Antonie Weber an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
München, Freitag, 6. September 1867

Geehrter Herr.

Erst vor kurzer Zeit erhielt ich in Berchtesgaden Ihren Brief vom 19 Aug, welcher mich an mehreren Orten verfehlte u liegen blieb.

Schon seit 6 Wochen auf Reisen, bedaure ich ganz unendlich auch dießmal wieder Sie so lange auf Antwort warten laßen zu müßen u Sie villeicht in Ihren Arbeiten aufzuhalten Noch mehr bedauere ich daß ich auch heute nicht im Stande bin Ihre Fragen mit voller Bestimmtheit zu beantworten. ich müßte deßhalb zu Hause erst die betreffenden Briefe u Blätter selbst nachsehen, werde aber wohl erst in 14 Tagen zurückkommen, wo dieß aber mein erstes Geschäft sein soll. So viel ich mich erinnere habe ich damals den Sonatencanon ganz genau, der Form u dem Inhalt nach abgeschrieben, u gewiß kein Wort ausgelaßen. Ist kein Datum darauf angegeben - so steht wohl auch keines im Original. Es ist kein Brief, sondern ein kleines, elegantes Blättchen u fand ich daßelbe auch nicht bei den Briefen, sondern zwischen einem Pack alter einzelner Blätter, musikalischer Manuscripte - oder einliegend in dem musikalischen, angefangenen Lexikon, bei dem Worte „canon“.

Wenn es von Wichtigkeit ist, genau den Datum festzustellen, so wäre dieß villeicht aus Briefen u Traditionen möglich u biete ich in diesem Falle Ihnen gerne meine geringe Hilfe an.

Ich glaube mich zu erinnern daß C. M. W. in einem Briefe von dieser, Abends zum erstenmale zu spielenden Sonate spricht. Diesen Brief fand ich jedoch vor 2 Jahren nicht mehr vor, u wäre es möglich daß gerade er, einmal als Autograph verschenkt ward. Diesem nachzuspüren, wäre dann nothwendig.

Verzeihen Sie die Eile mit der ich Ihnen zu schreiben gezwungen bin, doch hat man auf Reisen selten viele Zeit dazu u wollte ich Sie nicht länger mehr auf Antwort warten laßen. Sollten Sie nochmals an mich schreiben wollen, so wird mich Ihr Brief schneller erreichen, da wir im Begriff sind nach Baden Baden zu gehen wohin mein Bruder in Darmstadt mir alle Briefe gleich hinbesorgt.

Mit den besten Grüßen empfiehlt sich Ihnen Antonie Weber

Apparat

Zusammenfassung

J. hatte nach einen Datum auf dem Blatt mit dem Sonaten-Canon gefragt, das ihm A. W. kopiert hatte. Sie war lange auf Reisen und wird nach ihrer Rückkehr nachsehen

Incipit

Erst vor kurzer Zeit erhielt ich in Berchtesgaden

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 647

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (4 b. S. o. Adr.)
    • Am oberen rechten Rand Bl. 1r von Jähns: Empf. 9. Sept. 67.

Textkonstitution

  • „so“über der Zeile hinzugefügt.
  • „Stande“durchgestrichen.
  • „aber“durchgestrichen.

XML

Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist,
so bitten wir um eine kurze Nachricht an bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.