Caroline von Weber an Friederike Koch in Berlin
Dresdem. Freitag, 25. Februar 1820

Gute liebe Freundin!

Was werden Sie wohl gedacht haben das ich so lange säumte für Ihr liebes Geschenk zu danken? Gewiß haben Sie der Undankbaren gezürnt, aber Sie würden mich entschuldigen wenn Sie den Trubel sähen in dem ich fast 4 Wochen lebe. Wir haben nehmlich eine Gräfin Eglofsstein aus Preusen mit ihrer Tochter zu uns genommen, die hieher kamen um Unterricht von Weber zu nehmen, und weil der Graf kränklich war im Frühjahr ins Bad zu gehen, aber die Krankheit verschlimerte sich und vor 4 Wochen starb er. Die beiden Frauen waren außer sich! allein in einen fremden Lande, ohne alle Bekantschaft - da nahmen wir sie zu uns denn wir hatten sie lieb gewonnen, und Weber half wo er konnte.      Aber so schön und gut das alles ist so giebt es doch für die Hausfrau tausend kleine Beschäftigungen mehr, die sie abhalten liebe Pflichten zu erfüllen und es verging kein Tag in dem ich nicht mit Angst und Sorge daran dachte: was wohl unsere gute Koch von mir denken wird-. bitte bitte sein Sie nicht mehr böse ich will ihnen auch noch Allerlei erzählen - wolle Gott: es wäre auch erfreulich |

Ich sollte Sie wohl eigendlich nicht mit der Erzählung solcher Unannehmlichkeiten belästigen, aber Sie sind so gut, Sie lieben Weber so treu, daß ich es wohl wagen darf an den Busen einer solchen Freundin mich auszuklagen. Mein guter Mann hat wieder viel Vertruß gehabt, und es war nahe daran das er seinen Abschied nahm - Aber es ist auch gar zu arg wie die häßlichen Italiener es treiben* neuen Sturm gaben Meierbeers Opern den Anlaß. Die neidischen Menschen wollten es durchaus hintertreiben das die Arbeit eines Deutschen hier gefallen sollte deßhalb springten sie die niederträchtigsten Unwahrheiten von der Oper Emma aus, so das Weber sich veranlaßt fühlte den Aufsatz in die Abendzeitung zu setzen, den Sie villeicht gelesen haben? Darüber nun wurden sie ganz wüthend, und als nun vollens die Oper gefiel, verklagten sie den Weber, als habe er die ganz Nation beleidigt, und wusten die Sache so geschikt zu drehen das sie den König glauben machten er habe auch seinen Geschmak damit angegriffen. Noch nicht genug an diesen Ränken, schmiedeten sie auch noch einen Aufsatz in eine hierheraus komende Zeitschrift: Der literarische Merkur, in denen sie sich die niedrichsten Persönlichkeiten erlaubten. Das Weber hierauf und auf ihre Klage, als Mann antwortete, können Sie denken, und er hatte die Freude seine Feinde auf’s Haupt zu schlagen, denn der gerechte König lies die Italiener zur | Ruhe verweisen, und bey der nächsten Deutschen Oper, Allimeleck welche ebenfalls von den Italienern als ganz schlecht, verschrien wurde, zeicht ihm das Publikum durch rauschenden Beyfall gleich nach der Ouvertüre, und durch die ganze Oper, das es sein Urtheil höher achtet als das gebelle der schlechten Menschen - Sie werden nun denken theure Freundin, es ist ja alles gut, worüber will sie nun klagen? Doch nein! Sie kennen Weber, Sie kennen einen Theil des hiesigen Treibens, Sie fühlen gewiß wie sehr das alles meinen guten Mann angreifen mußte und wie tief sein so redlich fühlendes Herz verwundet wird, wenn er sieht wie bösartig man dahin trachtet ihm das Leben zu verbittern - Seine Gesundheit wird imer mehr zerrüttet und mit Schreken sehe ich es: kriegen diese Teufel ihn nicht aus Dresden - so kriegen sie ihn aus der Welt. Als Künstler wird ihm hier gar keine Freude. Die Deutsche Oper kann sich nicht heben denn sie wird von oben gedrükt und verfolgt, und Sie wißen wohl, man hat hier keine andere Stime als die von daher kommt. Die Italiener wißen das, und erlauben sich alles, für sie werden Summen verschwendet, während die Deutschen vergebens um eine kleine Zulage bitten - Ich sehe kein Mittel um Webern hier eine ruhige Existenz | zu sichern. Er verschwendet vergebens Kraft und Leben um gegen diersen Strom zu schwimmen. Was ich für ein Gefühl dabey habe wenn ich den redlichen Mann so in seiner Blüte welken sehe durch die Schult dieser elenden Menschen können Sie denken, vor Wehmuth mögte mir oft das Herz zerspringen -

