Aufführungsbesprechung, Prag: Erwähnung verschiedener Ausführenden und Werke, u.a. C. M. von Weber als Ausführender, November 1814

Theater.

Prag. - Den 15. November: Zum Vortheil des Orchester-Directors, Herrn Clement : eine declamatorisch-musikalische Abendunterhaltung, mit verstärktem Orchester. Die brillante Ouverture aus Cherubini’s Anakreon eröffnete diese Unterhaltung, worauf Herr Cl. ein Violinconcert von Beethoven vortrug. Wir haben seinen Werth als Concertspieler schon im vorigen Jahre gewürdigt, und da sich sein Vortrag seit jener Zeit ¦ nicht verändert hat, so können wir nur hinzufügen, daß das Publicum - diesen Tag in sehr gnädiger Laune - ihm rauschenden Beyfall schenkte. Eine Arie mit Chor aus der Oper: Lodoiska, mußte ausbleiben, weil Mad. Grünbaum plötzlich heiser geworden war. Nach der kurzen Ouverture aus Medea von Cherubini trug Mad. Schröder Klopstocks Ode: Die Frühlingsfeyer, und Herr Carl Maria v. Weber die Zumsteg’sche Pianofortebegleitung derselben vor. In der That ist die Wahl dieses Gedichtes sehr befremdend, da selbes durchaus keine der Eigenschaften besitzt, welche zu großem Effect berechtigen, und vielleicht mehr als irgend eine Arbeit des Sängers der Messiade den Ausspruch Schlegels bestätigt: Daß noch nie ein Dichter die Affection so in das Große getrieben habe. Die Composition hat viel Schönes, nur past sie nicht immer zu den Worten, und sehr oft wird der Fluß der Rede durch das Zwischenspiel gewaltsam gehemmt, und so durch den musikalischen der poetische Rhythmus zerrissen. Trotz ihrer Unpäßlichkeit sang Mad. Grünbaum das glänzende Duett aus Nicolini’s Traian mit Dlle. Kainz. Diese letztere, ein sehr hoffnungsvolles Mädchen, hat in ihrem vierzehnten Jahre schon eine ganz sonore volle Stimme (über welche sie freylich, zumahl in den höhern Tönen, noch nicht genug Herrschaft hat) und berechtigt zu den größten Erwartungen. - Sollte Herr Liebich sie an die hiesige Bühne fesseln können, so muß sie nach dem Vorbild und unter der Leitung der Mad. Grünbaum in wenigen Jahren eine sehr vorzügliche Sängerinn werden. - Hierauf gab Herr Clement eine Fantasie nebst Variationen für das Volkslied: "Gott erhalte Franz den Kaiser!" Die erstere war ziemlich in demselben Geiste, wie das vorige Mahl, nur nicht so lang, und enthielt weniger Motive. Nachdem er sich ein wenig in die Melodie des "Troubadour" vertieft hatte, ging er schnell in das herrliche, tiefgefühlte Volkslied über, und endete in Variationen über dasselbe, zwischen welchen das ganze Orchester jedes Mahl das Thema wiederholte. Ein vierstimmiges Vocalstück zur Gedächtnißfeyer des Dr. Jos. Haydn, componirt von J. Polzelli, fürstlich Esterhazyschen Musikdirector, gesungen von Herrn und Mad. Grünbaum, Herrn Siebert und Kainz, machte wenig Wirkung, und den Beschluß der Abendunterhaltung machte ein Chor aus Händels Alexandersfest.

Den 17. Nov.: Das Testament des Onkels, Lustspiel in 3 Aufzg. - Mad. Quandt gab die Pauline von Thalheim als Gastrolle mit sehr wenigem Glücke. Abgerechnet, daß diese sentimentale und sentenzenreiche Bäuerinn nicht eben unter die dankbaren Rollen gehört, und nur von einer Meisterinn dargestellt, große Wirkung machen wird, fehlt es auch Mad. Quandt - die zwar sehr richtig declamirt, und zeigt, daß sie ihre Rolle versteht - sowohl an Jugend und unbefangenen Benehmen, als an Abwechselung des Tones und der Darstellung. Sie wurde durchaus sehr kalt aufgenommen. - Herr Seewald gab den Herrn von Hartenthal, und Mad. Junghans die ältere Frau von Thalheim vorzüglich gut; desto weniger gelang es Herrn Wilhelmi als Philipp von Thalheim, und Herrn Allram als Advocat, ihre Charaktere genügend darzustellen. In der Rolle des erstern dominirte der Geck so sehr über den Bösewicht, als es gewiß der Wunsch des Verfassers nicht war, und der zweyte trieb den ohnedieß mit den grellsten Farben gezeichneten Wucherer so sehr in die Karrikatur der Verworfenheit, daß er Unlust erregte.

Apparat

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Jakob, Charlene

Überlieferung

  1. Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 6, Nr. 205 (24. Dezember 1814), S. 820

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