Die Winter-Konzerte zu Mannheim (2) (Teil 1/2)

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Die Winter-Konzerte zu Mannheim. (2)

Den 13ten Dezember 1811.

Die Unternehmer beweisen bis jetzt fortwährendes Bestreben, dieses an sich so vorzügliche, seit einigen Jahren so arg gesunken gewesene, Institut wieder aufblühen zu machen, ungeachtet ein großer Theil unsers Publikums ungerecht genug ist, ihm geringere Theilnahme als in den vordern Jahren zu erzeigen. Auch heute wurden zwey nicht uninteressante Ensemble-Stücke gegeben, Eberl’s Symphonie Esdur* und Himmels Vaterunser. Erstere ist von Referenten schon vor mehreren Jahren, als der für die Kunst leider zu früh verblühete Componist sie (damals noch Manuscript) bey seiner hiesigen Anwesenheit aufführte, in der Allg. mus. Zeitung mit gebührendem Lobe besprochen worden*; und auch die heutige recht gelungene Aufführung des Werkes bestätigte das günstige Urtheil, welches ihm früher zu Theil geworden war. Aeußerst glücklich benutzt der Tonsetzer im ersten Satze den Schmelz der Blase-Instrumente im Contraste des aus syncopirten Noten bestehenden kräftigen, bald in der Oberstimme, bald in Mittelstimmen, bald in den Bäßen sich zeigenden Haupt-Thema, und hinreißend energisch ist der Schluß des ersten Allegro. Etwas kälter lassen die beiden mittlern Stücke; allein desto willkommener erscheint darauf das Finale, ein Thema von einfachen stolzen Gewichtsnoten, um welches sich untergeordnete Gegenthemen verschiedenen Charakters bald hüpfend, bald sanft anschmiegend contrapunktisch einherbewegen und das Ganze zu einem in sich abgerundeten Guße verflechten. Daß Eberl die Haydnschen Symphonien zum Vorbilde wählte, ist unverkennbar, allein er that es, ohne seine Individualität aufzuopfern, ohne sich den geringsten Vorwurf eines Plagiats zu Schulden kommen zu lassen. Er ist volltönender als Haydn, springt weniger ab, und bewegt sich anhaltender in großen Massen: Haydn ist unerreichbar in seiner humoristischen Genialität, welche zu kopiren wohl Niemanden gelingen möchte.

Eberl führte bey seiner hiesigen Anwesenheit eine zweite Symphonie in D* im damaligen musikalischen Conservatorium* auf: und wer sie damals gehört hat, stimmt wohl in Referentens Wunsch ein, daß auch diese noch im Laufe des Winters zur Aufführung gelangen möge.

der Schluß folgt

Apparat

Generalvermerk

Zuschreibung nach Sigle

G. Weber übernahm später diesen Text, wie bereits die erste Folge der Kritiken über die Winterkonzerte (1811-V-79), in gekürzter Form in seinen Bericht über das Winterhalbjahr 1811/1812 für die AmZ (1812-V-21 Teil 3).

Entstehung

Überlieferung

  • Textzeuge: Badisches Magazin, Jg. 1, Nr. 247 (18. Dezember 1811), S. 988

    Einzelstellenerläuterung

    • „Eberl ’s Symphonie Es dur“Anton Eberl, Sinfonie Nr. 1 Es-Dur, zum Programm vgl. auch den Konzertzettel.
    • „bey seiner hiesigen … Lobe besprochen worden“Eberl hielt sich Ende Mai/Anfang Juni 1806 in Mannheim auf, die Sinfonie Es-Dur wurde am ersten Pfingsttag aufgeführt; vgl. G. Webers Besprechung in: AmZ, Jg. 8, Nr. 41 (9. Juli 1806), Sp. 650–654. Das Werk wurde am 16. März 1807 im Konservatorium wiederholt.
    • „zweite Symphonie in D“Anton Eberls Sinfonie Nr. 2 d-Moll wurde im Konservatorium erstmals am 7. Juni 1806 gegeben und am 27. Juni 1807 wiederholt, im Konzertwinter 1811/12 wurde sie, wie von G. Weber gewünscht, im vierten Konzert am 10. Januar 1812 gegeben; vgl. 1812-V-21 (Teil 3).
    • „musikalischen Conservatorium“Die musikalische Abteilung des Museums (vgl. Kom. 1810-V-06) war 1806 unter dem Namen Konservatorium gegründet worden und erst 1808 im Museum aufgegangen; vgl. AmZ, Jg. 8, Nr. 41 (9. Juli 1806), Sp. 652–653.

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