C. L. Costenoble: Gedicht an Carl Maria von Weber (März 1822)

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Kranz der Freundschaft *).

Stör’ ich Euch, Ihr schönen Frauen?Liebe Herren! stör’ ich Euch?Wollet freundlich mir vergeben;Denn ich hab’ Euch aus dem ReichBunter Träum’ und ParadieseEin Gesicht jetzt zu vertrauen.Seht, mit träumte nun so eben,Ich ständ’ in dem HeiligthumDer Natur, auf grüner Wiese;Und entzückt von Florens Glanz,Reihte still ich Blum’ an Blum’Und es ward ein schöner Kranz.Als der Kranz vollendet war,Freut’ ich mich der schönen Blüthe.Und ich fühlte im GemütheWunderbar mich aufgeregt.„Wem bring’ ich die Blumen dar,Der sie ganz mit Ehren trägt – “Rief ich – „Zeiget mir ein Wesen,Das zum Liebling Ihr erlesen,Um die Erde zu verschönen.“Trauer wurde mein Entzücken;Denn es fiel mir keiner bey,Der des Kranzes würdig sey.Plötzlich stand vor meinen BlickenEin wunderholde Frau – Reitze trug sie nicht zur Schau,Die der Liebesgöttinn gleichen;Auch an Hoheit und an StolzMußte sie Minerven weichen;Aber wer sie durfte schauen,Dessen reine Brust zerschmolzIn unendlichem Vertrauen.„Komm“, sprach sie mit Engelsmilde –„Polihymniens GefildeSollen Dir ein Wesen zeigen,Dem sich alle Herzen neigen,Ihm nur reiche deinen Kranz.“Freudig folgt’ ich ihrem SchritteIn ein großes, großes Haus,Und bey’m hellen KerzenglanzTrat aus einer Volkes-MitteAnspruchslos ein Mann heraus,Und mit jubelndem VerlangenWard er allgemein empfangen.„Siehst du“ – sprach die Führerinn – „Auf der Stirn den klugen Sinn,Einen Gott im Auge glänzen?Ihn nur, ihn mußt du bekränzen!“Plötzlich wurde still die Menge,Und ich hörte Zauberklänge – Hörte süße MelodienDie sein hoher Geist erschuf, Und ich fühlte mich erglühen, Von den himmlischen Gesängen,Fühlte meine Tränen fließenBey des Volkes Jubelruf;Wollte durch die Masse drängen,Ihm zu reichen meinen Kranz, –Sieh! da fiel mit gold’nem GlanzIhm ein Lorbeerschmuck zu Füßen.Und ich blickte tief beschämtAuf den Kranz in meinen Händen;Aller Muth war mir gelähmt,Weil ich so geringes brachte.Und zu meiner FührerinnWollt’ ich weinend schnell mich wenden – Als ich von dem Traum erwachte,Und die Holde war dahin.Doch, wie mahl’ ich meine Freude,Als ein Kranz im Frühlingskleide,Wie ich ihn im Traume brach,Wirklich mir zur Seite lag!Und an seinen frischen BlätternHing ein Blatt wie Seide lind,Darauf stand mit gold’nen Lettern:„Sey getrost mein gutes Kind,Wenn dein Kranz zurück auch bliebeÜber eines Lorbeers HöhenEr, der aus dem Reich der LiebeMelodien ausgesandt,Wird auch Blumen nicht verschmähen,Die die Freundschaft für ihn wand.“

Die Redaction.

[Originale Fußnoten]

  • *) Dieses Gedicht wurde dem Gefeyerten in einem freundschaftlichen Privatzirkel überreicht, nachdem es die jüngste Tochter vom Hause mit seelenvollem Ausdruck declamirt hatte.

Apparat

Zusammenfassung

Huldigungsgedicht an Carl Maria von Weber während seines Wien-Aufenthaltes

Generalvermerk

Das Gedicht stammt zwar von Carl Ludwig Costenoble, wurde allerdings im Hause der Sophie Schröder dem Komponisten mit Blumen zusammen überreicht. Weber erwähnt das Gedicht im TB vom 10. März 1822 sowie im Brief an Caroline vom 11.-13. März 1822

Entstehung

lt. TB von Costenoble (A-Wst, Ic 59759, Kasten II, Bl. 68v-70r) entstanden am 9. März 1822

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Mo, Ran

Überlieferung

  • Textzeuge: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 14, Nr. 33 (16. März 1822), S. 131–132

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