Der Schlammbeißer, eine Humoreske (Entwurf)

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10t Kapitel. Der Schlampeizger*.

Ach, es ward zu viel des Leidens über mein armes Haupt gebracht. Kein Wunder wäre es gewesen ich hätte meines Nahmens Bedeutung in den Gliedern verspürt. Voll des schwärzesten Mißmuths verkroch ich mich in meine Stube, verhing die ohnedieß nicht zu großen Fenster mit dem alten Flausrok, und überließ mich meine Seele in dieser Dunkelheit dem dumpfem Brüten. in dem Es war doch wahrlich ein zu schwarzer Keßel, in dem der mir von gewaltigen Mächten zugetheilte Schiksalsbrauer meine LebensIngredienzen gebraut hatte und darein mit fast absonderlicher Bosheit so viele tolle Liebeswurzel gemischt hatte daß die heterogensten Liebeleyen mir fast als Gesezz und Richtschnur meines Lebens geworden waren zu sein schienen. Wahrlich der Keßel der Makbethschen Hexen war nicht schwärzer als der mMeinige und doch sprach es laut und in mir im seltsamsten Widerspruche mit meinen Erfahrungen, daß nur holde, liebe, weibliche Wesen um ihn gestanden hätten, und als gleich den zwölf Himmelszeichen mich eine HauptKatastrophe bezeichnet hätten. Wenn gleich nicht ganz ohne kleine Schadenfreude, manch Kurioses hervorsuchend und beimischend, um zu sehen wie […] sich das Alles abgähren und entwikkeln werde. Ja ja, rief ich aus, jener WeberGeselle hatte wirklich recht, der steif und fest behauptete es sein jedem Menschen eine gewiße Anzahl dummer Streiche zugetheilt die er abarbeiten müße, weshalb man sich auch immer gar sehr zu erfreuen habe, wenn einer vollbracht sey, als ein Schritt näher zum Ziele. Die Idee ergriff mich, ich sprang fröhlich auf und sagte rief, Ja Nun Gott sey Dank, da kann mir’s nicht leicht fehlen, denn tolle Streiche habe ich schon genug gemacht, werde wohl bald wieder einen zu notiren haben, und der Himmel gebe nur, daß die Zahl auch sich mit der der HimmelsZeichen glüklich schließe.

Mit der Zukunft war ich also im Voraus sehr zufrieden. mit der Gegenwart sah es aber desto schlechter aus. War das aber auch ein Wunder? welche unsichtbare Macht hielt mich denn in dem unglücksel’gen Göttingen so fest? es fiel mir wirklich auf […] plötzlich stark auf, daß ich nach erhaltnem Repuls, ohne alle Beschäftigung und Aussicht noch in dem vertrakten Neste sizzen blieb. Fort also fort, das war gut gesagt. Aber, wohin, und womit das war die Frage. Der besonders auf Postillions und Gastwirthe so kräftig einzig allein einwirkende Nervus rerum gerendarum fehlte mir fast gänzlich, denn die Topfberichtigung und Levi Meyers Kleiderhülfe hatten den Kern der Perükkenschachtel fast gänzlich bis auf Weniges verzehrt.       Zu den Fleischtöpfen des Apothekers in die Heymath zu wandern, litt mein Stolz nicht. Anna Mörner der ich allenfalls die Grönländische Jugend die jungen Lappen dreßiren helfen konnte, war gar zu weit weg. Pistorius hatte längst die Universität verlaßen, von meinen vorigen Gönnern war gewiß nichts mehr zu erlangen, es hatte ohnedieß nur der 8 und 9t mir etwas gegeben und Einige früher etwas versprochen, – kurz, es war traurig, indem sich an mir | alle Sympthome der moralischen Krankheit deutlich zeigten, die Deutschland mit so vielen schlechten Schauspielern schon versehen hat, nemlich ich war zu allem ernst anhaltenden Studium verdorben, hatte nichts zu verlieren, und in meinem Kopf eine umgestürzte Bibliothek von tausenderley unausgekochten Dingen, die nur in einer Art von gelindem Wahnsinn unbegreifflicher GeistesErhizzung, wo ein fremdes höheres Prinzip aus uns zu sprechen scheint, mich zu Gedichten wie die Sinnpflanze pp erheben konnte.

