L. G. Wähner an Unbekannt
Obervogelgesang, Samstag, 7. August 1802

[Vorbemerkung von Webers Hand:]
Danksagungs Schreiben eines Kannoniers an einen Geistlichen, der ihm zuweilen Bücher geliehen hatte.

Daß die Abschrift mit höchster Genauigkeit
dem Original gleichlautend gemacht sei,
bezeugt:

Hoch Wohlehrwürdiger
Wohlgelehrter
Herr

Daß freundschaftl. Wohlwollen! gegen unsre niedrige Familie veranlaßt, u. macht es nothwendig, daß wir Ihnen unsern geringen Vorrath, von Ausdrücken zum Danke, zu widmen, verbunden sind. – Daß große überraschte Vergnügen, durch die von Ihnen uns zugeführte, so mitleidsvolle, theilnehmende Lectiere, hat unsern Geistern, eine ergötzliche Labung, in der Ernährung gegeben, u. unsern Verstand – erweitert. – Und über diesen, so achtungswerthen, rührenden Gegenstand – der allgemeinen Beyfall, u. nachdenken verdiente. – Kommen wir besonders: und bringen Ihnen, wie wohl keine sichtbare, und vergängl: Wiedergeltung, zum Danke: sondern eine Demuthvolle, biegsame Seele! – die mit alle denn guten Wünschen, u. Anspielungen, Ihres, jetzigen Glücks, besorgt, und bekleidet ist. – Und über dasjenige in unsern Geiste, erregte Annehmen: bitten wir Ihnen – daß es, als ein freundschaftliches Geschenk, Geschenk der Liebe, u. Dankbarkeit, von einer bloß Brivatischen Familie, vor Ihre verdienstvolle, Entschädigung, ansehen, u. erkennen mögen. – Mithin steigt das heiße Verlangen, in unsern denkenden Wesen auf: daß, das, erhabene, vollkommene allwalltente Wesen! daß, das, körperl: und Geistige, mit seiner Allmacht, regiert, u. mit einen Plick durchschaut! – Ihnen, noch fernerhin, als ein so ächtes Mitglied: daß zum allgemeinen Besten, und gemeinnützigen Wohlstande, schon so viel beygetragen hat! – Auf diesen so bekämpfungsvollen Schauplatze!, weiter aufgestellt, u. mit der weisesten Leitung, erhalten möge! – damit die Verbindungen, die jederzeit, von Ihnen, zum wahren Wohle – abzwecken: immer noch fester, und reger, zusammen, verknüpft, werden möchten! – – Da es aber: unumgänglich, ohne alle parteyische Handlung – ein unwiederruflich Gesetze giebt: da es heißt: Me, men, domori–!– So ist der Wunsch, nach einen immerwährenden, Hierseyn: nicht nur allein, von dem Verbote, verdrängt; sondern wir finden, aber auch selbst: daß er an und vor, zu diesen Leben, gantz Zweckwidrig sey. – Und’ wie Wir hievon, einen einleuchtenden Beweis, von der Wirklichkeit, begriffen haben, daß sehen wir an der genossenen Stelle, des Biedern, rechtschaffnen Mannes, daß, der des, edelsten Sinnes, dieses Lebens, gäntzl. beraubet ist! und das eiserne, harte Geschick, erdulden muß, in ewige Finsterniß, verhüllt zu seyn! – daß, dessen Reihe, unbefriedigter Wünsche, u. unabänderl. Folgen bloß, allein, und lediglich – durch das Ableben, erst gefunden, u. in ihren, Keime, erstickt werden können! – um darüber, Licht und Aufklärung, seiner, Drücke, zu erlangen! – – – Nun, so wird auch Ihnen: einmal, das Schicksal näher rücken! – doch sanft! – allwo Sie, außer Gesicht, und Ihre Hülle, der Verwesung, zum Opfer, darreichen werden, denn Wirkungskreis, verlaßen, u. Ihre angestellten Bläne einen andern übergeben müßen! – Aber gewiß alsdann! gewiß! wird Ihnen zum Danke! bey der Einsenkung in die Gruft – noch manche heiße Thraene, über die Wange rollen! – gewiß mannigfaltige Denkmale, werden dessen Grabhügel bezieren! – die Inschrift lautet: – Hier ist, ein Freund! – Hier ein Wohlthäter! Ruh, von Aus[?]! wenn der Ruff – nicht früher, zur edlern Umbildung ertönet! – wird der Nachruff – schallen! Friede! ruhe auf dieser Sasche[?]! – Aber! Zukunft! Allmachtswort! – du: verläßest nicht! – Wiedersehn! vereint uns wieder! O! Tag! der Wonne! des Heils! aber auch des Schrekens! Was erwartet Ihnen, alsdenn, hoch über des Donnersbahn, u. unumschränkten, Welten-Sistemme vor eine Aussicht! ein Meer: volle unbegräntzte Seeligkeiten! – Wie mancher! o möchte Gott es geben! auch wir! mid Ihnen, alsdann dem Dank noch bezahlen: daß Sie ihn, den Weg des Herren, zeigten! – u: wie einer, unser Dichter – sagt, ein Seeliger zu ruffen, Heil sey dir! denn du hast mein Leben, die Seele mir gerettet du. – – – (aber: ehe wir Ihnen noch um fernere Gunst ersuchen: erwarten, wir, Nachsicht, und Schonung! denn: wir fühlen, daß wir, mit unsern, kalten, trocknen, Entwurfe, Ihren, höhern Geist, zu lange dabey, verweilt, u. gefeßelt haben! – Doch! daß wir hierinnen, nicht zu weit gehen! und uns, verdienten Beschuldigungen aussetzen. – – denn Ihre weitern; ausgedehnten Geisteskräfte – sind mit denn geselligen Umgange, u. Handlungen, gewiß, genau überzeugt: das Begabte, u. minder derselben, im Gantzen: – würcken müssen. – – Und in dieser Hinsicht: versichern wir uns gäntzl. – daß Sie, auf unser Seite, wie Ihnen selbst einleuchdent ist: unser Beruff – auch nicht dahin abziehlen läßt – keine geschmackvollen Ausdrüke, fein, kurz – gekünstelte Zuschnitte, und Accurate, Ortographinen verlangen. – – –

Hiermit: ersuchen wir nochmals: fernere Huld, und Gewogenheit, und verbleiben Ew: Hochehrwürden. gehorsamste, Diener.
UlanL. G. Wähner.

Apparat

Zusammenfassung

parodistisches Schreiben von fremder Hand: "danksagungs Schreiben eines Kannonicus an einen Geistlichen, der ihm zuweilen Bücher geliehen hatte" mit Echtheitsbestätigung von C.M.v. Weber vom 31. Mai 1817

Incipit

Daß freundschaftl: Wohlwollen! gegen unsre niedrige Familie

Generalvermerk

Die Abschrift bezahlte Weber laut Tagebuch erst am 3. Juni 1817; versandt wurde sie (zusammen mit einem weiteren, nicht überlieferten Schreiben) mit dem Brief an Lichtenstein vom 2. Juli 1817.

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Leipzig (D), Universitätsbibliothek, „Bibliotheca Albertina“ (D-LEu)
    Signatur: Taut Musiker

    Quellenbeschreibung

    • Echtheitstestat von der Hand C. M. von Webers
    • Kopie des Briefes von fremder Hand

Textkonstitution

  • „Geschenk“durchgestrichen.

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