## Title: Haus- und Nutztiere der Familie von Weber ## Author: Frank Ziegler ## Version: 4.2.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A090103 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ In den Tagebüchern und Briefen Webers werden des öfteren die Haustiere der Familie erwähnt, vielfach mit ihrem Rufnamen (u. a. in den Grußformeln der Briefe), so dass man teils auch fälschlich davon ausgehen könnte, es wären Personen gemeint. Daher scheint ein zusammenfassender Überblick über die Weber’sche „Menagerie“ als Kommentar der Edition sinnvoll. Eine erste kurze Zusammenfassung zu diesem Thema lieferte Max Maria von Weber (wohl beruhend auf eigenen Kindheitserinnerungen bzw. Erzählungen seiner Mutter Caroline von Weber) unter Bezug auf die ländlichen Sommerquartiere der Webers in der Umgebung Dresdens (ab 1818): „Webers Liebhaberei für alles Lebende verleitete ihn auch, auf dem Lande noch mehrere Thiere anzuschaffen, von denen er sich dann in der Stadt […] nicht mehr trennen mochte und die dort zur wahren Plage der Hausfrau wurden. Der Leibschütz der Königin, Petzold, hatte ihm schon früher einen jungen, schönen Jagdhund gebracht. Vom Korbe eines vorüberziehenden Tyroler Vogelhändlers rief ihm ein großer indianischer Rabe so vernünftig und wohlwollend ‚Guten Abend‘ zu, daß er den würdigen Schwarzrock haben mußte; Caroline rettete einen Sprosser aus den Händen böser Buben, und seine wunderschöne Cyperkatze, die den Namen ‚Maune‘ trug, mochte Weber, ein leidenschaftlicher Katzenfreund, niemals entbehren. Später kam noch, von einer Reise nach Hamburg mitgebracht, ein kleiner Kapuzineraffe dazu. Die Mitglieder dieser kleinen Menagerie bereiteten Weber manche Ungelegenheit, manchen Verdruß, und doch entschloß er sich nie, eins davon abzuschaffen.“ Der genaue Zeitpunkt und die Umstände des Erwerbs der Tiere sind lediglich beim Affen Snuff (1820) sowie den Pferden Webers bekannt; alle anderen Tiere tauchen unvermittelt in den Quellen auf: die Katze erstmals wohl im Juni 1819, der Hund Mitte 1820 und ein Vogel im November 1820. Die „Hausfrau“ Caroline von Weber hatte übrigens nicht nur Verdruss mit den Tieren, sondern war besonders dem Hund und dem Affen so sehr zugetan, dass sie beide sogar zur Kur nach Schandau mitnahm, wie aus dem Brief Webers vom 24. Juli 1821 hervorgeht. Und noch in anderer Hinsicht sind Max Maria von Webers Aussagen zu korrigieren: Weber trennte sich sehr wohl von einem seiner Haustiere: Der Affe Snuff gehörte offenbar nur bis 1822 zum Weber’schen Haushalt und wurde dann weitergegeben. Nur am Rande sind noch weitere Tiere belegt, so im Sommer 1819 in Hosterwitz ein Hahn, den man ursprünglich für eine Henne gehalten hatte und für den „Kostgeld“ zu zahlen war (vgl. die Tagebuchnotiz vom 4. August 1819) – in der Sommerfrische vermutlich ursprünglich (vor Aufdeckung des Irrtums) als Eierproduzent gedacht. Die Katze MauneMax Maria von Webers Benennung „Cyperkatze“ spricht für eine graue Hauskatze mit schwarzen (bzw. schwarzbraunen) Streifen. In Webers Tagebuch ist erstmals am 4. Juni 1819 eine Katze in Hosterwitz erwähnt, wobei nicht eindeutig ist, ob diese tatsächlich den Webers oder vielleicht der Familie des Hausbesitzers Felsner gehörte. Eindeutig ist hingegen der Tagebucheintrag vom 5. November 1820 – als die Webers von ihrer Reise durch Norddeutschland zurückkamen, zahlten sie einen entsprechenden Obolus für die Betreuung ihrer Katze sowie eines Vogels. Der Name der Katze wird einmal im Tagebuch genannt: am 19. November 1820, als Caroline von Weber die Geburstagsgeschenke für ihren Mann durch die Hündin Liza, die Katze Maune und den Affen Snuff überbringen ließ. Eine „Dressurleistung“ scheint damit kaum verbunden gewesen zu sein; Katze und Kapuzineraffe eignen sich dafür kaum. Und selbst der Hund dürfte sich, folgt man Webers Zweifeln im Brief vom (28.