Carl Maria von Weber an Johann Friedrich Kind in Dresden
Dresden, Montag, 15. Oktober 1821

Herrn Hofrath Kind

Wohlgebohren.

Mein theurer Freund!

Beikomende fatale Nachrichten* erhielte ich Gestern aus Wien. ich wollte Ihnen erst den Verdruß erspahren den ich schon einmal geschlukt hatte. aber bei reiferer Ueberlegung sehe ich doch daß Sie es wißen müßen. seit 3 Tagen hüte ich das Haus, und bin unwohl sonst wäre ich selbst gekommen. was ist da zu thun? – – O vielgeliebte Wiener Censur*. Wir müßen darüber sprechen. mich finden Sie gewiß.

Alles herzliche an Ihr liebes Haus. stets und immer Ihr W:

Apparat

Zusammenfassung

übersendet Kind den Bescheid der Wiener Zensurbehörde (Freischütz betr.), der ihn sehr verdrossen habe;

Incipit

Beikommende fatale Nachrichten erhielt ich

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. II A b, 19

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b. S. einschl. Adr.), Siegelrest u. -loch
Weitere Textquellen
  • Kind, Friedrich: Briefe von Karl Maria v. Weber, an Friedrich Kind, in: Zeitung für die elegante Welt, Jg. 32, Nr. 123 (26. Juni 1832), Sp. 979
  • Kind: Freischütz-Buch, S. 167 (Nr. 32)
  • MMW II, S. 345.

Textkonstitution

  • "H": Gelöschter Text nicht lesbar.
  • Unleserliche Stelle (ca. 1 chars)

Einzelstellenerläuterung

  • "Beikomende fatale Nachrichten": vermutlich in einem Brief von Johann Christoph Grünbaum, vgl. TB, 14. Oktober 1821.
  • "Wiener Censur": Was Weber über die zensierte Wiener Fassung des Freischütz zu diesem Zeitpunkt wußte, geht aus seinem Brief an Lichtenstein vom 18. Oktober und einem Brief von Kind an Friedrich Rochlitz vom 23. Oktober 1821 hervor: In dem Freischützen hat der geistliche Censor (ein Mönch, wie ich höre) den Samiel ganz beynebst mancher andern kleinen Teufelei gestrichen [...] Das Ganze ist 300. Jahre früher hinausgelegt und statt der Freikugeln werden -bolzen gegoßen! [...] Weber war außer sich, mußte aber zuletzt mit mir lachen; denn mir kams durchaus lächerlich, nicht ärgerlich vor. (StLB Wien I. N. 7185 hier nach Reiber S. 122). Zur Wiener Zensurfassung vgl. die Untersuchung von Joachim Reiber, Bewahrung und Bewährung. Das Libretto zu Carl Maria von Webers „Freischütz“ im literarischen Horizont seiner Zeit, München 1990, S. 112–134.

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