## Title: Carl Maria von Weber an Gottfried Weber in Mannheim. München, Montag, 8. Juli 1811 ## Author: Weber, Carl Maria von ## Version: 4.4.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A040411 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ S: Wohlgebohren dem Herrn Licentiat Gottfried Weber zu Mannheim. empfohlen. Bruder! du hast recht! dein Brief vom 2t huj: den ich Gestern Abend erhielt, hat mich sehr in Verwunderung und Unschlüßigkeit versezt. Auf der einen Seite meine Liebe zur weitern Ausbildung und die Welt zu sehen, und anderntheils ein schöner Gehalt der mich in den Stand sezte nebst dem was ich durch Comp: verdiene sowohl meinem alten Vater angenehme Tage zu machen als auch noch mein altes Schuldenwesen als Ehrlicher Kerl bald  zu tilgen – dieß sind Gründe die mich wohl zur Annahme des Dienstes bewegen können. doch muß ich noch genauer wißen wie es steht, du hast aus einer unbegreifflichen Nachläßigkeit den Brief an Ahl nicht beygelegt von dem [du] schreibst – hiebey der Brief – und hast mir nicht geschrieben wo der HoftheaterIntendant v: Sternberg wohnt in Carlsruh oder Wisbaden, und ob Er Exellenz pp ist. das ganze kommt mir also nur wie ein Traum vor. Verschaffe mir so schnell als möglich Antwort über folgende Fragen, und einen offiziellen Antrag. denn auf das, daß du schreibst ich könnte auf Ahls Wort ohne weiteres einrükken um 1600 ƒ, – kann ich doch keine Reise dahin unternehmen, das siehst du doch ein. Also nun zu den Fragen. Wird in Wisbaden ein Theater errichtet? daß man mich zu brauchen gedenkt? und was werde ich überhaupt zu thun haben? Je mehr WirkungsKreis desto beßer. Wer nimmt mich in Dienst? der Badische Hof? Kann oder muß ichgleich kommen? Auf jeden Fall muß man mir einen jährlichen Urlaub von ein paar Monaten bewilligen. So wie ich auch wünschte Großherzogl: KapellMster wenigstens genannt zu werden. Auf jeden Fall thust du mir einen großen Gefallen wenn du sogleich an den Kammerh: von Sternberg schreibst /: ist denn der Stokhorn nicht mehr Intendant?:/ und ihm sagst ich sey nicht gerade abgeneigt in die Dienste des Hofes zu tretten, er möchte nur die Güte haben und mir ausführlicher das Dienst verhältniß auseinander sezzen. –  mir antworte auch sogleich und schikke mir die genaue Adresse des Intendanten. Ich möchte diesem Brief Flügel geben, damit ich bald genau wüste woran ich wäre, denn aus deinem Briefe ist durchaus nicht ganz klug zu werden. Ahl danke in meinem Nahmen herzlichst für seine Freundschaft. – Also hat sich der alte MusikTeufel so heftig bey dir gerührt, daß du im Stande wärst die Idee zu faßen deine ganze jezige Existenz aufzugeben? ich kann mir dieß sehr wohl denken bey Anläßen wie ein Samori pp. Was gäbe ich darum wenn ich hätte bey euch seyn können und diesen hohen Genuß theilen. ich hoffe du wirst mir ausführlicher über die Aufführung schreiben damit ich etwas für die hiesigen Blätter arrang: kann. Meinen Brief vom 3t nebst ○ wirst du nun erhalten haben. der Gedanke in Eurer Nähe zu wohnen ist auch kein kleines Gewicht auf der Schaale des Zusagens. daß der Simmrok so jammert ist ein ächter Verleger Kniff, er macht mir es nicht beßer. – Glaube mir daß es mich schon längst genug gewurmt hat, daß deine S:[onate] noch nicht angezeigt ist. ich weis zwar in diesem Augenblik noch nicht wie ich es anfange, es soll aber gewiß und bald geschehen und zwar ordentlich. aufs Morgenbl:[att] habe ich kein rechtes Fiduz, sie haben die Rec: von Gänsb: auch nicht abgedrukt. wollen sich vielleicht gar nicht mit Mus: Rec: befaßen. Nun lebe wohl ich kann nichts mehr schreiben der Kopf ist mir zu voll. Antworte sogleich und ausführlich, damit ich weis was ich zu thun habe, ob ich kommen soll oder erst noch correspondiren. das lezte wird wohl das Beste seyn, denn Reise Geld muß man mir ja auch auf jeden Fall geben. Grüße deine liebe Frau, den Buben pp ppp ewig dein Weber. M: d: 8t July 1811. Die Beylage hat mich überrascht, eine hübsche Attention von Sendtner.