Gedankenlos las ich die […] Seitenwände der lezten Tabaks Düte die ich mein genannt hatte. Es war ein Stükk des hamburger unpartheiischen Korrespondenten, der einen Artikel aus London enthielt, also lautend – "Die Kunst ist es allein die nächst dem KriegsGott noch in unseren Zeiten die als Leiter zum Glükke ist dient, und besonders der hochsinnige Britte schätzt und belohnt sie vor allen andern Nationen. Klementi ist steinreich bei uns geworden, und erst jezt hat wieder die entzükkende Catalani in einem Concert 2000 £ eingenommen. Es ist freilich unläugbar, daß die königlich gebietende Stimme, verbunden mit dem hohen Liebreiz und Anstande dieser einer so […]herrlichen Gestalt["] von hier verschlang der […] Krämmerkleister das übrige. Aber in meine Seele waren die beiden Funken Kunst, Hamburg Catalani gefallen die einen Entschluß in mir anzündeten.


Ein älterer Bruder meines Vaters lebte da als StadtMusikant, behäglich und gut. Entzweit mit meinem Vater hatte er sich nie um uns bekümmert, und in unserm Hause wurde seiner höchst selten, und da mit den Beziehungen des wunderlichsten Wesens erwähnt. Dahin sollte die Fahrt gehen, der Stadtmusikant die erste Kunststafel sein auf der ich weiter stieg, die Hamburger […] Mark endlich zu englischen Pfunden wachsen, mit meinem Talent, riesengroß, und dann wurde wollte ich Sie schauen die als einzig Bewunderte, zu der mich eine unbeschreibliche Sehnsucht zog. Der Ruf wird vor mir herfliegen, bei dem herrlichen Sänger und Komponisten deßen Werke ihre […] Kunstfertigkeiten erst ganz werden entfalten laßen, hochverehrend liebend, ich ihr unerkannt eine meiner Arien accompagniren, mich vergeßend in herrlichen Phantasieen auflösen, und sie zu dem höchsten Entzükken der Bewunderung gesteigert mich in einer Originalität erkennend, überwunden und hingerißen, in die Arme des Zipperleins sinken –

Ich hatte mich so gewaltig exaltirt, daß kein mir jeder Augenblik verlohren schien, der nicht zur Ausführung dieses Plans diente.

