Carl Maria von Weber an Michael Beer in Berlin
Dresden, Donnerstag, 27. November 1823

Zurück

Absolute Chronologie

Vorausgehend

Folgend


Korrespondenzstelle

Vorausgehend

Folgend

S. Wohlgebohren

Herrn Michael Beer.

zu

Berlin

Abzugehen im Comptoir des H. Jacob Herz Beer Heiligen Geist Straße.

In welche Verlegenheit, mein sehr lieber Freund, versezt mich Ihr Wunsch*. der Himmel möge es Ihnen verzeihen daß Sie mich in die traurige Lage sezzen Ihnen etwas versagen zu müßen. Müde und matt von Musik machen und hören, komme ich von Wien zurük, bin allein im Dienst – da Morlachi den Tag meiner Ankunft nach Venedig abgereißt war* – habe den ganzen Tag doppelte Proben, pp und nun soll ich in kurzer Zeit, etwas Componiren. Ich hoffe zu Gott, daß Sie meiner Bereitwilligkeit versichert sind, aber mit dem besten Willen ist es mir nicht möglich jezt, selbst wenn ich abrechne, daß ich der achtungswerthesten Dichter ähnliche Wünsche ablehnte, und behauptete nicht mehr dergleichen schreiben zu wollen. Rathen aber will ich. Ich habe zu Turandot einen Marsch gemacht, der vollkommen paßend sein wird, ich sende ihn Ihnen mit nächster Post, und stelle Ihnen anheim ihn zu brauchen oder nicht. Werden Sie auch nicht böse sein? Alles was ich Ihnen jezt Schönes über Ihr Stük sagen möchte, würde Ihnen wie eine Captatio benevolentia erscheinen; aber ich hoffe mit den Andern auf einen günstigen Erfolg.

Schon Kaskel erzählte mir von der innigen Theilnahme Ihres ganzen Hauses an dem Erfolg der Euryanthe. das konnte ich nach so vielen Beweisen wahrer Liebe und Güte mit Bestimtheit voraus wißen, und eben so unwandelbar ist mein Dank und meine innige Anhänglichkeit.

Vergebens habe ich bisher an Mayer die Sendung der noch fehlenden zu Margaritha d’anjou erwartet. ich werde diese Oper im Januar einzustudiren die Freude haben, muß aber deßhalb aufs dringendste bitten, Mayern zu Sendung des Fehlenden anzuhalten.

Tausend Grüße an Ihre trefflichen Eltern, Brüder pp von mir und meiner Frau, und von mir nochmals die Bitte nicht zu zürnen Ihrem alten treuen
Freund CMvWeber

Apparat

Zusammenfassung

von Wien zurück, müsse er Morlacchi vertreten, so daß er sehr eingespannt sei; erwähnt Marsch zu Turandot; dankt für Teilnahme am Euryanthe-Erfolg; erwartet fehlende Musikstücke zu Meyerbeers Margerita d'Anjou, die er im Januar einstudieren wolle

Incipit

In welche Verlegenheit, mein sehr lieber Freund

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: New York (US), Public Library, Center for the Humanities (US-NYpl), Bruno Walter Collection
    Signatur: MNY Bruno Walter Collection

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (2 b.S. einschl. Adr.)
    • PSt: DRESDEN 27. Nov. 23

    Provenienz

    • Stargardt Kat. 597 (1971), Nr. 864 mit T-Faks der Adr.
    • Henrici 2 (1909), Nr. 699
    • Schulz, O,.A.: AK 27 (1902), Nr. 855 u. AK 19, Nr. 672 u. AK 15, Nr. 333

    Einzelstellenerläuterung

    • „… , versezt mich Ihr Wunsch“Beer hatte Weber darum gebeten, für sein Trauerspiel Paria, dessen Uraufführung unmittelbar bevorstand (Berlin 22. Dezember 1823), eine Ouvertüre zu schreiben. Weber lehnte dies ab (vgl. auch seine Briefe an Brühl vom 4. bzw. an Lichtenstein vom 11. Dezember 1823). Als Ersatz sandte er Beer laut Tagebuch am 8. Dezember 1823 seinen Turandot-Marsch. Gespielt wurde am Berliner Theater allerdings nicht dieser, sondern eine Ouverture Indienne von Lindpaintner; vgl. dazu Ziegler in Weber-Studien, Bd. 7, S. 221 und 236.
    • „… Ankunft nach Venedig abgereißt war“Morlacchi hatte einen Opernauftrag für Venedig (Ilda d’Avenel); er kehrte erst im September 1824 nach Dresden zurück (vgl. Webers Tagebucheintrag vom 10. September 1824).

      XML

      Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist,
      so bitten wir um eine kurze Nachricht an bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.