Carl Maria von Weber an Johann Gänsbacher in Prag
Berlin, Samstag, 25. April 1812

S: Wohlgebohren

Herrn Johann Gänsbacher

berühmten Compositeur

zu

Prag.

Abzugeben im Fürstlich

Kinskischen Hause, auf dem

Altstädter Ring bey S: Exellenz

dem Herrn Grafen von

Firmian.

Liebster Bruder!

Dein langes Stillschweigen macht mich sehr besorgt. du wirst doch meinen Brief vom 20t März nebst _ erhalten haben? d: 3t Aprill schrieb ich auch an Liebich und meldete den Empfang der Silvana, habe aber auch noch keine Antwort erhalten. Eine traurige Pflicht giebt mir nun die Feder in die Hand, in Freundes Brust meinen Kummer niederzulegen. Vorgestern erhielt ich durch Gottf: die Nachricht daß mein geliebter alter Vater d: 16t huj: sanft verschieden sey, und in den lezten Momenten noch meiner gedacht habe. So gefaßt ich auf diesen Fall schon lange bey einem 78 jährigen Greise sein muste, so hat es mich doch unendlich ergriffen, und wenn ich dir daher heute zerstreut und unzusammenhängend schreibe, so verzeihe.

Vor allem sage mir wer die Copialien bezahlt hat, und beziehe einen Wechsel auf mich, oder soll ich dir es schikken im B: Z: auch möchte ich wißen ob dieses 28 ƒ Einlösungsscheine sind. auf jeden Fall ist das Abschreiben in Prag wohlfeiler als hier, und da ich beyde Opern schon nach Dresden verkauft habe, so laße mir beyde nebst Büchern nochmals abschreiben. Nun zum Referat. d: 25t März gaben Wir unser 2tes Concert in Berlin und unser leztes zusammen. Es fiel schlecht aus, wenig über die Kosten. das machten aber die ungünstigen Umstände. Französische Truppen waren Tags vorher angesagt. 2 Million Anleihen von den Kaufleuten verlangt. zudem den Konzert Abend selbst, ein wahres HundeWetter. d: 28t begleitete ich Bärmann noch bis Potsdamm, und Abends trennte ich mich schwer, von dieser guten Seele, mit der ich beynah ein Jahr unter einem Dache gewohnt hatte. Seit dem treibe ich mich so herum. Bärm: ist d: 2t Aprill glüklich in München angekommen, und der König und die Königin hatten sich sogleich nach mir erkundigt. Mein Aufenthalt hier zieht sich in die Länge, da ich nicht eher fort gehen will als bis meine Silvana gegeben ist. nach Gotha habe ich auch geschrieben aber noch keine Antwort erhalten. alle Welt ist mir Antwort schuldig. Beer wird jezt ohngefähr in München sein. Vogler hält ihn so lange in Würzburg auf, wo er 3 OrgelConc: gab. mein Aufenthalt in dem Hause der Eltern ist sehr angenehm, so wie überhaupt man sich alle Mühe giebt mir Berlin angenehm zu machen. auch kömt meine Musik recht in Gang. Weber schreibt mir daß er bald dein Requiem geben würde. Was arbeitest du neues? ich fische nach einem OpernText. ich habe Liebich wegen einer neu zu schreibenden Oper geschrieben, daß ich ihm [vielm.: im] Herbst hinkommen wollte wenn wir Handels eins würden, höre doch einmal zu wie die Geschichten stehen, und berichte mir hübsch ordentlich. laße mich nicht wieder so lange auf Antwort warten. reiße mich aus dieser Unruhe. ich stehe nun so ganz allein in der Welt, ich habe nichts als meine Freunde.

Alles Erdenkliche an das Firmiansche Haus an Jung, C[lams]*, Pachta, pp. Ewig dein treuster Bruder W. Berlin d: 25t Aprill 1812 Spandauer Straße No: 72.

Apparat

Zusammenfassung

teilt mit, daß sein Vater in Mannheim verstorben sei; berichtet über Aufenthalt in Berlin sowie Plan zu einer neuen Oper

Incipit

Dein langes Stillschweigen macht mich sehr besorgt

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Wien (A), Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Bibliothek (A-Wgm)
Signatur: Weber an Gänsbacher 17

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b. S. einschl. Adr.), Siegelausschnitt
Weitere Textquellen
  • Nohl 1867, S. 214–215 (Nr. 18)

Textkonstitution

    Einzelstellenerläuterung

    • "C lams": Textverlust durch Siegelausschnitt

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