Alle Bücher flogen zum Antiquar und wurden nach Burschen Ausdruck verkeilt, die Perükken Sammlung fand ihren Mann und Käufer in einem Frieseur, der alte treue Koffer, und alles wenige Geräthe, Wäsche, pp wurden versilbert, nur die Zither blieb, und, omnia mea mecum porto konnte ich Jedem ehrlich zurufen. Auf einen Tisch legte ich Briefe, an meine geliebten Manichäer, mit Anweisung auf den Hamburger Onkel, und wie der Abendstern funkelte, hing die Zitter blieb, und omnia mea mecum porto kann ich Jedem ehrlich zurufen. Auf einen Tisch legte ich Briefe an meine geliebten Manichäer, mit Anweisung auf den Hamburger Onkel, und wie der | Abendstern funkelte hing die Zitter an einer Seite, die Müzze auf dem einen Ohre, und fort sollte es gehen, ein bescheidener wahrer Troubadour, ein bescheidenes Veilchen Blümlein, still in sich gebükt und unbekannt, es war ein herzig Veilchen. als ich mich in der Thüre nochmals umdrehte, und in die leere Stube sehen mußte die so […] das Futteral so mancher seltsamen Dinge gewesen war, alsda erblikte ich nicht ohne Rührung auf dem Ofen das Glas mit meinem alten Liebling, dem Wetterpropheten sehe. Ein seltsames Abentheuer bey einer litterarischen Theegesellschaft in das ich höchst unschuldig mit verwikkelt worden war, hatte ihn in meine Hände gebracht. Er kam auch aus lieben Händen, aus Fräulein Klotildens* kunstgewandten, niedlichen, gutmüthigen, gottlosen. ich dürfte Denn – mit einem Wort den Schlambeizger durfte ich nicht im Stiche laßen, mochte nun noch draus werden was da wolle, und er mir das Leben nicht schlecht sauer machen auf der Reise. Komm, Knurrpietsche, oder Wettergrundel pp sagte ich, du sollst mir das Tagewerk bezeichnen, und in Vielem mein Vorbild werden, wie ich […] denn überhaupt schon Ähnlichkeit mit Dir verspüre. Dein Leben ist zähe, wahrlich das mMeine auch, sonst wäre ich gewiß nach dem 5t Kapitel tode geblieben nicht wieder lebendig geworden. Dir fehlt die Schwimmblase, mir nicht weniger denn bis jezt bin ich noch immer auf dem Grunde sizzen geblieben. Mein Frühling soll jezt anbrechen, und ich will mich wie Du in dieser Zeit […] aus dem Schlame der Unordnung erheben zur Kunstgröße. Gebe Gott nur daß mich nicht wie dich die Rezensenten deine Hechte, Hechte freßen […] wie litterarischen, nemlich die Rezensenten, fressen. An die Angel soll mich auch kein Profeßore mehr kriegen und wenn ich unruhig werde, soll wird wohl auch einst die KunstWelt in Stürmen sich erheben – Soweit nehme ich ihn unter dem Arme und ging, und marinirt mich einst der Tod, so will ich wie du, Schwan unter den Fischen, auch mit einem Triller oder wenigstens gehaltenem Tone vom Leben scheiden, das mir nur Salz und Asche auf das Haupt streute, ohne mich dadurch vom Schlamme der Noth zu reinigen.

Kein Leser meiner Schiksale wird sich wundern, wenn ich sage das meine […] Stimmung eine hoch aufgereizte war, der das alltägliche Leben anekelte, und mich die Einsamkeit suchen ließ, und meinen KunstPhantasien ungestörten Raum zu verschaffen. Städte und Menschen wie ihre Bewohner mied ich, zu des Landmanns stiller Hütte zog es mich, und ihrem Gesange im Gezwitscher der Vögel hoffte ich dem wahren NaturGesang auf die Spur zu kommen. Wir sehr bedauerte ich mein anatomisches Kenntniße Studium nicht auf das die genaueste Kenntniß des Kehlkopfes und der übrigen Singwerkzeuge geleitet zu haben, oder statt meiner Versekunst, Mitglied eines DilettantenKoncerts geworden zu sein. Doch auch das letztere wäre meiner jezt so zart sich wendenden Natur zuwider gewesen, ich wollte nichts von InstrumentalMusik, harmonischen Kombinationen und dergl: wißen. Die Stimme, die Stimme war das einzige, was mich anzog | ach und ich hatte leider keine, aber doch den unbegreifflich festen Glauben auf irgend ein großes NaturEreigniß welches mir gelegentlich eine verschaffen würde, so wie mich denn überhaupt meine ganze SentimentalitätsKrämerei in dem seltsamsten Wiederspruche mit denen oft sehr anstrengenden erschöpfenden Anstrengungen meiner KunstWanderung und den damit verbundenen Abentheuern, Strohlagern und sonstigen frugalen Begebenheiten stand, war, die offenbar mich in die prosaischste Prosa hätten versezzen sollen. Aber Nein, es scheint mir überhaupt ein Hauptzug meines Charakters von jeher gewesen zu sein, immer zu andern Dingen gezogen zu werden als zu denjenigen, die mir die eigentliche Nothwendigkeit und Wahrscheinlichkeit gebot.      So mußte es allerdings ein eigenes Schauspiel oder vielmehr Singspiel für die Vorübergehenden sein wenn ich voll von dem Gedanken an meine göttliche Catalani ihr Lob in Gesangs Hymnen ausströmte, wobei ich mich aber des unbequemen Textes durchaus nicht bediente, sondern, gleich meinem Vorbilde, das nächste beste wohlklingende Italienische Wort meinen Ton Tyraden unterlegte. Dabey hatte natürlich meine Phantasie den kühnsten Spielraum, und alles wogte für mich in einem TonMeere. Alleen waren mir dopelte Skalen, jeder Bach eine Paßage, jeder rauchende Schornstein eine hochwirbelnde Kadenz, und die Blumen, ach was sage ich von den Blumen, alle Tonarten roch ich, alle Gerüche hörte ich.      dazu kam das meiner Natur so tief eingeschmolzene Bedürfniß mich liebend an ein Wesen anzuschließen, und was war daher natürlicher als daß ich neben der täglich glühender wachsenden Anbetung meiner Catalani, auch endlich meine Zärtlichkeit mit meinem Schlambeißker theilte.

