Georg Joseph Vogler an Carl Maria von Weber in Stuttgart
Darmstadt, 12. Juni 1809

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Daß ich im Dezember 1808 nach Stuttgart kam, ohne, Sie, Bester! zu besuchen, fiel Ihnen auf? – o Ja! ich begreiffe es.

Allein, ich war diese 24 Stunde[n] nicht in Stuttgart, sondern im Umkreis. Den ersten Abend muste ich dem k. baierschen Minister* und der Frau Kronprinzessin* die Briefe, womit mich der baiersche Kronprinz beauftragt hatte überreichen, den andern Morgen wegen dem, auf dem Oberamt in Cantstadt mit dem Orgelbauer Knecht geschlossenen, noch nicht erfüllten, Contract, dahin und zurück reisen. Durch die Nachricht, daß Sie dabey dort Table d’hôte im König von Engelland speisen, ward ich unglükweiser Weise getäuscht; Sie kamen nicht, warten konnt ich nicht, und – Mittwoch war’s, den 21sten Dez. Samstag den 24sten muste ich mich bei der Großherzogl HofTafel in Amorbach einfinden und den nämlichen Tag noch in Darmstadt ankommen. Sehen Sie, (l’article des accidens) wir sahen uns nicht, was ich sehr bedauerte.

Inter arma musae silent.

Ich arbeit zwar immerfort im theoretischen und praktischen Fach – aber für die Nachwelt.

Da meine Orgel in München, wobei ich durch Unregelmäsigkeiten 2000 fl verliere, nicht fertig, die hiesige von Knecht die mich 3000 fl kostet nicht aufgesezt und, die Hessische Normal Orgel, wofür ich auch 1807 200 fl vorgeschossen habe, eben so wenig spiel- und hörbar ist; so habe ich die 4te Orgel (mein Orchestrion wär die fünfte) unternommen, die (Will’s Gott?) höchst wahrscheinlich in diesem Jahre noch fertig wird. In einer transportablen kubischen Figur nicht einmal von 12 Schuh, will ich mit nur 672 Pfeifen 44 klingende Stimmen, und einen Untersatz 32 Fuß Ton erzielen. Das eine, und einzige Klavier muß 3 Klavier und 6 Hände dem Zuhörer vorspiegeln.

Adieu! Halten Sie mich werth und antworten
Sie baldigst Ihrem Sie
so zärtlich liebenden
AbGJVogler

Apparat

Zusammenfassung

bedauert, ihn im Dez. 1808 in Stuttgart nicht getroffen zu haben; schildert die Gründe, warum sie sich verpaßten; über seine Orgelumschaffungspläne und Verschuldungen; war auf Rückweg in Amorbach; er arbeite theor. u. praktisch weiter; über die Orgeln in München, mit Knecht und das Orchestrion sowie eine transportable Orgel; bittet um baldige Antwort;

Incipit

Daß ich im Dezember 1808 nach Stuttgart kam, ohne Sie, Bester!

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – PK, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. II A. i, Nr. 1

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.), mit e. Anmerkung Webers auf Bl. 1v: "erhalten d: 17t beantwortet d: 18. Juni 1809 in Ludwigsburg"

Textkonstitution

  • "dabey dort": durchgestrichen.
  • "dabey dort": Unsichere Lesung.
  • "unglükweiser": Unsichere Lesung.
  • "die mich 3000 fl kostet": Hinzufügung.

Einzelstellenerläuterung

  • "… ich dem k. baierschen Minister": Johann Baptist von Verger (1762–1851), von 1807 bis 1812 bayerischer Gesandter in Württemberg.
  • "… . und der Frau Kronprinzessin": Prinzessin Charlotte Auguste von Bayern (1792–1873) hatte 1808 den württembergischen Kronprinzen Wilhelm geheiratet.

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