Max Maria von Weber an Ida Jähns in Berlin
Dresden, Donnerstag, 28. April 1853

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[…] Wie ein großes, unermeßlich reiches Panorama sind in den sieben Wochen meiner schnellen Reise Norddeutschland, Belgien, Rouen, Paris, die Auvergne, die Provence und Algier an mir vorübergeflogen bis Medeah am Fuße des großen Atlas. Den Rückweg nahm ich durch die Côte d’or, Elsaß und Mitteldeutschland. Wo sollte ich anfangen, Ihnen zu erzählen? Von Köln, bis wohin meine Frau mich begleitete? Von Paris, von woher Millionen halbwahrer und halberlogener Briefe geschrieben werden, und wo ich mich in allerliebsten gastlichen Kreisen, besonders bei der Schröder-Devrient, trefflich befand? Oder von dem Zauber der Rhônefahrt, von dem Aufgehen des südlichen Himmels, dem Erscheinen südlicher Pflanzen, dem Übersegeln des glänzenden Mittelmeers, dem Blinken der weißen Häupter der Pyrenäen und Alpen, bis ich endlich am Ziele meiner Sehnsucht, am Fuße mächtiger Dattelpalmen sitzend, die smaragdenen Blätter der Bananen über mir rauschen hörte und die glühende Sonne im schwarzblauen Himmel Afrikas funkelte? Oder soll ich Ihnen sagen, wie ich unter den zauberisch erhaltenen Römerbauten von Arles wandelte, im Amphitheater zu Nimes an derselben Stelle saß, von der Vespasian den Ringkämpfen zusah, und mir blühenden Lorbeer, Myrthen und Oleanderpracht von den Gebüschen brach, die im Dianatempel wuchern, oder wie ich unter hochragenden Lorbeerbäumen schwelgend an der Quelle von Vaucluse lag, die Petrarca seine schönsten Lieder zugerauscht!? Soll ich Ihnen erzählen von einer wahrhaft schrecklichen Seereise von Algier nach Toulon, die statt 58 Stunden fünf Tage und fünf Nächte dauerte und auf der uns der tückische Sturm so umherfegte, daß wir die Küsten der Balearen und Sardiniens sahen? Wo finge ich an und wo endete ich! Diese Reise war ja allein unendlich viel reicher an Eindrücken als alle meine früheren Reisen zusammengenommen; mir schwindelt, wenn ich daran denke, daß ich jetzt ein Bild davon geben sollte! […]

Apparat

Zusammenfassung

begeisterter Bericht über seine Reise nach dem französischen Nordafrika und den vielen Zwischenstationen

Incipit

Wie ein großes, unermeßlich reiches Panorama

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Frank Ziegler

Überlieferung

  • Textzeuge: Max Jähns, Friedrich Wilhelm Jähns und Max Jähns. Ein Familiengemälde für die Freunde, hg. von Karl Koetschau, Dresden 1906, S. 386

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