Lache nicht, Leser oder Hörer, bemitleide vielmehr […] meine krankhafte Reizbarkeit, die sich mit einer Art von Dankbarkeit an das einzige lebende Wesen kettete das ihr nahe war. Da wie oft warnte er mich vor Stürmen, wie freundlich blitzten mich seine schwarzen Augen an, so mußte auch Catalani blikken. Auch ist es nur zu wahr daß man die am meisten liebt für die man leidet, es war wahrlich kein Spaß, oft in der größten Hizze und auf beschwerlichem Wege das glatte Glas unter dem Arme zu tragen, und nur bei einigen Bauern hatte ich Dienste von meinem Mißgrun erhalten, die mir eine Wetterprophezeihung mit ein paar derben nahrhaften Gerichten vergalten. Dadurch bekam ich eine Art von festem Zutrauen zu meinem Fische, und traute viel auf ihn, bey dem Onkel GartenFreunde in Hamburg.      Da schob das verruchte geprägte Metall das wir Geld nennen, einen Riegel dicht vor die Thüre des Paradieses vor, denn als ich in Haarburg in einem Weinhause mich zur Ueberfahrt nach Hamburg […] stärken wollte, war | das lezte aus einer verrätherischen Versenkung in der Tasche entwischt, und ich saß in nicht geringer größter Verlegenheit und einer fast an Verzweiflung und Hülfslosigkeit da, und finster gerade vor mich hinstierend.

