Carl Maria von Weber an Hinrich Lichtenstein in Berlin
Dresden, Donnerstag, 27. Mai 1824

S: Wohlgebohren

dem Herrn Profeßor

Dr: Hinrich Lichtenstein

Direktor des zoologischen

Museums pp

Berlin

Gestern, mein Geliebter Bruder erhielt ich dein Liebes vom 22t May. abermals stand beiliegendes Dings darauf. dieß ist bereits der 3t Brief den ich mit dieser Bezeichnung von dir bekomme. daher auch ihre Verspätung. ich glaube daß dir die Sache wichtig, da es wahrscheinlich an deinen Leuten liegt. Meinen Brief vom 17t hieltst du für eine Antwort auf deinen vom 15t den ich erst d: 21t erhielt. -- für mich desto beßer, denn dein Gestriger hat mich wieder etwas beruhigt über die Stimmung meines guten Grafen, obwohl wieder wegen der Aufführung im Juny geängstiget. Graf Brühl oder Sp: müßen mir doch etwas einmal darüber anzeigen. dieß ist keine Oper die man so übers Knie brechen kann. und die Zeitbestimmung der Aufführung muß doch vom Grafen abhängen.

Der Graf hat mir auf mein offiz: Schreiben noch nicht geantwortet; ohne diese Antwort kann ich nicht wohl auf Hörensagen hin ihm schreiben.

Bitte, bitte, lieber Bruder bring mich darüber ins Klare. ich möchte schon bald toll werden, wie dieser Sommer von dem ich mir so viel Erholung versprach in Ungewißheit und peinlichen Besorgnißen verrinnen wird.

Von London aus fängt man an mancherlei Verbindung mit mir anzuknüpfen. der Buchhändler Walker giebt eine Monatsschrift Europaeische Revue heraus, fordert Beiträge und bietet 16 Pfund Sterling per Bogen. das ist ein Honorar das mich wohl zu Aufsäzzen verführen könnte. auch Kalkbrenner hat mir geschrieben, die Ouverture des Freyschützen hat viele Sensation da gemacht.

Weib und Kind sind wohl. alles Erdenkliche an deine Victoire von
deinem treuen
Weber

Apparat

Zusammenfassung

Weber nun eher beruhigt über Stimmung von Brühl, aber besorgt wegen dessen Stillschweigen, das ihn zur Passivität zwinge; Umgewißheit um Euryanthe-Aufführung in Berlin; von London aus würden Verbindungen zu Weber angeknüpft; u.a. Aufforderung von Walker, Weber möge Aufsätze für dessen Monatsschrift beisteuern, wobei Honorarangebote verführerisch seien;

Incipit

Gestern, mein geliebter Bruder erhielt ich

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Leipzig (D), Leipziger Stadtbibliothek – Musikbibliothek (D-LEm)
Signatur: PB 37 (Nr. 56)

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b.S. einschl. Adr.)
  • Papiersiegelrest
  • PSt: DRESDEN 27. Mai 24
Weitere Textquellen
  • Rudorff: Westermanns illustrierte deutsche Monats-Hefte, 44. Jg. (1899), 87. Bd., S. 378–379;
  • Rudorff 1900, S. 185–186;

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