Karl Theodor Winkler an Giacomo Meyerbeer [in Baden-Baden]
Dresden, Mittwoch, 18. Februar 1835

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An

Sr. Hochwohlgeboren

des Königl. Preuß. Hof-Kapellmeisters

und Ritters ppp.

Herrn Meyerbeer

Zu

Mein verehrter und geliebter Freund!

Laßen Sie mich Sie immner noch so nennen, ob ich gleich seit so langer Zeit keines freundlichen Wortes von Ihnen mich zu erfreuen gehabt habe. Mehr als Einmal habe ich an Sie geschrieben, um mich wegen aller Misverständnisse welche in den Weberschen Nachlaßangelegenheiten leider zwischen uns eintraten, zu entschuldigen ohne jedoch eine Antwort darauf von Ihnen zu erhalten. Doch verlange ich bey Ihren vielen Geschäften mit anziehendern Gegenständen dieses gar nicht, wenn ich nur überzeugt seyn kann, daß Ihr Herz mich auch wirklich für entschuldigt gehalten, und wieder in seine alten Rechte eingesezt hat.

Und dazu machte mir Ihre trefliche Mutter Hofnung, als Sie das leztemal in Dresden uns einige Tage schenkte, und ich da ausführlich diese Angelegenheit mit ihr besprach. Sie wollte selbst deshalb an Sie schreiben. Möchte Sie es doch gethan und dadurch alle Ungleichheit geebnet haben.

Bey dieser Gelegenheit erinnerte auch Ihre theure Mutter die Kapellmeisterin Weber daran, daß sie doch nunmehr ja nicht zögern möchte, Ihnen die Materialien zur Bearbeitung des Werkes zuzusenden wozu Bruderliebe und Verehrung gegen den Verewigten Sie veranlaßt. Die jetzige Zögerung war daher nur die Folge meiner Hofnung, unterdessen von Ihnen selbst einige Zeilen zu erhalten.

So glücklich bin ich nicht geworden, aber meine Pflichten gegen meine lieben Weberschen Kinder will ich nicht länger unerfüllt laßen, will Ihnen mit allen dem was ich in dieser Hinsicht besitze entgegenkommen, selbst auf die Gefahr hin, daß Sie mich für zudringlich halten. |

So empfangen Sie drum in der Anlage:

1.) eine genau durch einen Musiker verglichene Abschrift - Abzeichnung möchte ichs nennen - des OrginalManuscripts unseres Webers, auf jedem Blatte von mir signirt,

2.) die Abschrift der beyden ersten Akte der Oper, welchen der 3te folgen soll, so bald Sie es wünschen,

3.) den verlangten Revers, wie ihn Ihr Brief vom August 1833. vorschreibt und

4.) ein kleines Blättchen, worauf Weber selbst einige Tonarten notirt hat.

Ihre Mutter hat Frau v. Weber versprochen, alles dieses an Sie zu befödern, und vielleicht giebt es Ihnen Veranlassung, mir wieder ein Paar wohlwollende Worte zukommen zu laßen.

Bleiben Sie aber jedenfalls überzeugt, daß ich Sie mit Verehrung und Liebe im Herzen hege, und nie aufhören werde zu seynIhr
treu ergebener Freund
Karl Winkler.
|

Unterzeichneter erklärt und bekennt hiermit,

a.) daß ihm von dem Herrn Hofkapellmeister Ritter Mayerbeer die Originalskizzen des Kapellmeisters K. M. v. Weber zur Composition der Oper die 3. Pinto, richtig wieder zurückgegeben

b.) dafür aber ihm die Copien davon überantwortet worden, welche

c.) aus 17. Blatt bestehen von denen

d.)jedes mit meinem Namen unterzeichnet worden, so wie

e.)daß seitens der Frau Kapellmeister von Weber und mir, als Vormund der v. Weberschen Kinder in die Benutzung dieser Materialien zur vollständigen Composition unter den zwischen den Interessenten mündlich verabredeten Bedingungen gewilliget worden

Dieses bekräftigend durch Namensunterschrift. Dresden am 18. Februar 1835. Karl Theodor Winkler

Editorial

Summary

trotz mehrfacher Briefe wegen der Weberschen Nachlaßangelegenheiten habe er von MB keine Antwort erhalten; dennoch sendet er ihm als Anlage: eine Abschrift des Pintos‑Manuskriptes, Abschrift der beiden ersten Akte (Text), den Revers zum Brief von August 1833 u. ein Blatt mit Tonarten‑Notizen von Weber selbst; bittet um kurze Bestätigung

Incipit

Laßen Sie mich Sie immer noch so nennen ob ich gleich

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz

Tradition

  • Text Source: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: N. Mus. Nachl. 97, W/65 u. W/75

    Physical Description

    • 2 Bl. (3 b.S. u. Umschlag)
    • Briefumschlag von der Hand von F. W. Jähns

    Corresponding sources

    • Becker (Meyerbeer), Bd. 2, S. 438–440

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