Korrespondenz-Nachrichten Dresden, 30. November 1822: Über das Festspiel zur Nachfeier der Vermählung des Prinzen Johann

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Korrespondenz-Nachrichten.

Dresden, den 30. November.

Dieser Monat war für unsere schöne und theure Vaterstadt reich an freudigen und erhebenden Begebenheiten; wir sahen die junge und schöne Gemahlin unsers vielgeliebten Prinzen Johann, die holde Sprosse des baierischen Königsstamms, die Prinzessin Amalia, hier unter dem Jubel des versammelten Volks festlich einziehen, und so sehr der Ruf von Anmuth und Liebenswürdigkeit ihr vorangeeilt war, so hat sie doch Aller Erwartungen weit übertroffen. –

[…]

Oeffentlich erschien die Prinzessin zum ersten Male in dem ehemaligen großen Operntheater des Zwingers, welches jezt zu einem Conzertsaale eingerichtet ist und jenen Abend durch tausende von Lichtern erhellt, und durch das geschmackvoll zu einer Blumenhalle umgeschaffene Orchester den Anblick eines Feenaufenthaltes gewährte. Es wurde eine Cantate von Metastasio und zu dieser Gelegenheit umgearbeitet von Montucci gegeben; komponirt war dieselbe von dem königl. Kapellmeister Morlachi im neuesten italienischen Geschmacke und der Würde angemessen, welche die hohe Gelegenheit darbot. Der Komponist war plötzlich krank geworden und so dirigirte unser allgeschäzter K. M. v. Weber mit so vielem Feuer und Liebe für das fremde Werk, daß es ihm der italienische Tonsetzer Dank wissen muß; so wie es denn überhaupt eine erfreuliche Genugthuung gewährte, bey dieser Gelegenheit den so seltenen Anblick zu genießen, daß die Kunst, die ja stets harmonisch wirken sollte, auch einmal die Künstlermenschen einstimmig seyn ließ. – Einige Tage später wurde auch im deutschen Theater ein Festspiel zu Ehren der Prinzessin dargestellt. Wir enthalten uns aller Kritik über dasselbe, da, wie man sagt, schon höheren Orts der Plan genehmigt war und auch die spätere Ausführung gefallen hat; aber als Sachsen und als Dresdner wird es uns erlaubt seyn zu bedauern, daß die Wahl des Festspieldichters auf keinen Einheimischen fiel und dieses schmerzliche Gefühl wird selbst der Verfasser, Herr Ludwig Robert, nicht tadeln, wenn er anders wie es heißt, ein billig denkender Mann ist. Denn was man auch von der vaterlandslosen Allgemeinheit der Kunst sagen möge, so giebt es doch gewiß vaterländische Kunstgelegenheiten, die nur der Einheimische eindringlich zu ergreifen weiß. Daher ist es möglich, daß uns das ländliche, das idyllische Element (wir erinnern hierbey an unsres Kind vortrefflichen Weinberg an der Elbe) mehr angezogen hätte, als das Element antiker Einfachheit und Würde, die, wie man behauptet, das herrschende Prinzip dieses fremden Festspiels seyn soll. Fremd, ja befremdlich war es auch, daß die Prinzessin nicht vom Orchester und daher auch nicht mit Beyfallsbezeugungen von Seiten des Publikums empfangen wurde, welches einzig dem Mangel dieser nöthigen Einrichtung, keineswegs aber dem Mangel an Enthusiasmus zuzuschreiben ist, den ja jeder Sachse für die holde Gattin unsres geliebten Prinzen Johann empfindet. Was die Musik zu dem Festspiele betrifft, so haben wir alles gesagt, wenn wir anzeigen, daß sie von dem Komponisten des Freischützen gefertigt ist. Nach dem Festspiele folgte ein Lustspiel von Houwald: die alten Spielkameraden.

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Apparat

Zusammenfassung

Korrespondenz-Nachrichten Dresden: Über Festspiel zur Nachfeier der Vermählung des Prinzen Johann

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Mo, Ran

Überlieferung

  • Textzeuge: Morgenblatt für gebildete Stände, Jg. 16, Nr. 308 (25. Dezember 1822), S. 1232

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