Franz Weber an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
London, Montag, 21. Oktober 1878

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Hochgeehrter Herr Professor,

In Folge längerer Abwesenheit von Darmstadt vonseiten meiner Tante, ist mir Ihr geehrtes Schreiben vom 5ten also erst gestern zu Händen gekommen, und ich beeile mich daher Ihre darin enthaltene Frage mit einem vorläufigen bündigen „Ja“ zu beantworten und Ihnen zugleich die Versicherung zu geben, daß es mir eine besondere Freude sein wird falls es mir gelingen sollte zu Ihrer monumentalen Arbeit ein Scherflein beigetragen zu haben. Uebrigens hätten Sie sich, werther Herr Professor, die Mühe sparen können mir den detaillirten Titel etc Ihres Werkes aufzuschreiben;

es befindet sich schon seit Jahren in meiner Bibliothek, wird gar häufig zu Rathe gezogen und hat auch bereits manchen Streit geschlichtet!

In dieser Woche bin ich noch zu sehr mit meinen Arbeiten für die nächste Nummer der „Musical Times“ beschäftigt, doch werde ich mich in der Kürze eingehend mit der von Ihnen gestellten Aufgabe beschäftigen wozu mir manche spezielle Quellen offenstehn. Uebrigens fürchte ich daß ich es nicht zur Ausfüllung der Rubrik „zum 200sten Mal“ werde bringen können, mit Ausnahme etwa des „Freischütz“. Soviel ich heute weiß ist z. B. „Euryantheniemals in England aufgeführt worden!

Noch bin ich Ihnen, werther Herr Professor, aufrichtigen Dank schuldig für Ihre freundlichen eingehenden Bemerkungen in Bezug auf meine, vor ein paar Jahren in der Musical Times veröffentlichte, Artikel über C. M. Von Weber. Abgesehen davon daß Ihr freundliches Schreiben an meine Tante gerichtet, und ich also nicht direkt zur Antwort aufgefordert war, schien es mir einerseits als ob manche wichtige Punkte in Betreff meiner in obigen Artikeln ausgesprochenen Ansichten in transitu mündliche Uebersetzung eine Veränderung erlitten hätten; und andererseits konnte es Ihnen, dem größten Weber-Kenner auch kaum von Interesse sein, zu erfahren was denn meine Ansichten über diese Punkte wirklich seien ─ und so unterblieb meine Antwort. Nochmals aber danke ich Ihnen, werther Herr Professor, für das mir s. zt. erzeigte freundliche Interesse.

Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen Herrn M. M. Von Weber hier flüchtig zu sehen; er war auf der Rückreise von Dublin nach Berlin.

Hoffentlich kann ich Ihnen bald meine Resultate vorlegen, und verbleibe inzwischen, Mit wahrer Hochachtung
Ihr ergebener
Franz Weber

Apparat

Zusammenfassung

J. hatte über dessen Tante Antonie Weber an ihn zur Weiterleitung angefragt, ob er für ihn Opernrecherchen in London übernehmen könne. W. ist bereit, zweifelt jedoch daran, ob er alles wird ermitteln können, er glaubt, daß Euryanthe nie in England aufgeführt worden sei. Dankt für Jähns' Urteil über seine Weber-Aufsätze in Musical Times vor einigen Jahren. Da Brief aber an seine Tante gerichtet war, glaubte er, nicht darauf antworten zu müssen. Hat MMW gesehen, der auf der Rückreise von Dublin nach Berlin war

Incipit

In Folge längerer Abwesenheit von Darmstadt

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 651

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl., 1 Bl. (5 b. S. o. Adr.)
    • Am linken oberen Rand Bl. 1r Briefnumerierung (rote Tinte)
    • N. 1. von Jähns.

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Eveline Bartlitz, "Weber und kein Ende!" Franz Webers Briefe an Friedrich Wilhelm Jähns als Quellen zur Londonder Weber-Rezeption, in: Weberiana 18 (2008), S. 95f.

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