Carl Maria von Weber an Hinrich Lichtenstein in Berlin
Prag, Dienstag, 14. Februar 1815

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S. Wohlgebohren

Herrn Profeßor Dr: Lichtenstein

zu

Berlin

Universitäts

Gebäude.

Geliebter Bruder!

Wie unendlich freudig mich dein lieber Brief vom 7t huj: überrascht hat kann ich dir nicht genug sagen, der Tag an dem ich das Glük meines geliebten Freundes erfuhr* rechne ich wahrhaft unter die frohesten und schönsten meines Lebens. – Du dreymal glüklicher, der du es aber auch 3 mal verdienst glüklich zu sein. deine Wahl hat meinen vollkommensten Beyfall, und du wirst dich mancher gleichen Äußerung in unseren einsamen Abendstunden errinnern. etwas genirt es mich mir die Wiederholung dieser nicht mehr denken zu können, aber ich bin auch im Glük meiner Lieben glüklich, und bin zufrieden wenn alles um mich her froh und zufrieden ist, wenn ich gleich noch schwankend und unsicher auf dem LebensMeere treibe. So wie ich deine Victoire beurtheile, und dich kenne, werdet ihr in einem herrlichen Vereine leben. du mit deiner in den Lebensstürmen errungenen Männlichkeit, ruhig auf Kopf und Herz sich stüzend, der du aus allem noch ein heiteres Gemüth gerettet hast, Sie voll heiteren Sinnes, unverdorben, hellen Bliks, rasch auffaßend, wahrlich es müste gar nichts mehr mit rechtem zugehen, wenn ihr nicht einander beglükend, glüklich wärt. daß du Ihr meine herzlichsten Grüße und Theilnahme sagst, versteht sich am Rande.

Der Barometerstand deiner Bekannten pp hat mich sehr lachen machen. ja ja, so habe ich sie mir gedacht. So eine HauptRevolution in den Hoffnungen, Ahndungen, Gewohnheiten pp bringt aber heilsame Gewißheiten ans Licht, und man geht dann mit sichereren und erprobten Schritten vorwärts. Es freut mich sehr das Malchens rechtlicher Sinn sich auch hier bewährt hat, möge Sie doch endlich auch einmal Ruhe finden. Meinen Brief vom 4t wirst du nun erhalten haben. ich bin seitdem wieder etwas ruhiger, aber nicht froher geworden, und werde es wohl nie ganz werden. Es fehlt meiner Lina an dem Vertrauen zu mir, das allein der Liebe wahre Stüzze ist. Sie hält mich für mehr klug, als gut. Mein Gott – es gehört viel Verstand dazu recht gut, recht gut zu sein, weil es manchmal so aussieht als käme man für den Augenblik mit Schlechtigkeit weiter, es ist aber nicht wahr, denn das hält nicht Stand, und nur das wahrhaft Gute und Edle hält aus bis Jenseits. – ich kann noch immer nicht arbeiten – und das ist schlimm.

Ueber meine Berliner Verhältniße kann ich gar nichts sagen, als – thut was ihr könnt und glaubt daß gut ist. ich höre weder von B: noch sonst Jemand etwas. die Zeitungen sagen Spontini engagirtT.

Schreibe bald wieder wenn du kannst, du Glüklicher und glaube daß vielleicht Niemand so warmen Antheil nimmt, und dein Glük so zu würdigen weiß als dein ewig treuer Bruder W:

Grüße Alle Bekannten.

Sey nicht böse über meine Kürze, aber [ich] konnte um keinen Preiß den Posttag vorbeygehen laßen an dem ich deinen Brief erhielt.

addio.

Editorial

Summary

gratuliert zu Lichtensteins Verlobung; betr. Caroline; teilt mit, dass er über seine mögliche Anstellung in Berlin weiterhin im Ungewissen sei.

Incipit

Wie unendlich freudig mich dein lieber Brief vom 7t

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Tradition

  • Text Source: Leipzig (D), Leipziger Stadtbibliothek – Musikbibliothek (D-LEm)
    Shelf mark: PB 37, Nr. 12

    Physical Description

    • 1 Bl. (2 b.S. einschl. Adr.)
    • Papiersiegelrest

    Corresponding sources

    • Rudorff: Westermanns illustrierte deutsche Monats-Hefte, 44. Jg. (1899), 87. Bd., S. 162
    • Rudorff 1900, S. 53–55 (mit fehlerhafter Datierung: März 1815)

Text Constitution

  • daß“das” overwritten with “daß”.
  • dein“sein” overwritten with “dein”.

Commentary

  • “… Glük meines geliebten Freundes erfuhr”Offenbar Bezug auf die Verlobung Lichtensteins mit Victoire Hotho; das Paar heiratete am 11. Juni 1815.

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