Georg August von Griesinger an Karl August Böttiger
Wien, Mittwoch, 12. November 1823

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Mein verehrter Freund,

Ich schike Ihnen die Blätter des Merkur zurük. Was ich darin fand, ist alles recht gut, enthält aber doch nur Dinge, die man schon hundertmal gehört und gelesen hat, und ich greife lieber nach Novitäten.

Folgendes zu Ihrer PrivatNotiz.

Mit dem BerichtErstatter von der Euryanthe in der Abend Zeitung muß Jedermann einstimmen, daß sie ein gründliches und gelehrtes Werk sey. Es fragt sich aber, ob das bei einem Werke der schönen Kunst hervorstechend seyn müsse? Die Deutschen | sind dieser Meinung, die Italiener nicht, und dieser Antagonismus begründet die GeschmaksVerschiedenheit der beiden Nationen in der Musik. Ganz wahr ist es, daß in den Logen Niemand geklatscht hat; die Leute in den Logen sind aber nicht eben der ungebildetere Theil des Publikums, und sie machen keine Parthei, wie die Gallerie und das Parterre. Ihnen fällt es nicht ein bei Anhörung einer Oper zu sagen: Es liegt alles auf dem Spiele! Sondern sie wollen etwas Schönes hören, nehmen den Eindruk | davon dankbar auf, und lassen es an Beifall nicht fehlen, möge das Schöne aus deutschen oder aus italienischen Kehlen kommen. – Die Schwächen des Buches hat der Referent richtig bezeichnet, besonders die Dunkelheit des Orakelspruchs der Geisterstimme, der durch gar nichts gehoben ist, und in einem einförmigen lamentabile recitirt wird.

Adio!Nota manus.
[ohne Unterschrift]

Apparat

Zusammenfassung

Kritische Äußerung zu Artikeln im Merkur und zustimmender Kommentar zur Euryanthe-Rezension in der Dresdner Abend-Zeitung; betont das Gewicht des Urteils der Logenbesucher

Incipit

Ich schike Ihnen die Blätter des Merkur zurük

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Dresden (D), Sächsische Staats- u. Universitätsbibliothek (D-Dl)
Signatur: Mscr. Dresd. h 37: 4, Bd. 64, Nr. 201

Quellenbeschreibung

  • 1 Dbl. (3 b. S.)

Überlieferung

  • 1926 Dresden SLB
Weitere Textquellen
  • Ludwig Schmidt, Zeitgenössische Nachrichten über Carl Maria v. Weber, in: Die Musik. Monatsschrift, hg. von Bernhard Schuster, Jg. 18, 2. Halbjahrsband, Heft 9 (Juni 1926), S. 657 [Ausschnitt].

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