–)30. September 1820 an den „Künsten“, die Caroline dem Ali gelehrt habe, in dieser Beziehung als nicht sonderlich gelehrig erwiesen haben. Die VögelÜber einen Raben verlautet in den Originaldokumenten nichts; die Charakterisierung als „indianischer Rabe“ (s. o.) und die angebliche Sprachbegabung könnten evtl. für einen Beo sprechen, der zwar zur Familie der Stare gehört, aber tatsächlich ein rabenartiges Aussehen hat. Webers Gruß an seine Frau vom 22. Juli 1821 („der Mosje Vogel schreit und läßt die Hand küssen“) würde jedenfalls zu dessen lauten Rufen passen. Die erste Erwähnung eines Vogels (fraglich welcher) ist im Tagebuch am 5. November 1820 zu finden: Die Webers hatten ihn während ihrer Reise durch Norddeutschland in Pflege gegeben. Der von Max Maria von Weber erwähnte Sprosser passt zu dem in einer Briefpassage vom 20. Juli 1824 erwähnten kleinen Singvogel, der sich demnach schon lange im Besitz der Webers befunden hatte, sie „im Winter […] durch seinen lieben Gesang“ erfreute und nun, nach gerade überstandener Krankheit, zum großen Bedauern der Familie entflogen war. Die Hündin AliMax Maria von Weber spricht ausdrücklich von einem großen Jagdhund, den sein Vater besessen habe, Weber selbst in seinem Brief vom (1./)2. März 1822 lediglich von einem großen Hund. Der vollständige Name der Hündin lautete Alica (so im Tagebuch am 4. Januar 1822) bzw. Aliza (so im Brief vom 2. März 1822), allgemein war in der Familie jedoch die Kurzform Ali (in männlicher Form als „der Ali“ ebenso wie in weiblicher als „Mlle: Ali“), seltener Liza gebräuchlich (im Brief vom 11. März 1822 sogar nebeneinander „Madam Liza“ und „Ali“). Im Tagebuch werden 1820/21 Kosten für Halsbänder (13. Juli und 7. November 1820, 7. Mai 1821), eine Hundepeitsche (21. April 1820 als frühester Hinweis auf einen Hund) und eine Schüssel (11. Juli 1821) für das Tier erwähnt, auch Kosten für Medizin (7. Dezember 1821). Aus Briefpassagen des Jahres 1820 (16. September, 17. September, 30. September) geht hervor, dass die Hündin die Webers sogar auf ihrer Norddeutschlandreise (25. Juli bis 3. November) begleitete. Mindestens dreimal warf die Hündin Junge, belegt ist dies für das Frühjahr 1822 (vgl. die Briefe vom 25. Februar, 2. März und 11. März), den Sommer 1825 (neun Welpen, vgl. den Brief vom 28. Juli) sowie das Frühjahr 1826 (neun Welpen, vgl. Caroline von Webers Brief vom 16. März 1826). Der Affe SnuffWeber hatte seine Frau Caroline 1820 trotz Schwangerschaft auf die Reise durch Norddeutschland mitgenommen; ein Kutschenunfall bei Bremen war wohl ursächlich dafür, dass sie das Ungeborene wenig später in Hamburg verlor. Der Affe, den die Webers laut Tagebuch am 20. Oktober bei einem Ausflug nach Altona kauften, war wohl so etwas wie ein Trost-Geschenk; jedenfalls schrieb Weber an seinen Freund Gänsbacher am 28. März 1821, er habe nun „statt Kindern, einen Hund und einen Affen.