Caroline von Weber an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Dresden, erhalten Montag, 29. Januar 1838

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Es will mir fast vorkommen meine lieben Kinder, als ob Ihr meinen Brief, den ich ohngefähr vor 14 Tagen einem Herrn Kamermusikus Weigand, an Euch mitgegeben hatte, noch nicht bekomen habt*. So geht es aber, wenn man sich zu einen recomandations Schreiben bereden lässt, von Jemand, den man eigentlich nicht kennt. Gewiss ist der Bösewicht mit meinem Brief erst Gott weiss wohin, gereisst und Ihr bekomt ihn, und meinen Dank, von dem er natürlich vollgestopft war, ganz altbaken — Es wird sich aber nun besonders gut machen, wenn es Euch, ehe der Dank angekomen ist, recht tüchtig auszanke — Ja und das will ich jetzt vor allen Dingen thun, sonst vergesse ich’s wieder. Ihr guten bösen Leute, sollt durchaus den Weberleuten nicht so viel schenken, und besonders nichts, was Geld kostet. Spart es lieber, dass Ihr hierher komen könnt, das ist das schönste Geschenk für die Mutter. Wir wollen ausmachen, dass Keiner dem Andern etwas geben darf was er nicht selbst gemacht hat, und dass nur an Weihnachten an allen andern Tagen soll es verboten sein.

Wenn mir nun der Wilhelm nichts komponieren will, so muss er mir ein paar Strümpfe striken oder eine Nachtmütze nähen pp. Dass dünkt mich müsste den kleinen Mänchen recht gut kleiden, und ich mögte mich wohl darauf zu gaste bitten den Herkules am Roken zu sehen.

Damit Ihr nun aber Eure Drohung nicht wahr macht, sondern Tasse und Pantoffel* gehörig braucht, will ich auch mein glänzendes Schild anschlagen lassen — Ob aber die Herrn Spitzbuben mir die Freude lange gönnen werden, ist die Frage — Alex gab den Rath, es inwändig an die Thür zu machen —. Dass die Grippe sich dies mal nicht so lange bey Euch aufgehalten, hat sie gut gemacht, aber ich glaube Ihr habt sie mit einen schönen Kompliment, zu uns geschickt, denn auch wir haben alle daran gelitten, nur wie wir Sachsen alles machen, hübsch solide, und nicht so toll wie Ihr. Uibrigens ist die arme Webermutter auch jetzt nicht recht wohl. Der Arzt ist in Sorge, und verschreibt viel. Ich aber stelle alles vors Fenster und denke da hilft es am besten. Die mitgeschickten Briefe haben mich natürlich nicht gefreut, aber es ist nun einmal noch Webers Stern der über der Oper waltet, und wir müssen abwarten ob er weiter sich bewähren wird. Wegen der Schlesingerschen Angelegenheit* hatte ich Ihnen auch in meinen in der Irre laufenden Briefe geschrieben, und Sie gebeten die Sachen mir nur zu schicken. Ich hätte gewünscht dass Sie die Sachen nähmen (wenn auch um einen geringeren Preiss) weil Sie ihn in der Nähe haben, und weg[en] Ihre Arrangements* selbst unterhandeln könnten, was ich leider, schlecht verstehe; aber gute Worte darf man den Herrn doch nicht geben, also möge die Sache nach Hamburg wandern*, und Sie lieber Sohn, mögen mich unterrichten was ich für Sie, und uns, wohl fordern soll. Uibrigens mögte ich erst noch eine Gewissensfrage thun „glauben Sie dass die Musikstücke so sind, dass sie Webers Namen würdig sind? Wird man es uns nicht verdenken die Jugendarbeiten verkauft zu haben?[] Bitte, sagen Sie mir Ihre Meinung.

Die Kinder grüssen und küssen Euch beide recht herzlich, und wollen nichts davon wissen dass Ihr nicht herkommen wollt. Ich grüsse und küsse Euch auch Ihr Lieben, und bitte Euch, die Mutter ferner lieb zu haben. Gebt auch meinen lieben kleinen Max ein derben Kuss von mir, und sagt ihm, die Grossmutter sey ihm schon recht herzlich gut. Gott sey mit Euch + + +. stets
E[ur]e
Mutter Weber

an Lichtenstein 1000 Grüsse

Das Wetter ist bey uns auch nicht schön. Wir haben schon 26 Grad Kälte gehabt. Alex hat sich 3 Finger erfroren, und die Mutter ist gefroren von Kopf bis zum Fuss.

Editorial

Summary

nimmt nochmals Bezug auf die Schlesingersche Angelegenheit und bittet J., ihr die Manuskripte zurückzuschicken, damit sie sie nach Hamburg geben könne, bittet ihn um sein Urteil, ob diese Werke Webers überhaupt würdig seien

Incipit

Es will mir fast vorkommen meine lieben Kinder

Responsibilities

Übertragung
Frank Ziegler, Eveline Bartlitz

Tradition

  • Text Source: Dresden (D), Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (D-Dl)
    Shelf mark: Mscr. Dresd. App. 2097, 31

    Physical Description

    • masch. Übertragung nach dem verschollenen Original (Nr. 31 des Konvoluts)
    • 3 S.
    • am Kopf die Notiz: “Empfangen den 29. Januar”

    Commentary

    • “… hatte, noch nicht bekomen habt”Zum Verbleib dieses Schreibens vgl. den folgenden Brief.
    • “… macht, sondern Tasse und Pantoffel”Zu den Weihnachtsgeschenken von Caroline von Weber vgl. den Brief vom Dezember 1837.
    • “… wird. Wegen der Schlesingerschen Angelegenheit”Die geplante Herausgabe „Nachgelassener Werke“ von Weber.
    • “… und weg en Ihre Arrangements”Das Grablied (PH: S. 2416.; erschienen 1840), das Quintett aus Rübezahl (PN: S. 2323., erschienen 1839) sowie die Einlagearie (PN: S. 2276., erschienen 1838) und das Duett (PN: S. 2322., erschienen 1839) zum Freybrief wurden im Klavierauszug von Jähns publiziert, die 2. Sinfonie im einem Arrangement für Klavier zu vier Händen (PN: S. 2319., erschienen 1839). Allerdings wurden die Freybrief-Einlagen erst später Bestandteil des Vertrages; vgl. den Brief Caroline von Webers von Anfang Mai 1838.
    • “… die Sache nach Hamburg wandern”Entsprechende Verhandlungen mit Carl Gustav Rotter sind bereits im Brief vom November 1837 erwähnt, führten aber nicht zum Erfolg.

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