Das wenige oft wiederholte Aufstehen und ans Fenster Gehen, nach dem Himmel Blikken des einzigen Gastes außer mir im Zimmer, würde mir nicht aufgefallen sein, in meiner Stimmung, wenn nicht auf einmal die lieblichsten Mägdlein Stimmen Laute, welche zur halbgeöffneten Thüre herein erklungen wären. – es ist ganz hell die Elbe hinauf, Vater, ihr könnt es sicher anschlagen laßen. Ja wer Teufel kann das gewiß wißen, fuhr er auf, bin hier so unbekannt in dem Fahrwaßer – ich sah in die Höhe, und erblikkte einen wiederlichen langen hagern Menschen, deßen wiederlichen, verzogenen, rohen und doch verschmitzten Gesichtszüge, ein ächtes Allerweltsleben bezeichneten, und der seinem übrigen Aeußern nach ein Mittelding von Soldat und Seemann zu sein schien. Wer und Morgen gut Wetter wirdmir – fuhr er mit einem kräftigen Fluche fort, ihre gewiß sagen könnte was es Morgen für Wetter sein würde, dem wollte ich 20 Mark courante Banco schuldig sein.      Topp! ruf ich, er sich wandte sich verwundert zu mir, und die Herrin der lieblichen Stimme kam freundlich neugierig zur Thüre herein. wie traf der Blik mich, so mußte Catalani freundlich sein. Topp wiederholte ich, ich will mich selbst hier als Pfand einsezzen daß es Morgen stürmt, und dann auch wieder das gute Wetter voraussagen, wenn ihr mich so lange zechfrey halten, und dann nach Hamburg zu meinen Verwandten führen wollt, denn ihr seid doch wohl ein Schiffer? dann Nicht so ganz, junger Herr, ein Feuerwerker der seine Kunst hier sehen laßen will, und dann eben so in Hamburg, wozu er freylich gutes Wetter braucht, und dem der ihm es mit Gewißheit immer ein paar Tage voraussagen könnte, gewiß zufrieden stellen, ja mit ihm in Kompagnie treten wollte. Aber was könnt ihr zur Sicherheit entgegen stellen? die Equipage ist nicht schwer fortzuschaffen, und der lustige H: Student wahrscheinlich? machte sich nach ein paar verschmaußten Tagen, stille weiter. erhizt und beleidigt und vertrauend meinem Schlambeizker, erwiderte ich, ich wiederholte ich es mich selbst zum Pfande zu sezzen zu wollen bis mich mein Onkel auslöse, wenn ich nicht wahr prophezeihte. Höhnisch schmunzelnd sagte bemerkte der Feuerwerker – nun die Figur ist nicht übel, kräftig, gesund – riß eine Nebenthüre auf, und rief ein paar Tabakkauende Gesellen gleichen Schlages zu Zeugen, um den Handel abzuschließen, und mit wiederlich freundlich aufgezogener Oberlippe wieß er mir dann die holde Maid als zur Gesellschaft an, und meinte, hätt ich Recht erprobe sich meine Kunst, so wär das Ding so übel nicht, und verlöhre ich die Wette, | so würde das Seewesen auch nicht so übel dadurch darüber böse sein.      Leider verstand ich der kurzen Rede langen Sinn nicht, und war heiteren Muthes der augenbliklich dringendsten Noth so leicht entgangen zu sein, zumal den schönen Augen Katharinens gegenüber, die ich Auge auf der Stelle bat, in ihrem Nahmen eine Buchstabenversezzung vornehmen zu dürfen, um sie auch dadurch meinem Ideal zu nähern, und die lose braune ließ es sich lachend gefallen, Katharani zu heißen.      Ich wurde erträglich genug einquartiert, der Abend mit einer.

