Carl Klein an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Kopenhagen, vom 6 bis Freitag, 10. März 1876

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Mein theurer Freund!

Mein letzter Brief mit Antwort auf die von Ihnen in Ihrem lieben Schreiben gestellten Fragen, so wie von mir erbetene Aufklärung über Verschiedenes wird hoffentlich in Ihren Händen sein. Heute beeile ich mich mit der Mittheilung, daß „der Freischütz“ seinen Einzug ins neue Theater gehalten hat, um wahrscheinlich auf längerer Zeit das musikalische Publikum zu erfreuen. Ueberall spricht man von dieser Oper. Ich sehne mich sehr darnach bei einer Aufführung zugegen zu sein, aber es ist schwierig Billette zu erhalten, die bis jetzt größtentheils zu doppelten Preißen, mehrere Tage vor her verkauft werden. Den Tag vorher muß man zu erhöhten Preißen kaufen, u. erst, (wenn Billette übrig sind) (am letzten Tage) zu ordinairen. Ich habe einige Artikel übersetzt, die in Blättern standen, aber ausgelassen was die Ausführung, v. Seiten des Personals, betrifft.

Die Fräulein Rung (als Agathe) wird sehr gelobt.

In meinem letzten Schreiben habe ich, wie mir errinnerlich ist, erwähnt, daß ich an das Ministerium des Auswärtigen schreiben würde, und um ein Honorar bitten für die jetzt beendigte Arbeit; (betreffend die Auslieferung der Archive an Preussen) ich habe dasselbe vor ohngefähr 14 Tagen gethan, aber noch habe ich keine Resolution erhalten.

d. 10 März 1876.

Gestern Abend war ich denn endlich im Theater mit Axel, u. hörten den „Freischütz“. Das Haus war gedrängt voll, u. mußten erhöhte Preiße zahlen. Unsere Plätze waren auf der ersten Bank im Parterre. (Mußte mit dem Schreiben einhalten um außerhalb der Stadt, u. heute Nachmittag Musik Stunden zu geben).

(Abends. 82 Uhr.)

So wie der Capellmeister Paulli den Taktstok ergriff, ward eine allgemeine Stille, wie ja leider sonst selten stattfindet. Ich dachte gleich, daß ist aus Achtung für den unvergeßlichenWeber, der bei uns einen großen Namen hat. Die Ouverture wurde stark applaudirt, ebenfalls die meisten Nummern der Oper. Die Fräulein Rung war als „Agathe“ allerliebst und erzwang sich lebhaften Beifall. Ein jeder mußte sich erbaut fühlen über die Ausführung die in jeder Hinsicht als vorzüglich zu bezeichnen war. Die Darstellung der „Wolfsschlucht“ war hinreißend schön und die dabei vorkommende Musik machte eine großartige Wirkung. Es ist in der That zu rühmen, daß die Theater-Direction ein so großes Opfer gebracht hat um Webers schöne Oper auf eine würdige Art herzustellen. Ich bin aber auch gewiß, daß die Oper ein Cassenstük wird, daß welches dem Theater eine bedeutende Einnahme erzielen wird. Das Orchester war vortrefflich und freute ich mich recht innig über dessen Ausführung bei Darstellung der Wolffsschlucht als Caspar die Kugeln gegossen hatte. Davon hat Weber vieles, und mit großartigem Erfolg in der Ouverture benutzt. Ich mag gerne, daß man schon in der Ouverture die Hauptmotive der Oper kennen lernt.

Meine Frau sagte vor einigen Tagen, „Wenn Du doch nur Professor Jähns im Theater zur Seite hättest, so würdest Du Dich noch glücklicher fühlen.“ Wie ich mich auf einen genußreichen Abend freute, wußte Sie ja nur zu gut. Vor einiger Zeit sprachen wir über die Nothwendigkeit für mich den „Freischützen“ zu hören, und war es dann meine Absicht meine Frau mit zu nehmen. Sie äußerte: „Ja ich gehe gern mit Dir; kömmt aber Professor Jähns plötzlich an, da soll er an meiner Statt mit Dir gehen.“

Indessen war Axel glücklich über den schönen musikalischen Genuß und freute sich augenscheinlich innig über verschiedene Melodien die ich meinen Kindern vorgespielt habe.

Sobald wir etwas wieder erübrigen können, soll meine Frau mit Louis hin in Theater. Mein Schwiegersohn, der kgl. Capellmusicus Olavesen bestellt für mich die Billette, welche ich an den Tag der Aufführung auf dem TheaterContoir abhohle. So wird es mir bequemer.

Weber ist mir ja, daß kann ich nicht läugnen, seit unserer Bekanntschaft, noch lieber geworden wie vorhin, und ist es ja kein Wunder, da ich durch Sie, mein theurer Freund, Weber’s Größe als Componist nun erst recht habe kennen gelernt. Auch habe ich das Vergnügen, daß 3 meiner Eleven mir wöchentlich von seinen Clavier-Compositionen vorspielen.

Ich hoffe, daß die Ihnen übersandten, ins Deutsche übertragenen Anmeldungen der jetzigen Aufführung des Freischützen (hier) willkommen sein wird, und in der Hoffnung schließe ich diese Zeilen mit den herzlichsten Grüßen von meiner Frau, meinen Kinder und Ihrem
alzeit treu verbleibender
Freund
Carl Klein.

Apparat

Zusammenfassung

berichtet von einer Freischütz-Aufführung im neuen Theater, schickt ihm übersetzte Presse-Ankündigungen davon

Incipit

Mein letzter Brief mit Antwort auf die von Ihnen

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. V. (Mappe XIX) Abt. 5. A. Nr. 23. bb

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (3 b. S. o. Adr.)

Textkonstitution

  • "daß": durchgestrichen.

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