Felix Otto Dessoff an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Karlsruhe, Mittwoch, 6. November 1878

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Verehrter Herr!

Sie verschwenden wirklich gar zu viel Dankesworte u. schlagen den kleinen Dienst, den ich Ihnen erweise weitaus zu hoch an. Jedenfalls freut es mich, Ihnen dienlich sein zu können u. bitte ich, bei jeder Gelegenheit über mich zu disponiren. – Beiliegend empfangen Sie die Weberschen Bemerkungen zur Freischütz-Partitur. Die Ausbeute ist nicht groß; doch glaube ich, daß die | unter 4.) angegebene Erlaubniß zur Wiederholung der Takte nicht ohne Wichtigkeit ist. Ich kann mich nicht entsinnen, dieselbe in irgend einer anderen Freischütz-Part. gefunden zu haben. – Ob die unter 9.) angegebenen Noten von Weber selbst geschrieben sind kann ich nicht beschwören. Da aber sonst in der Part. weder eine Note noch ein Wort mit Dinte corrigirt ist, auch die Farbe mit den übrigen Bemerkungen übereinstimmt so möchte ich es fast mit Bestimmt|heit annehmen. – Daß Weber die Stelle 10.) selbst gestrichen unterliegt keinem Zweifel; das Wort Adagio, nach dem Sprung von ihm eingeschrieben, beweist, daß er das […] Tempo an dieser Stelle als neu eintretend markiren wollte; auch glaube ich bestimmt daß die Durchkreuzung der Anfangs- u. Schlußtakte von ihm selbst herrührt; die dazwischen befindlichen Blätter waren eingebogen, so daß sie nicht durchstrichen zu werden brauchten. –

Ich bedauere, daß ich Ihnen nicht mehr Material zur | Verfügung stellen kann; aber außer ein paar Textworten u. den Namen Cuno u. Max, welche der Copist zu schreiben vergessen hatte u. die Weber eingefügt hat enthält die Part. nichts mehr von seiner Hand. Merkwürdig ist, daß er sich um die falschen Noten, Versetzungszeichen u. dgl. musikalische Dinge gar nicht gekümmert hat; hingegen scheint er alle auf die Scene bezüglichen Anmerkungen sehr genau angesehen zu haben.

Empfangen Sie meinen besten Gruß u. den Ausdruck der Verehrung mit welchem ich bin Ihr sehr ergebner
Dessoff
| [Beilage:]

Handschriftliche Bemerkungen C. M. von Webers in der dem Carlsruher Hoftheater gehörigen Partitur.

1.) Titelblatt: Partitur für das großherzogl. Badische Hoftheater in Carlsruhe | Carl Maria von Weber.
2.) Titelblatt zum 2. Akt: Der Copist hatte hier „Die Jägerbaut“ gesetzt; durchstrichen u. von Webers Hand: „Der Freyschütz“ darübergeschrieben.
3.) Nach dem Terzett Es dur: Verwandlung. weiter.
4.) Im Finale bei: [Notenbeispiel: Notenbeispiel] im Fall Max nicht schnell genug herab kommen könnte bis      bis
5.) Ebendaselbst: nach den Worten Sieben! Samiel! ist hinzugefügt: Samiel (erscheint). Das Wort „erscheint“ im nämlichen Takt, wo sich der Ausruf: „Samiel“ befindet.
6.) Im Entre-Acte No. 11 zu dem Eintritt der Hörner im 51. Takt: scherzando.
7.) In No. 14 Volkslied auf den 3.–7. Takt: Annchen: Horch! Da kommen die Brautjungfern | schon. Guten Tag liebe Mädchen! Da singt immer die Braut an! ich komme gleich wieder. (ab.)
8.) Nach den Worten des Annchen: „Nun was ist denn?“ u. nach der Bemerkung: nimmt den Kranz heraus, es ist ein silberner Todtenkranz – ist von Webers Hand bei der folgenden Rede Annchens hinzugefügt: Ein Todtenkranz? Nein das ist – das ist nicht etc.
9.) Finale: Zu den Worten des Fürsten: Nein, nein, nein! ist unter die Noten C, E, Gis des Copisten von Weber (?) geschrieben: [Notenbeispiel: Notenbeispiel]
10.) Bei der Adagio-Stelle des Eremiten: Leicht kann des Frommen etc. befindet sich ein vi=de bis zu: So finde nie der Probeschuß etc. Das Wort Adagio ist auf den Takt vor der Fermate von Weber zweimal auf den leeren Zeilen notirt, obgleich es im vorhergehenden (gestrichenen) Takt von der Hand des Copisten dasteht. Die zwei ersten Takte der ausgelassenen Stelle, sowie die zwei letzten vor dem =de sind durchkreuzt [Kreuz]; der Farbe der Dinte nach ebenfalls von Weber selbst: Es ist also unzweifelhaft, daß er die betreffende Stelle selbst gestrichen hat.

Apparat

Zusammenfassung

D. schickt ein Blatt mit zehn Bemerkungen über Webers eigenhändige Eintragungen in der Carlsruher Freischütz-Partitur, sein Brief gibt noch Erläuterungen zu einzelnen Punkten

Incipit

Sie verschwenden wirklich gar zu viel Dankesworte u. schlagen

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 153

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl., 1 Bl. (6 b. S. o. Adr.)
    • Vermerk von Jähns auf der Verso-Seite der Beilage rechts unten: Eigenhändige Bemerkungen von Dessoff, Hofkapellmeister in Carlsruhe. Empfangen 7. Nov. 1878. F. W. J.

Textkonstitution

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