Georg Joseph Vogler an Amalie Beer in Berlin
Darmstadt, Dienstag, 15. Oktober 1811

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Seit paar Tagen ist mein lieber Maier wieder bei mir und neuerdings mit seiner Oper beschäftigt allein ich kann Ihnen nicht bergen, daß [er] trotz seiner wiedererweckten Lust auf meinem Schloß ein Meisterstück zu gebähren, doch noch nicht so ganz im Geleise ist. Es sollte ein Guß werden, weil er die ganze Masse sich vergegenwärtigt hatte, nun aber kostet es ihm, sich wieder hinein zu denken, ich werde inzwischen keine Mühe sparen, um die vorige Stimmung herbeizuführen.

Aber liebe! beste Freundin! wie konnten Sie bei einer so interessanten Geschichte, wie Jephtas Gedicht ist, mich vorbeigehen? Habe ich erst seit kurzem Ihre Achtung verlohren und Ihr Zutrauen, daß Sie mir die Idee, es Iffland lesen zu lassen, verheimlichten? Lesen konnte er es auf Reisen schlechterdings nicht, er hat es nach Berlin mitgenommen, und wie mir der Kapell M. Weber, der durch diese Prozedur auch nicht geschmäuchelt war, versichert, als ein Gesuch um Protection angesehen, was meinen Plan ganz vernichtet. Wir beide wollen nicht suppliciren, sondern man schickt das Gedicht und die fertige Partitur und frägt: entweder, oder.

Für Berlin ist es jetzt geschehen und es bleibt keine Aussicht mehr übrig, als diese Oper in München aufführen zu lassen*. Dort ist es sehr schwer, wenn Sie aber, wie Hr Prof. mir erklärte, keine Nebenkosten scheuen, so lege ich meine Autorität dazu und höchst wahrscheinlich reussiren wir.

Zu unserm Konzert-Projekt will der Meier Herr Sohn sich durchaus nicht verstehen*. Da er von hier für einen Tag nach Frankfurt abgegangen, so schrieb er mir, legte seines Herr Vaters Begehren, das Oratorium nach Leipzig zu senden, bei und berichtete, es sei schon dahin abgegangen. Ohne dem Oratorium kann das Konzert nicht bestehen.

Erlauben Sie mir jetzt auch Etwas von meinen häußlichen Verhältnissen anzuführen.

Da ich meinem neuerbauten Haus noch einen sehr nützlichen Anbau beifügen will, der den Miethswert auf 2000 fl bringen also mir ein Capital von 40,000 fl gewähren würde, so folgt hierüber eine ausführliche Nota. Wollten Sie durch Ihre Freunde in Berlin die angegebene Summe urgoziren lassen, die in Frankfurt gegen eine solide gerichtliche Hypothek von Meyer und Brentano ausbezahlt und von welcher die von Herrn Schlesinger im vorigen Jahr aufgenommenen 1500 fl abgezogen würden, so verbinden Sie

Ihren
ergebensten Freunde
G. J. V.

Nota*.

Es ist jetziger Zeit sehr schwer, Pupillen-Gelder sicher anzulegen; denn öffentliche Banquen und StaatsPapiere leisten wenig Gewährschaft; Hypotheken, denen man noch etwas Vertrauen schenkt, sind Güter und Häuser, Allein Güter lassen Einquartirungen und andere Lasten, die der Krieg herbeiführt, nebst dem gewöhnlichen Unglück von Zerstöhrung, von Hagelschlag, Mißerndte u. s. w. befürchten, dadurch geräth die richtige Bezahlung der Interessen in Stocken und wie oft wird nicht das Kapital selbst gefährdet, weil es keine Garantie dafür gibt? Wenn aber Pupillen-Gelder auf Häuser gelegt werden, die in der Brand Assekuranz Kasse katastrirt sind, die noch dazu in Hinsicht des Lokale einen bleibenden oder gar steigenden Werth haben, besonders wo bei den Inhabern der Karakter der Rechtlichkeit mit der Wohlhabenheit und gewissen Ressourçen sich paart, so dürfte eine solche gerichtlich konsolidirte Hypotheke die einzige Sicherheit gewähren, die bei geldlosen Zeiten und schwankenden Umständen noch auszumitteln wär.

Nun bin ich gesonnen, auf mein neu erbautes Haus; das für 24,000 fl im BrandAssekuranz-Kataster eingetragen ist, 15 000 fl d. i. Fünf Achtel des Werthes aufzunehmen, weil ich alle auf dieses Haus von den vorigen Besitzern haftende Schulden auf einmal tilgen und da ich das Haus frei mache, noch einen beträchtlichen Anbau ausführen will, der den neuen Werth des Hauses auf die Summe von 30,000 fl steigern würde.

[…]

Editorial

Summary

MB sei wieder da und mit seiner Oper beschäftigt, die ihm aber Mühe koste; hat sich über die Berliner Vorgehensweise wegen Jephta geärgert, nun bleibe nur, die Oper in München aufführen zu lassen, wofür er sich einsetzen wolle; zu dem Konzertprojekt wolle sich MB nicht verstehen; bittet um eine Hypothek für sein neuerbautes Haus

Incipit

Seit paar Tagen ist mein lieber Maier wieder bei mir

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz; Solveig Schreiter

Tradition

  • Text Source: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: N. Mus. Nachl. 97, A/43

    Physical Description

    • 2 DBl. (7 b.S. o.Adr.)

    Corresponding sources

    • Becker (Meyerbeer), Bd. 1, S. 129–130 (ohne die beiligende Nota)

Text Constitution

  • “Meier”crossed out.

Commentary

  • “… in München aufführen zu lassen”Meyerbeers Oper wurde am 23. Dezember 1812 am Hoftheater München uraufgeführt.
  • “… Sohn sich durchaus nicht verstehen”vgl. dazu Meyerbeer-Briefe Bd. I, S. 125–129.
  • “… Nota”= Beilage zum Brief.

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