Aufführungsbesprechung Düsseldorf, Stadt-Theater: „Abu Hassan“ von Carl Maria von Weber im Januar 1836

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Stadt-Theater
Abu Hassan, komische Oper in 1 Aufzuge von Hiemer, Musik von C. M. von Weber.

Zum Erstenmale eine Oper unseres Weber, dazu – leere Bänke und die grauenhafteste Kälte womit eine Oper nur aufgenommen werden kann! Die mit dem Enthusiasmus, der sonst die Aufführung aller Weber’schen Werke begleitet, zu verbinden, möchte schwer, wenn nicht unmöglich sein. Abu Hassan ist freilich nur eine Jugendarbeit des Componisten; um so eher sollte man aber erwarten, dass ein Publikum (besonders wie das hiesige, wo doch so viel Kunstsinn herrscht, und so viel über alle Künste gekrittelt wird,) mit doppeltem Interesse hineilen würde, besonders da Webers frühere Compositionen fast ganz unbekannt sind, und der Deutsche, wenn auch sich nicht gerne übereilend, doch sonst wohl die Gelegenheit dankbar anzunehmen pflegt, wo ihm ein Werk eines verstorbenen Freundes dargeboten wird. Leider ist und bleibt es eine schwierige, ja undankbare Aufgabe, den Sinn für das Bessere verbreiten zu wollen; und so müssen wir uns denn auch hier gefasst machen, wenn nicht das ganze Unternehmen des Theater-Vereines zu Grunde gehen soll, bald solche Werke zur Aufführung bringen zu sehen, die wohl dem grossen Haufen, wenn auch nicht – dem allgemeinen Geschmacke Genüge leisten. Das Abu Hassan mehr Gediegenes und auch Schönes enthält, wie manche überrheinische Oper von 4 oder 5 Aufzügen, sollte kaum erwähnt werden.

Ueber die Aufführung ist nur Weniges zu sagen, da nur Abu Hassan (Hr. Schiansky) und Fatime (Mad. Albrecht) bedeutende Parthien haben, die freilich desto anstrengender sind, und neben dem Gesange, auch viel Spiel und Gedächtnis erfordern. Letzteres schien Hrn. Schiansky einigemale ausgegangen zu sein. Dass Beide ihre Rollen mit gleicher Liebe und Lust bis zum Ende durchführten, verdient bei der ausserordentlichen Lauheit des Auditoriums um so mehr angeführt zu werden.

Die Rolle des Omar ist vom Dichter zu sehr vernachlässigt, um sie hervorzuheben, Hr. Burmeister macht daraus, was möglich ist. Noch verdient der Chor der Gläubiger Erwähnung, sie sangen und spielten, beides sehr gut, und doch – ohne Erfolg.

Bei einer Wiederholung dieser Oper, (die nun freilich kaum zu erwarten ist) wäre eine bedeutende Abkürzung des äusserst läppischen Textes zu wünschen, auch möchte manches an der Garderobe (namentlich der des Hrn. Schiansky) zu änderen sein.

Leider ist diese Oper auch an anderen Theatern meistens schon vergessen, also auch keine Hoffnung da, durch auswärtige (noch besser ausländische) Beispiele von neuem auf diese schöne Production Webers aufmerksam gemacht zu werden.

Was kann es helfen, dass der Name Webers nie vergessen werden soll, wenn es seine Werke trifft? – ? Oder ist es allzugrosse Liebe, die Beiden Ein Monument errichtet, mit der Inschrift: Lasst die Todten ruhn!

7.

Apparat

Zusammenfassung

Rezension: „Abu Hassan“ von Carl Maria von Weber

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Mo, Ran

Überlieferung

  • Textzeuge: Düsseldorfer Fremdenblatt (16. Januar 1836)

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