Tonkünstlers Leben. Fragment XIV (Entwurf)

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Naße Gewänder wie Vorhalte.
alte Formen Grandios Z.B. Sebast Bach
Magnificat. wie alte Kirchen Thürme.

Trennung des Theorethischen und Praktischen. das leztere muß von Jugend auf mit gebohren und erzogen sein als zur Natur und dem Leben gehörig, und später wenn der Verstand ohnedieß reifer wird darf er urtheilen und wägen und besonnener gehen.


konnte nicht schreiben.

Es ist doch etwas ganz eigenes im Leben daß man so oft gegen die, die man [am] liebsten und festesten im Herzen trägt sich solcher Fehler schuldig macht, da man doch bey gewöhnlichen Menschen und geschäften so gar flink bei der Hand ist mit umgehender Post zu antworten. Gienge es mir allein so und allein dir gegenüber, so würde ich das rein unbegreifflich und unverzeihlich finden, aber da es vielen meiner besten Freunde so mit mir, und mir so mit ihnen geht, so glaube ich wohl zu fühlen worin es eigentlich sizt. dem halb und ganz Fremden nähert man sich in einmal festgestellten Formeln, sagt ihm nichts mehr und nichts weniger als eben zu der besprochenen Sache nöthig ist, und somit ist alles abgethan. Nicht so dem Freunde. Ihm etwas halb zu geben wiederstrebt dem liebenden Gefühl. Man will ihn ganz mit sich leben laßen, ihn in den Freuden- und Leidenkreiß führen der uns umgiebt, für ihn scheint uns jede Kleinigkeit wichtig und am abend eines jeden Tages möchte man ihm denselben vorlegen können. Je weiter der Raum der sie trennt, je seltener wird der Ideen Austausch, und haben Umstände uns einige Zeit verhindert ihm unser Leben und Gefühl mitzutheilen, so befällt uns jenes unbehagliche Gefühl, als hätten wir ihnen etwas vorenthalten, was nicht oder doch sehr schwer nachzuholen sei, und so komt es endlich daß eine scheinbare Kluft entsteht die schmerzlich genug ist.


das scheinbar abgerißene, Phantastische, was mehr Phantasiestük als gewöhnlich geregeltes Musikstük erscheint ist entweder wenn es etwas ist, nur ganz bedeutenden Genien möglich – die sich eine Welt schaffen, in der es nur scheinbar bunt zu geht, die aber gewiß den wahrgefühltesten inneren Zusammenhang hat wenn man sie mitzufühlen im Stande ist. aber in der Musik deren Ausdruk so viel unbestimmtes hat und wo dem Individuellen Gefühl so viel selbst unterzufühlen übrig bleibt, ist es höchstens nur einzelnen ganz gleich gestimmten Seelen möglich dem Gefühlsgange, der sich gerade auf diese Weise entwikkelt gerade diese Gegensäzze nothwendig findet, gerade diese Meinung allein für wahr hält, gleichen Schritt zu halten. des wahren Meisters Sache aber ist es hochwaltend über seine wie über anderer Gefühle zu herrschen, und das Gefühl das er aufstellt festgehalten in sich selbst blos mit den Faben und Nuanzen wieder zu geben die sogleich ein vollendetes Bild in der Seele des Zuhörers schaffen. Dr: 14. 9b. 1818.



die wahre Geschichte ist oft das unwahrscheinlichste, und würde im Gewand der Dichtung für ganz unsinnig ausgegeben werden. aber das ist das die eigene bizzarrerie des Lebens, das es das naheliegendste überspringt, und dadurch die Wahrheit zur Fabel stempelt. Man könnte also fast sagen es sey nicht alles wahr was wirklich geschehen sey. oder wenigstens kann es giebt Dinge die sich begeben haben, erzählt aber zur Lüge werden.

das Geschenk einer Sache die nur einmal vorhanden oder selten ist, wird erhält dadurch so hohen Werth weil es wie ein Geheimniß zwischen 2 Liebenden besteht das vielleicht alle Welt sieht aber doch für Besizzer und Geber den magischen Schleyer des süßen Geheimnis LiebesGeheimnißes hat.

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Von welcher Wirkung ist dieser Uebergang! Ha! nun wird die 3 – oder 4 oder gar nur in einem Takt bestehende Modulation genomen, und in den geistigen Weingeist gesezt. wodurch sie herbeigeführt, warum sie so und nicht anders wirken muß, weil sie so gestellt daran denkt kein Mensch. es ist so als wollte man eine einzelne Nase, oder glükliche Lichtpunkte aus einem Gemählde schneiden und einzeln, als Rarität zeigen. die Zusammenstellung ist und nicht die Sache. d: 21t*

Apparat

Zusammenfassung

Reflexionen über Freundschaft; das Phantastische Musikstück als Geniestreich, das nur bestimmten Seelen zugänglich ist

Entstehung

14. September 1818 (laut A)

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

  • Textzeuge: Entwurf: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Mus. ms. autogr. theor. C. M. v. Weber WFN 6, Abt. I, Bl. 15a/r und 15b/r

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (davon 2 b. S.)
    • in diesem Fragment sind Einzelabschnitte aus den Handschriften zusammengefaßt, die schwer oder nicht einzuordnen sind; Handschrift ist bis „[...] genug ist“ auf der rechten Hälfte des Blattes beschrieben, danach, bei veränderter Tinte, über das ganze Blatt.

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • HellS I, S. 113–116 (Einzelne Gedanken und Notizen, ohnstreitig zur Benutzung bei Tonkünstlers Leben bestimmt.)
    • MMW III, S. 297–299
    • Kaiser (Schriften), S. 505–507 (Nr. 160)
    • Jaiser, S. 219f.

Themenkommentare

Textkonstitution

  • „und“über der Zeile hinzugefügt.
  • „das“durchgestrichen.
  • „die“über der Zeile hinzugefügt.
  • „wenigstens kann“durchgestrichen.
  • „wird“durchgestrichen.
  • „Geheimnis“durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

  • „… die Sache. d: 21 t“Die Datierung "d: 21t" bleibt unklar, da der letzte Abschnitt, mit dunklerer Tinte geschrieben, hinter dem Teil des Entwurfs von Fragment XIII (datiert mit 15t Febr. 19.) notiert wurde.

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