein Concert gemacht wurden. die Prinzeßin Stephanie war darinn, und war ganz entzükt, bat mich einige Liedchen zur Guittarre zu singen, und war so für mich eingenommen, daß Sie mir auf der Stelle antragen ließ in Mannheim zu bleiben. alles gratulirte mir, und war voll Freuden mich zu behalten, und ich kann sagen, daß mir auch die Aussicht unter so lieben Menschen zu leben und zu wirken wohl that. Täglich wurde nun von der Sache gesprochen, die ObersthofMeisterin der Prinzeßin leitete das Ganze, man bot mir vor der Hand 1000 ƒ und Quartier und Holz, die ganze Sache war für abgethan anzusehen, als eines Tags /: nachdem ich oft bey der Herzogin gewesen war und mit ihr gesungen und gespielt hatte :/ mir die ObersthofMst: sagte die Prinzessin hätte mit Ihrem Kaßirer gesprochen, und Sie bedauerte sehr aber ihre Cassa erlaubte jezt nicht mich zu engagiren; dieß sagte man mir nachdem man mich 14 Tage herzumgezogen, und ich meine edle Zeit verlohren, und nicht einmal ein Präsent bekommen hatte. da ich meine kleine Oper Abu Haßan fleißig arbeite so beschloß ich Sie hier fertig zu machen, welches auch bis auf das Instrumentiren von 3 Stükken geschehen ist. ich trete also in Gottes nahmen meine Reise nach München Berlin Hamburg, Kopenhagen pp an. ich war vorgestern in Heidelberg wo dich alle Bekannte grüßen. Daß es dir mit deiner Oper nicht beßer geht, betrübte mich auch sehr, wolltest du sie nicht an Giusto schikken? vielleicht können wir sie dann weiter verbreiten. Sorge dafür daß wir einige gute Corespondenten in Wien bekommen, denn Weber und ich werden wahrscheinlich eine Musikalische Zeitung heraus geben, von welcher du im nächsten Briefe, den Plan erhalten und Subscribenten sammeln wirst. Ueberhaupt schreibe an das Centrum häufig alles Neue von Concerten, Opern pp in Wien, daß wir es vertheilen können. suche dir Einfluß auf eine bedeutende Zeitschrift in Wien, zum Beyspiel auf die die Schlegel herausgiebt zu verschaffen, dieß alles sind Pflichten. nun antworte mir gleich wieder, von Darmstadt aus schreibe ich auch wieder, empfehle mich deinem theuren gräflichen Haus aufs Beste, und denk immer mit Liebe an deinen treusten Freund und Bruder Melos. Manheim d: 7t December 1810. [Nachschrift von Gottfried Weber:] Auch von mir, lieber Bruder, empfange den herzlichsten Gruß, und die Versicherung daß wir uns hier alle innig nach dir sehnen: wie schön wär es, wenn wir beysamen leben u[nd] genießen könnten – nun dies ist nun ein mal nicht im Buche des Schiksals geschrieben, und folglich müßen wir uns schon mit der Correspondenz durch Briefe behelfen. Ich will dir also hiemit angekündigt haben, daß du künftig nicht selten Briefe von mir erhalten u[nd] hoffentlich nicht unbegeantwortet laßen wirst. Was sagst du zu unserm Musik.[alischen] Zeit.[schriften] Plan? Er war eigentlich darauf berechnet, daß Melos hier bliebe: nun aber wo das gegentheil entschieden ist, hatten wir den Plan anfangs ganz aufgegeben, besannen uns aber bald, daß er auf Reißen sogar mehr für das Aufkommen des Blattes würde wirken können, als durch hier sizen und Mitredigiren. […] Auf diese Art bliebe freylich die Redact. mir allein auf dem Halse, was ein etwas langweiliges Gespas ist. doch um der guten Sache […] will […] und des Profites willen der so gott will herauskommen wird, sey's. Uebrigens hegen wir nun zu dir die Zuversicht daß du auf verschiedentlichen Wegen contribuiren wirst, das Unternehmen glüken zu machen, naml. durch Bemühung Subscribenten u Abbonnenten zu sameln, weshalb zu welchem Ende wir dir den gedrukten Plan hoffentlich bald zuschiken werden – durch Lieferung von Beyträgen aus deiner Feder als da sind Recensionen vorzügl. aber Abhandlungen über Gegenstände die welche die musicalische Welt intereßiren können, (denn die Zeitung wird den Nahmen erhalten: Zeitung für die musicalische Welt), Wenn du wie ich nicht zweifle, dergleichen schon ein und anderes fertig hast, so gieb es ja vor der Hand in kein andres Blatt, sondern spar es für uns: Wenns gut geht fangen wir mit dem 1t May 1811 an. Uebrigens wirf dich nun gleich einmal recht ins schriftstellerische Fach wie die Sau in Koth, mache dir Connexionen, engagire und sieh dich um nach Leuten welche uns Notizen von Wien aus auch dann noch werden geben können wenn du nicht mehr dort bist. Vor allem aber schreibe recht viel in alle mögliche Blätter über alles was dir vorkömmt damit du recht in […] Zug kömmst. Nun leb wohl lieber Bruder, Gott erhalte dich standhaft und waker thätig für die gute Sache. Vergiß nicht mir neben den Vereins Geschäften, auch fleißig ein freundschaftliches Wort zu schreiben. Vale. Erinnre dich noch der Freude welche du mir in Heidelberg im Bette nach jenem vergnügten Abende gemacht hast u[nd] wofür ich dir ewig mit Herz, u[nd] bey Gelegenheit auch wieder mit Mund u[nd] Magen, dankbar seyn werde, – der hasenfüsigen StrohRenomisten welche uns einige Minuten lang während des Mittageßens bey Houts auf Stift Neuburg incomodirten – des vergnügten Rükwegs über Schwezingen, der verschiednen Vivats welche wir bey'm Punsch deinem LandsMann ins beßre Leben nachriefen – der erbaulichen Saulieder welche du uns lehrtest pp – denk nur, Dusch ist mit jenen oben belobten Renomistenkerls gar nicht wirklich ad manus gekommen. Sechse derselben ließen ihn fordern, er nahms an, sie zogens aber hernach so sehr in die Länge daß jezt kein Mensch mehr daran denkt. – die Bachschen Corale sind bereits heraus bey Kühnel. Meine Frau, – Schwester – u. zwey Schwäger grüßen dich. Vale Tuissimus G. Giusto