Der folgende stürmische Tag galt für meinen ersten Triumph, und wurde Abends mit einem kleinen Punsch Bankett gefeyert, in dem mir nur die einzige kleine Fatalität begegnete, das lezte Kleinod von Werth, meine Uhr, in einem freundschaftlichen Spielchen zu verliehren. Doch kümmerte mich das wenig, Katharanis KatalaniStimme, und die Hofnung auf Schlambeißker und Onkel hielten mich aufrecht. Der Ehrgeizteufel hieß mich den ersten und sein Talent verläugnen, und um allein den Ruhm der Wetter Sybillen Kunst zu genießen, und so hatte Katharani Schelm, meinen magern Mantelsak und den Fisch in Obhut genommen. Doch hatte ich mein Augenmerk heimlich desto fester auf seine Knurrpietschens Bewegungen, und da seine außerordentliche Ruhe mir das beständigste herrlichste Wetter versprach, so bestimmte ich in größter Zuversicht den Tag des Feuerwerkes.      Die Erfüllung meiner ersten Prophezeihung hatte Glauben erweckt, es ging also nun mit Macht an alle Anstalten aller Art, und im Kreise verdächtig aussehender Gesichter wurde im Voraus auf die zu hoffende Einnahme gezecht und das Verzechte angekreidet. in dieser wiederlichen Kompagnie mich zu sehen war mir manche Stunde sehr beschwerlich, und nur Katharanis Augen und Stimme konnten es mich erträglich finden laßen, zumal da ich erfuhr, daß sie die Catalani gehört habe, welches sie mir gern freylich nicht eben in den kunstgerechtesten Ausdrükken gern erzählte.      Endlich brach der Verhängnißvolle Feuertag an. und Schon am Morgen trübte sich der Himmel etwas, und eben so die Stirnen meiner Feuermänner, nur ich blieb guten Muths trotz ihrer verfänglichen Reden, denn so oft ich unbemerkt nach meiner Knurrpietsche hinschielen konnte lag sie still und unbeweglich, und ich ermunterte daher pochend darauf, zur Fortsezzung der Feuerwerks Anstalten. da schwärzte es sich mehr und mehr. Die Zuschauer versammelten sich, die Pläzze waren besezt, als auf einmal der wüthendste Sturm und Regen das schöne Werk zertrümmerte, das Publikum durchnäßte welches ungestüm sein Geld zurük verlangte. | Die Kaße hatte aber schon früher den Regen scheuend, ihren Abgang genommen, man tobte, lärmte, schrie, mißhandelte die Unternehmer, und diese ermangelten nicht die Last ihres ganzen Zorns mit Zinsen auf mich zu übertragen. ich ward zu Boden geworfen, mit Schimpfworten und Schlägen bedekt, endlich schnell hinweggeführt und von der Dunkelheit begünstigt in ein elendes Nest ein Haus an der Elbe geschleppt, und in eine Art Keller gestoßen, deßen Thüre ich wohl verriegeln hörte.      Hier lag ich eine Zeit lang bewußtlos. Endlich mich erholend, konnte ich nicht begreiffen mit welchem Rechte man mich so behandle, und was daraus werden solle. über mir schien es zu jubeln und zu tanzen. Die Näße meiner Kleider und meines Aufenthalts wurde mir von Minute zu Minute unerträglicher und Catalani und Blumentöne hätte ich auf dem Punckte zu vergeßen jezt selbst mit dem Momente von Liebeshohn bei Schäfermeyers entäuscht so ant schlecht vor mir zu Muthe, da hörte ich Katharanis Stimmchen mitleidig vor der Thüre flöten. Sie dauern mich junger Herr, aber ich kann ihnen nicht helfen, man hatte es seit der ersten Stunde auf Sie abgesehen, und sie gaben sich ganz in die Hände der Seelenverkäufer durch ihre unbesonnene Wette, die sie vor Zeugen wiederholten, nun kann Sie nichts mehr retten, und sie reisen mit dem ersten Schiffe nach den Kolonien, nun es hat schon mancher sein Glük dort gemacht, und geht es ihnen einst gut, so vergeßen Sie nicht meine Theilnahme. O Schlambeizker, verdammter Fisch, rief ich verzweifelt aus, dir verdank ich diese schrekliche Wendung meines Schiksals. Wie so? fragte Katharani, der Fisch ist ja todt. Todt? schrie ich! nun ja, fiel sie ein und ich hatte ihn doch so gut gepflegt, und sogleich den Tag nach ihrer Ankunft mit dem reinsten besten Brunnenwaßer ihm gegeben versorgt. Ach, rief ich aus du hast ihn dadurch getödtet, und ich fand ihn natürlich als Leiche so ruhig. Ah lachte die Sirene vor der Kellerthüre, das war wohl ein Wetterfisch? wie kann man aber auch einem solchen Thiere trauen – ja ich traute ihm auch so ist, […] nie recht, erwiederte ich, aber er ward mir anvertraut, und kann ich kann wenigstens behaupten für ihn alles gethan zu haben was in meinen Kräften stand, aber Undank ist der Welt Lohn, und wer weis ob alles was ich für ihn gethan habe nicht die Verwünschungen meines künftigen Gönners auf mich zieht, der mich nun aus dieser verzweiflungsvollen Lage retten muß. Wie aber weiß ich nicht. O Schlambeißker gu schwebst als ein | schweres Schiksal über mir, und jezt liege ich feucht wie du im Schlamme gefangen im Nezze meiner Katalani Verblendung, Oh!      doppelte Nacht umgab mich, ich hörte das entfernte Kichern der falschen Katharani Kätharina, und betäubt mich willenlos meinem fernern Schiksal überlaßend, seufzte ich resignirt: ich wollte lieber ich wäre auf dem bloxberge der Tod löst alle Bande, Schlambeizger fahre wohl.

