Fridolin von Weber an Carl Maria von Weber in Stuttgart
Freiburg, Sonntag, 5. November 1809

An S Hochwohlgebohren

den Herrn Carl Marie

de Weber

NB. N: S:

das Rindvieh von Wäscherin wirft

Mir, die Wäsche auf den Brief

Nun kann ich noch ein Couvert machen*

grüße Huber, und er möchte Mir schreiben

Lieber bester Bruder

Anbey übersende dir mit dem besten Brüderlichen Dank die mir gütigst vorgeschosene 25 rh. zurück. nim es guter Carl nicht übel daß ich nicht schon […]der mein Versprechen habe halten können, den die Reise ist Mir über 50 rh. gekommen, zwar hat Mir der Director eine kleine Vergütung gemacht aber bey weiten doch nicht daß was Mir die Spesen betrugen, allein ich bin denoch mit der Direction sehr wohl zufrieden, den man zeichnet Mir in allen Stücken, daß man mit mir sehr wohl zufrieden ist. Heute habe die 3te Op: gegeben, meine 1ste war Fanchon. die 2te die Zauberzitter, und heute Salomos Urtheil. kommende Woche wird Lodoiska von Cherubine gegeben, meine erste Neue Oper so ich hier ganz Neu einstudirt habe. ich kann dir nicht genug schreiben wie sehr die Direction, und überhaupt das ganze Publicum mit Mir zufrieden ist. und man macht mir solche elogen, daß ich fast anfange stolz zu werden. unsre Verwandte bey welchen ich fast täglich eingeladen bin, überhäufen Mich mit artigkeiten. kurz ich lebe recht vergnügt, der Himmel gebe daß es so fort dauern möge, ich weiß daß du an Meiner guten Aufnahme gewiß den thätigsten Antheil nimst, und daher schreibe ich es auch dir besonders. ich wünschte du hörstest meine Lodoiska, ich zweifle nicht daß Sie deinen Beyfall gewiß haben würde. | Mein orgester ist recht brav. lauter gute und willige Leute: Mein erstes Schreiben wirst du doch auch hoffendlich erhalten haben. in der Hoffnung daß du Mir Jezt den Empfang des Geldes melden wirst hoffe auch zugleich Nachricht, wegen meiner oper des Freybriefs zu erhalten, es würde Mir sehr angenehm seyn, wen Eure Theater Direction diese Oper behalten würde, den ich kan das Geld sehr gut gebrauchen, und bin im voraus von deiner Brüderlichen Liebe […] überzeugt, daß was du dazu beytragen kanst, gewiß geschehn wird. sollt es aber dennoch nicht seyn, so bitte Mir solche nur zu schiken so werde trachten, sie dennoch an Mann zu bringen. ich hätte dir auch die 3 ½ fl davon abzuziehen. Sieh zu, was Sie dafür geben, und wenn es auch nur 5 Ducaten sind, so gieb sie hin, den das Geld ist Mir Jezt lieber, als die oper. Freyburg ist ein allerliebster Ort, und es herscht hier sehr vieler Luxus. Gestern sprach ich einen gewissen Dechant der den Vater noch sehr gut kennt, er heißt de Roose*. er ist ein Schulkammerad von Vater gewesen, und er läßt ihn vielmahls grüßen, er ist 76 Jahr alt. er sagte er habe Einen sehr guten Diskant, und der Vater in seiner Jugend alt gesungen und sie hätten sehr oft Komödie gespielt, in Brandenb: er war Dechant in Basel, und ist jezt hiesiger DomDechant ein großer liebhaber von Musik und Theater, auch war schon bey mein H: Vetter, der Johaniter Ritter ist, er heißt Camutzi. | der Sohn der Tante, unser Vetter Krebs heißt er führt Mich bey allen unser Verwanten auff, überhaupt kann ich dir nicht […]sam sagen, wie man Mir sucht vergnügte Stunden zu verschaffen, wiewohl mir meine Zeit sehr knap zugeschnitten ist, den ich habe die Hülle und Fülle zu thun, ich habe täglich Proben, von Morgen biß in die Nacht. allein ich habe selbst Freude daran, du weißt es, daß ich keine Arbeit scheue. Ich wollte daß ich den Vater seine Bratsche hier hätte. villeicht kkönnte ich Sie ihm leicht an Mann bringen. sag es ihm, er sollte Mir sie schicken, und dan den genausten Preiß melden; so würde trachten Sie ihm anzubringen. bey Gelegenheit, denn ihm Nüzt sie doch nichts mehr: mache recht viele Compl. an Ihn, dieses alles schreib ich in der Nacht, um 11 Uhr den Tages habe keine Zeit. also vergieb meinen großen Brief, wenn ich dir villeicht lange weile machen sollte, allein ich unterhalte Mich so gern mit dir, den du bist, und bleibst mein einzig geliebter Bruder. leb wohl, und antworte Mir aber nun auch hörst du!!!! ich logiere hier bey der Frau Doctorin Faller, eine recht brave und allerliebste Frau, habe ein sehr schönes Quartier es ist die Tante von Krebs, dem ich dieses schöne Quartir zu danken habe.

Viele Compl an Ihm, wie auch an Paulj. Jezt nochmahl leb wohl behalte ferner lieb, deinen dich aufrichtig liebenden Bruder Fritz.

Apparat

Zusammenfassung

Sendet Darlehen zurück u. berichtet über erste Erfolge mit Opernauff. in Freiburg u. über Begegnungen mit Verwandten u. Bekannten in Freiburg; bittet, seinen Freibrief nach Stuttgart zu vermitteln, da er Geld benötige; will den Vater um seine Bratsche bitten

Incipit

Anbey übersende dir mit dem besten Brüderlichen Dank

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: Mus.ep. 1

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (4.b.S. einschl. Adr.)
  • Vermerk von Carl Maria von Weber auf der Adressenseite: erhalten d: 19t und beantwortet d: 27t 9br 1809. in Stuttgart.
Weitere Textquellen
  • ? Jähns in LAMZ 1876? (Der Freibrief - nur 2 Sätze veröff.)

Textzeuge

Kopie: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: Weberiana Cl.V, Mappe XVIII, 4, Nachtr.9

Textkonstitution

  • Unleserliche Stelle
  • "": Gelöschter Text nicht lesbar.
  • Unleserliche Stelle
  • Unleserliche Stelle

Einzelstellenerläuterung

  • "… ich noch ein Couvert machen": Bei der Adresse hat sich die nasse Tinte verwischt (o.ä.)
  • "… kennt, er heißt de Roose": oder de Rosse?

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