Carl Maria von Weber an Jacob Herz und Amalie Beer in Berlin
Dresden, Donnerstag, 2. März 1820

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An Jacob Herz Beer in Berlin als er mir ein Andenken in die Wirtschaft schikken wollte.
An meine lieben hochverehrten Vater und Mutter Beer.

Mit recht schwerem Herzen ergreiffe ich die Feder Ihnen Ihr liebes Schreiben vom 26t Febr: zu beantworten, denn ich muß das befürchten, – was dem Freunde stets das schmerzlichste ist, – Sie zu kränken und Ihnen wehe zu thun. Aber ich folge meinem Gefühl und meiner Pflicht; und bin überzeugt daß Sie selbst zu gerecht und edel fein fühlend sind als daß Sie, – einmal meine Gründe kennend, – lange auf mich zürnen sollten.      Erlauben Sie mir also theure Freunde, das gewiß schöne Geschenk das mir Ihre Güte zugedacht hat, nicht annehmen zu dürfen.      Ich bin es fest überzeugt und kenne Sie beide lange genug dazu, daß die reinste Absicht mir und meiner Frau Freude zu machen Sie zu diesem wiederholten Beweis Ihrer Liebe veranlaßte.

Aber Zeit und Umstände wechseln oft wunderbar in der Welt; Könnte nicht auch einst ein Zweifel gegen die Reinheit meiner Theilnahme an Ihrem Hause und der Kunst in Ihnen keimen? können Sie mir den beruhigenden Gedanken rauben wollen Ihnen in einer Zeit wo wahre […] ohne NebenAbsicht handelnde Freunde so selten sind, mich Ihnen als diesen beweisen zu dürfen? ach ich bin so uneigennüzzig gar nicht, ich will ja Ihrer erprobten Freundschaft nur dadurch näher stehen. Ich möchte Sie ja gar zu gerne meinen Schuldner nennen. aber dem ist nicht so, ich wiederhole was ich in meinem vorlezten Brief an Mutter schrieb | die Theilnahme die Sie mir von jeher bewiesen, ist es die ich nie genug verdanken kann. und wenn diese Dankbarkeit, […] mir meine Kunstpflicht für die Verbreitung und Anerkennung eines Talents wie Meyers zu sorgen doppelt lieb machte, so war ja das reiner Gewinn für mich.      Und nun noch soll ich es Ihnen ganz redlich und offen sagen, ich bin mir besonders Meyer gegenüber diese Beruhigung schuldig.      Sein Ehrgeiz hat ihn mit Armidens Gewalt in die Weyhrauch Wolken der Welt hinein geführt. sein Streben hat eine Richtung genommen die von seinen frühern KunstAnsichten himmelweit verschieden ist. Wer kann sich so stark nennen daß ihn das nicht betäube und auch auf seine übrige Denkungsweise Einfluß haben sollte? Wie viele feile KunstPriester mögen ihm auf seiner Bahn begegnet sein? Wir haben zu kurze Zeit zusammen gelebt als daß er mich ganz hätte können kennen lernen sollen. wer bürgt mir dafür daß er mich nicht hinlänglich durch die bewiesene Aufmerksamkeit seiner Eltern abgelohnt glaubt; ja erweißt sich dieß nicht schon halb und halb durch die mit Nichtbeantwortung beantworteten Fragen wegen Verbreitung seiner Werke pp: Ich weiß auch was Strudel von Arbeit heißt. ich schreibe oft Jahre lang meinen Freunden nicht, aber wo es gilt muß man den Freund nicht blos stellen.      Verzeihen Sie liebste Beers daß ich diesen für Sie so schmerzlichen Punkt den wir so oft besprochen wieder berühren muß: aber ich will mich ja nur vertheidigen und Ihnen zu beweisen suchen daß ich meiner Ruhe es schuldig bin, den erneuten Beweis Ihrer Güte an mir abzulehnen.      Mein Dank dafür bleibt Ihnen doch eben so innig gewiß.

Glauben Sie übrigens ja nicht daß mein Eifer für Meyers Werke deßhalb erkalten werde, weil er eine andre Straße eingeschlagen.      schreiben Sie ihm auch nicht darüber auch über diesen Brief nicht. ich weiß aus Erfahrung welchen erbitternden Eindruk dergleichen auf ihn macht. ja, könnte ich ihn sprechen, Aug in Auge, er sollte in dem meinen die treuste Freundes Liebe lesen: während vielleicht mein Mund ihm ernste bittre Wahrheit reichte. aber so auf dem Papiere sieht es gar kalt und Meistern wollend aus.      Ihnen habe ich mein Herz und meine Gefühle dargelegt. können Sie mir zürnen? werden Sie Ihre Liebe deßhalb zu mir gemindert fühlen? das verhüte Gott. ich glaube zu thun was ich thun muß.

Auch die 2te Vorstellung von Alimelek ging sehr gut. und war voll und gefiel. Emma ist nach Frankfurt und München verlangt worden.

im July denke ich Sie zu umarmen, wenn Sie nicht etwa auch ein Bad besuchen müßen, doch da, ist ja noch lange hin.

Meine Frau grüßt herzlichst. und ich bin wie immer Ihr Sie wahrhaft mit Sohnes Liebe ehrender treuer Freund Weber.

Apparat

Zusammenfassung

versichert Beers seiner Dankbarkeit, bevor er Kritik am Verhalten Meyerbeers übt, der eine Richtung eingeschlagen habe, die von seinen früheren Ansichten himmelweit unterschieden sei; lehnt Geschenk der Beers ab; erwähnt Aufführung des Alimelek

Incipit

Mit recht schwerem Herzen ergreiffe ich die Feder

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Entwurf: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Mus. ms. autogr. theor. C. M. v. Weber WFN 6 (Mappe X), Bl. 70a/r u. v.

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S.= 1. Bl. eines DBl)
    • Rötelrandmarkierung von MMW
    • diagonale Bleistiftstreichung von unbekannter Hand

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • MMW II, S. 229–230 (unvollständig)
    • Neue Musik-Zeitung, Jg. 3, Nr. 11 (1. Juni 1882), S. 3–4 (unvollst.)

Textkonstitution

  • „Ihnen“durchgestrichen.
  • „edel“durchgestrichen.
  • „[…]“Gelöschter Text nicht lesbar.
  • „Ihnen“durchgestrichen.
  • „ja“über der Zeile hinzugefügt.
  • „[…]“Gelöschter Text nicht lesbar.
  • „können“durchgestrichen.
  • „sollen“am Rand hinzugefügt.
  • „Ruhe“über der Zeile hinzugefügt.
  • „an mir“durchgestrichen.
  • „doch eben so innig gewiß.“am Rand hinzugefügt.

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