Editorial

Summary

Erzählung über einen Musiker-Komponisten, der sich von Göttingen nach Hamburg zu seinem Onkel aufmacht und auf die Reise seinen "Schlammbeißer", einen Wetterfisch, mitnimmt; die Verehrung der Sängerin Angelica Catalani ist Antrieb für seine Reise; aufgrund der ungünstigen Verkettung von skurrilen Begegenheiten gerät der Musiker schließlich ins Gefängnis und muss dort im feuchten Kellerloch enden wie sein inzwischen eingegangener Wetterfisch

General Remark

für den Dresdner Liederkreis verfasste Arbeit, die Weber lt. Manuskript in der Versammlung vom 2. Mai 1818 vortrug; lt. Hell-Schriften (S. L) bildete vorliegende Erzählung das 10. Kapitel zu einer poetischen Arbeit der männlichen Mitglieder des Liederkreises: die Damen schlugen verschiedene Worte vor, die unter den Herren verlost wurden, welche dann wiederum den Titel zu einem Kapitel eines Romans abgaben, der so von einem zum anderen fortgesetzt werden musste; Winkler hatte das Wort "Sinngrün (mimosa pudica") gezogen und darüber ein Gedicht verfasst

Creation

12. April und 1. Mai 1818 (laut A und TB); vgl. auch TB-Notiz vom 2. Mai 1818

Responsibilities

Tradition

  • Text Source: Draft: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: Mus. ms. autogr. theor. C. M. v. Weber WFN 6, (II) Bl. 24a/r - 25b/v

    Physical Description

    • Aufsatz auf zwei DBl. jeweils Bl. 1 und 2 r und v (Format 33,3x20,6 cm, WZ: bekröntes Wappen; Gegenmarke: KIRCHBERG, Kettlinien ca. 2,6 cm), mit vielen Korrekturen Webers vgl. TB 12. April 1818: Am Schlambeizker angefangen.; 1. Mai: bis 12 Uhr gearbeitet und Schlambeizger vollendet. ; 2. Mai: Abends Dichterkreis bey Kuhns. ich las meinen Schlambeizker vor mit allgemeinem Beifall.