Von der Reise die wir diesen Somer zu machen gedenken, hoffe ich viel. Erst der Aufendhalt bey Euch die ihr ihn liebt, und versteht, dan auch die Veränderung der Luft, werden wohlthätig auf ihn würken*. -      Ende Juni, oder Anfangs Juli werden wir in Berlin eintreffen, weil Webers Oper die erste im neuen Hause sein soll, und er sie selbst einstudieren will. Auch ich freue mich unentlich auf Berlin, denn es wohnen viel geliebte Menschen da. Recht viel wollen wir da plaudern liebe Koch, und uns der Tage in Hosterwitz erinnern*.      Mit meiner Gesundheit geht es jetzt ziemlich, aber mit dem bewusten Uibel habe ich mich über ein Jahr quälen müßen., nun gott lob! es ist überstanden, und Er wird auch alles Uibrige zum guten lenken.

Weber grüßt Sie und alle Bekannte herzlich, und dankt mit mir für die schönen schönen Serviettenbänder. Auch Lottchen Hanman grüßt schönstens, und die Mukin küßt Sie 1000mal behalten Sie liebIhre Lina v Weber

An Wollanks viele Grüße

Apparat

Zusammenfassung

bedankt sich für Geschenk; über die Aufnahme der Egloffsteins; den Ärger wegen Meyerbeers Opern und die folgende Pressefehde; die negativen Folgen für Webers Gesundheit und die mangelnde Unterstützung der deutschen Oper; freut sich auf Berlin;

Incipit

Was werden Sie wohl gedacht haben das ich so

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. V [Mappe I A], Abt. 3, Nr. 7

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (4 b.S. o.Adr.)
  • am oberen Blattrand der Rectoseite von Jähns: "Weber’s Gattin Caroline (!) Interessant. / Dresden
    25. Febr. 1820
  • Von Weber geschriebener Briefumschlag zu diesem Brief siehe: A041594

Textkonstitution

    Einzelstellenerläuterung

    • "… die häßlichen Italiener es treiben": Weber hatte mit seiner dramatisch-musikalischen Notiz über Meyerbeers Opern, speziell durch seine undiplomatische Äußerung über den modernen italienischen Musikgeschmack, die Protagonisten der italienischen Hofoper in Dresden gegen sich aufgebracht; vgl. die Tagebuchnotizen vom 8. und 18. Februar 1820. Diese Publikation führte zu der nachfolgend im Brief erwähnten hitzigen Auseinandersetzung in der Presse, was auch in überregionalen Zeitschriften zur Kenntnis genommen wurde.
    • "… werden wohlthätig auf ihn würken": Die ursprüngliche Absicht, die Kopenhagenreise 1820 mit einem Besuch in Berlin zu verbinden, konnte wegen der mehrfachen Verschiebung der Uraufführung des Freischütz nicht umgesetzt werden.
    • "… der Tage in Hosterwitz erinnern": Friederike Koch hatte die Webers vom 11. Juli bis 10. September 1818 in Hosterwitz bzw. Dresden besucht; vgl. Webers Tagebuchnotizen aus dieser Zeit.

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