Gottfried Weber an Franz Joseph Fröhlich in Würzburg
Mainz, Samstag, 11. Februar 1815

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Wohlgeborener insonders hochzuehrender Herr

Wenn mein gegenwärtiger Brief wieder der erste seit sehr langem Stillschweigen ist, so sind Sie doch gewiß, auch ohne meine ausdrückliche Versicherung, von meiner unveränderlichen Hochachtung zu sehr überzeugt, als daß Sie mein Stillschweigen als ein Merkmal der Erkaltung desselben ausgelegt haben könnten. Meine Dienstversetzung hierher und tausenderlei damit verbundene Geschäfte nahmen mir bisher alle Muße.

Die Absicht des gegenwärtigen Briefes ist nun, Sie um Erzeigung einer Gefälligkeit zu bitten. Mein vor einiger Zeit bei André erschienenes "Te Deum", Teuschlands siegreichen Heeren gewidmet, hat mehr Glück gemacht als ich es jemals gehofft hätte: von mehreren Orten, wo es aufgeführt worden, schreibt man mir die schmeichelhaftesten nachrichten von dem Eindruck, den es auf die Zuhörer gemacht und dem Enthusiasmus, den es erregt. – von S. M. dem König v. Preußen habe ich dafür mittels höchst schmeichelhaften Handschreibens eine goldene Medaille mit seinem Bildnis erhalten, nicht nur, sondern Prof. Zelter schreibt mir aus Berlin, 28. Jan., der König habe es "nach Berlin an den Minister des Cultus geschickt, von diesem habe es die Singakademie erhalten und am 27. in Gegenwart des Ministers Freiherrn von Schückmann (?) zwei Mal nacheinander aufgeführt, wo es dann wegen seiner derben deutschen Kürze, seines fröhlich reionen Klangs und der überdachten und wirkungsvollen Durchführung seiner kräftigen Hauptgedanken algemeine Sensation gemacht habe." Die Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaats hat dies Te Deum nebst anderen meiner Kompositionen von mir verlangt, usw. In Wien soll es, wie ich höre, auf gut Österreichisch nachgedruckt werden.

Dieser schmeichelhafte(n) Anfang macht mich nun freilich nicht allein dem Werkchen auch noch fernere Verbreitung wünschen, sondern ermutigt mich auch nunmehro selbst einige Fürsprache für dieses mein Kind bei Ihnen einzulegen, nämlich Sie ergebenst zu bitten, dasselbe doch bei ersterer bedeutender Gelegenheit (Woran es nun ja will’s Gott, bald nicht mehr länger fehlen wird), in Ihrem Wirkungskreise in Kirche oder Konzert (es hat auch deutschen Text) zur Aufführung zu bringen. Wenn ich . Kapellmeister Witt zu kennen die Ehre hätte, so würde ich auch an diesen desfalls schreiben, so aber muß ich ganz und einzig auf E. W. Freunschaft für mich vertrauen, mir wohl auch versprechen, daß Sie demnächst in öffentlichen Blättern einige Erwähnung tun werden. Wie steht es mit der Fortsetzung Ihrer Musikschule? – wird die Klavier­und Generalbaßschule bald nachfolgen? Was sagen Sie zu Knechts Elementarwerk? Lassen Sie mich doch bald wieder ein Mal etwas von sich hören.

Freundschaftlichen Gruß und Achtung von Ihrem ergebensten Gottfried Weber

Meine Adresse ist jetzt: Tribunalrat Weber in Mainz

Apparat

Zusammenfassung

entschuldigt sein langes Stillschweigen mit der Dienstversetzung nach Mainz; berichtet von den Erfolgen seines bei André erschienenen "Te Deum" (u. a. Zitate aus einem Brief von Zelter), das auch in Wien nachgedruckt werden solle und bittet ihn um Fürsprache für das Werk, auch um eine Aufführung in seinem Wirkungskreis; erkundigt sich nach den Fortsetzungen von F's Musikschule und fragt ihn nach seiner Meinung zu Knechts Elementarwerk

Incipit

Wenn mein gegenwärtiger Brief wieder der erste seit sehr langem

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Kopie: Mainz (D), Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft – Abteilung Musikwissenschaft, Bibliothek (D-MZmi), Nachlaß Lemke

    Quellenbeschreibung

    • maschinenschriftliche Abschrift

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