    Corresponding sources

Thematic Commentaries

Text Constitution

  • “mich”crossed out.
  • “meine Seele”added above.
  • “dem”crossed out.
  • “in dem”crossed out.
  • “hatte”crossed out.
  • “mir fast als”crossed out.
  • “waren”crossed out.
  • “zu sein schienen”added in the margin.
  • “m”overwritten.
  • “M”added inline.
  • “und”crossed out.
  • “in mir”added above.
  • “hätten”crossed out.
  • “als”crossed out.
  • “gleich den zwölf”added in the margin.
  • “mich”crossed out.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “sagte”crossed out.
  • “rief”added above.
  • Jacrossed out.
  • “glüklich”added above.
  • “denn in dem unglücksel’gen”added in the margin.
  • “auf […]”crossed out.
  • “plötzlich”added above.
  • “besonders”crossed out.
  • “so kräftig”crossed out.
  • “einzig alleinadded above.
  • “allein”crossed out.
  • “fast gänzlich”crossed out.
  • “bis auf Weniges”added in the margin.
  • “die Grönländische Jugend”crossed out.
  • “die jungen Lappen”added in the margin.
  • “schon”crossed out.
  • “gelindem Wahnsinn”crossed out.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “die”crossed out.
  • “als”added in the margin.
  • “ist”crossed out.
  • “dient”added above.
  • “verbunden”added above.
  • “dieser”crossed out.
  • “einer so”added above.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • Illegible text (ca. 1 words)
  • “beiden”crossed out.
  • Hamburgadded above.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “… riesengroß , und dann wurde”"wurde" nicht gestrichen.
  • “wollte”added above.
  • “bei”Uncertain transcription.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “kein”crossed out.
  • “mir jeder”added in the margin.
  • “bescheidener”crossed out.
  • “Veilchen”crossed out.
  • “Blümlein”added above.
  • “still”crossed out.
  • “so […]”crossed out.
  • “als”crossed out.
  • “da erblikte”added above.
  • “sehe”crossed out.
  • “war”added in the margin.
  • “ich dürfte”crossed out.
  • Illegible text
  • “m”overwritten.
  • “M”added inline.
  • “nach”added in the margin.
  • “tode geblieben”crossed out.
  • “nicht wieder lebendig geworden”added above.
  • “Du in dieser Zeit”added in the margin.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “die Rezensenten”crossed out.
  • “deine Hechte”added above.
  • “Hechte freßen”crossed out.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “wie”added inline.
  • “mehr”added above.
  • “und”crossed out.
  • “soll”crossed out.
  • “wird wohl”added above.
  • “Soweit nehme ich ihn unter dem Arme und ging, ”crossed out.
  • “und Asche”added above.
  • “dadurch”added above.
  • “das”sic!
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “und mich”added above.
  • “und”crossed out.
  • “Menschen wie”crossed out.
  • “ihrem Gesange”crossed out.
  • “s”added inline.
  • “Kenntniße”crossed out.
  • “Studium”added above.
  • “das”crossed out.
  • “so”added above.
  • “mich”crossed out.
  • “denn”added above.
  • “anstrengenden”crossed out.
  • “stand”added in the margin.
  • “zu denjenigen”added above.
  • “Schlambeißker”sic!
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “Da”crossed out.
  • “derben”crossed out.
  • “nahrhaften”added above.
  • “Onkel”added above.
  • “[…]”Deleted text illegible.
  • “nicht geringer”crossed out.
  • “größter”added in the margin.
  • “und einer fast an Verzweiflung”crossed out.
  • “finster”crossed out.
  • “wenige”crossed out.
  • “Gehen”added above.
  • “Stimmen”crossed out.
  • “Laute”added in the margin.
  • “welche”crossed out.
  • “wiederlichen”crossed out.
  • “langen hagern”added in the margin.
  • “rohen und doch verschmitzten”added in the margin.
  • “und”crossed out.
  • “der”added above.
  • “übrigen”added above.
  • “und Morgen gut Wetter wird”crossed out.
  • “ihre”crossed out.
  • courantecrossed out.
  • “sich”crossed out.
  • “dann”crossed out.
  • “und”crossed out.
  • “erwiderte ich, ich”crossed out.
  • “ich”added above.
  • “zu”crossed out.
  • “zu wollen”added above.
  • “sagte”crossed out.
  • “bemerkte”added in the margin.
  • “und”crossed out.
  • “dann”added above.
  • “als”crossed out.
  • “zur”added in the margin.
  • “hätt ich Recht”crossed out.
  • “erprobe sich meine Kunst”added in the margin.
  • “so übel”crossed out.
  • “dadurch”overwritten.
  • “darüber”added inline.
  • “der augenbliklich dringendsten … zu sein, zumal”added in the margin.
  • “Auge”crossed out.
  • “der Abend mit einer.”crossed out.
  • “kleinen”crossed out.
  • “und”overwritten.
  • “um”added inline.
  • “seine”crossed out.
  • “Knurrpietschens”added in the margin.
  • “also nun”crossed out.
  • “alle”crossed out.
  • “das Verzechte”added in the margin.
  • “gern”added above.
  • “gern”crossed out.
  • “und”crossed out.
  • “daher”crossed out.
  • “eine Art”added in the margin.
  • “ich”added above.
  • “auf dem Punckte zu vergeßen”crossed out.
  • “ant”crossed out.
  • “fiel sie ein”added above.
  • “mit”added above.
  • “ihm gegeben”crossed out.
  • “versorgt”added above.
  • “so ist, […]”crossed out.
  • “kann”crossed out.
  • “ich wollte lieber ich wäre auf dem bloxberge”crossed out.

Commentary

  • “… 10 t Kapitel. Der Schlampeizger”Schlammbeitzger, Schlammbeißer, Wetterfisch (Misgurnus fossilis): Bodenfisch, überwiegend nachtaktiv, lebt in stehenden warmen Gewässern mit schlammigem Grund, kann im Schlamm eingegraben Trockenzeiten überleben .
  • “… lieben Händen, aus Fräulein Klotildens”in HellS: Amaliens (evtl. verschleiert hier Winkler durch die Abänderung des Namens die vermutlich enthaltene Anspielung auf die im Dresdner Liederkreis nachgewiesene Clotilde von Nostitz).

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