“ Für die Darstellung des Erwerbs des Tieres durch Max Maria von Weber, nach welcher die von Caroline von Weber bemerkte Ähnlichkeit des Affen mit einem gewissen „S....“ (gemeint ist wohl Spontini) die Entscheidung beeinflusste, wird durch Originaldokumente nicht untermauert und scheint reine Erfindung, die sich in ihrer anti-italienischen Tendenz in den nationalistischen Grundton des Lebensbilds einordnet. Der Kapuzineraffe wurde umgehend Snuff „getauft“; dieser Name taucht im Tagebuch erstmals am 23. Oktober 1820 in Zusammenhang mit dem Kauf einer Kette auf (später auch vielfach als Schnuff, einmal als Herr von Snuff bezeichnet). Zunächst wurde der Affe offenbar angekettet gehalten (am 27. Dezember 1820 ist im Tagebuch ein „Affentisch“ erwähnt). Später musste ein Käfig angeschafft werden (vgl. Tagebuchnotiz vom 11. September 1821), doch die Haltung des Tieres scheint die Webers letztlich überfordert zu haben, so dass sie den Affen im Zeitraum zwischen März und November 1822 offenbar weggaben, an wen ist unbekannt. In Webers Tagebuch ist am 17. November 1822 ein Besuch bei Snuff (wohl bei seinen neuen Besitzern) notiert – das ist gleichzeitig die letzte Erwähnung des Affen in den Weber’schen Originaldokumenten. An Snuff erinnert heute ein besonderes Kuriosum: ein in die Außenmauer des Hosterwitzer Kirchhofs eingelassenes „Epitaph“ (der sogenannte „Schnuff-Stein“) des Oschatzer Bildhauers Joachim Zehme. Die Pferde Hans und GreteEin erster Pferdekauf Webers war nicht von Erfolg gekrönt: Im Tagebuch findet sich bald nach dem Erwerb eines „Falben“ (6. Juni 1822) der Hinweis auf dessen Verkauf (18. Juni 1822). Grund dafür war wohl das „Ausschlagen“ des Lisel bzw. Lisli genannten Tiers (vgl. den Tagebucheintrag vom 9. Juni 1822), das entweder den Dienst als Kutschpferd nicht gewohnt war oder aber Webers Fähigkeiten als Kutscher überforderte. In Hosterwitz konnte er das Pferd wohl bei einem Bauern unterstellen, bei seinen Besuchen in der Stadt im Goldenen Engel (vgl. Tagebuchnotiz vom 26. Juni 1822). Erst im Februar 1824 schaffte sich Weber langfristig Pferde an. Das Tagebuch dokumentiert einen ersten Besichtigungstermin (1. Februar), mehrere Proben (2. Februar und 10. Februar) sowie den eigentlichen Ankauf am 17. Februar. Demnach handelte es sich um ein braunes Pferdepaar: Wallach und Stute. Der Bereiter Schober übernahm das „Einfahren“ der Tiere (vgl. Tagebuchnotiz vom 3. Mai 1824), die als Kutschpferde gedacht waren. In den Tagebüchern finden sich ab Februar 1824 immer wieder Rechnungsposten, die mit den Pferden in Verbindung zu bringen sind (Beschlagen, Pferdedecken inklusive Waschen derselben, Geschirre, Hafer, Heu, Medikamente, Miete für den Stall im Haus von Kommissionsrat Gutbier). Zudem lieh Weber dem Besitzer des Hosterwitzer Sommerquartiers Felsner Geld für den Bau von Stall und Remise (vgl. die Tagebuchnotiz vom 6. Februar 1824) und zahlte am 6. Mai 1824 für weitere Umbauten. Die Namen der in der Familie auch als „Hottos“ bezeichneten Tiere sind nur in Webers Briefen zu finden: Hans und Grete bzw. Gretel (so am 2. August 1824, 3. Juli sowie 4. Juli 1825). Der Kauf der Pferde ermöglichte es Weber, seine Reise nach Ems (1825) mit der eigenen Kutsche und eigenem Gespann zu bestreiten, ebenso die jeweils ersten Etappen seiner Reisen nach Marienbad am 8. Juli 1824 (bis Teplitz; vgl. Tagebuchnotizen vom 8. und 9. Juli 1824) sowie nach London am 16. Februar 1826 (bis Oschatz; vgl. vom genannten Tag Brief und Tagebuchnotiz).