Karl Graf von Brühl an Friedrich Wilhelm III., König von Preußen in Berlin
Berlin, Dienstag, 10. April 1821

Ew: Königliche Majestät werden nicht ungnädig aufnehmen, wenn ich in Verfolg der Allerhöchsten Cabinets Ordre vom 21ten Märtz, die Einweihung des neuen Schauspielhauses betreffend einige allerunterthänige Bemerkungen vortrage und Allerhöchstdieselben um gnädige Berücksichtigung bitte.

Ew: Königliche Majestät haben nämlich befohlen, daß das Trauerspiel* von v. Houwald und die Operette von Kind nicht am zweiten und dritten Tage nach | der Einweihung gegeben werden, sondern daß erst ältere Stücke zur Aufführung gebracht, und dann die erwähnten folgen sollten.

Dieser Allerhöchste Befehl bringt mich in die größte Verlegenheit, indem ich, denselben durchaus nicht ahnen könnend, dem von Houwald und Hofrath Kind die Auszeichnung zugesichert hatte, daß nach dem Einweihungstage, ihren beiden Stücken unbedingt die Ehre werden sollte zuerst auf der neuen Bühne zu erscheinen. Sie haben diese Ehre mit größter Freude aufgenommen und in der litterarischen Welt bereits bekannt gemacht. Wie demüthigend und niederschlagend würde es jezt für alle sein, wenn sie erführen, daß Ew: Königliche Majestät durch Aller|höchste KabinetsOrder mein gegebenes Versprechen aufgehoben hätten. ich wage deshalb nochmals meine früher ausgesprochene Bitte zu erneuern, daß Allerhöchstdieselben doch huldvoll gestatten möchten, meinen früheren Plan ausführen zu dürfen.

Aeltere Stücke auf dem neuen Theater zu geben sind auch für den Augenblick keine Erleichterung, wenigstens nicht in Hinsicht der scenischen Anordnung, indem alte Decorationen und Utensilien neu gemacht werden müßen und für ein altes Stück ebensoviel Zeit hinnehmen als für ein neues, es auch gewiß der Berliner Bühne in der theatralischen Welt Ehre bringen würde mit einem classischen Kunstwerke wie Iphigenia und zweien neuen | Stücken nach einander aufzutreten. Es ist deshalb nicht von mir gemeint worden, daß der zweite und dritte Tag gleichfalls als besondere Feierlichkeit angesehen werden sollten, sondern ich hatte blos, wie vorn bemerkt, den beiden Dichtern und dem Componisten, – welche sämmtlich in der Kunst- und litterarischen Welt bedeutende Namen haben, – versprochen, daß nach dem von Ew: Königlichen Majestät zu bestimmenden Einweihungs-Stücke ihnen die Ehre werden sollte, ihre Dichtwerke folgen zu sehen.

In der Allerhöchsten Cabinets Ordre scheinen Ew: Königliche Majestät deshalb die Aufführung dieser beiden neuen Stücke verschieben lassen zu wollen, weil cassenmäßig | das Theater schon durch die Neugierde gefüllt, keines andern AnziehungsMittels bedürfe, indeß erlaube ich mir hier die allerunterthänigste Bemerkung, daß dennoch für die Theater Kasse kein Nachtheil zu besorgen ist, indem ein paar dergleichen neuer Stücke auch die Aufmerksamkeit des Publikums länger festhalten, als die bloße Neugier das Theater zu sehen, welche bei dem Berliner Publikum ohnehin nicht von langer Dauer ist; bei sehr ofter Wiederholung der neuen Stücke auch mehr Zeit bleibt, an der Vorbereitung zu andern Neuheiten zu arbeiten, deren ich eine bedeutende Anzahl vorräthig angeschafft, und welche da sie für die kleinere Bühne am zweck|mäßigsten geeignet, nur für diese bestimmt sind.

In Vertrauen auf Ew: Königliche Majestät Gnade und Huld, welche Allerhöchstdieselben namentlich dem Dichter v. Houwald erst neuerlich anerkennend zu beweisen geruht, hoffe ich keine Fehlbitte zu thun. Sollten Allerhöchstdieselben indeß dennoch eine Abänderung befohlen, so würde ich wenigstens um die allergnädigste Erlaubniß bitten, die Operette und das Trauerspiel in einem Zwischenraum von einem bis zwei Tagen geben zu dürfen, und nur einige andere einfache ältere Stücke dazwischen zu legen, welche keiner schwierigen scenischen Vorbereitungen bedürfen, da außer den zu den erwähnten beiden Stücken bereits an|gefertigten und noch in Arbeit stehenden Decorationen, Requisiten und Utensilien die Anfertigung der annoch nöthigen nur erst nach und nach vor sich gehen kann, wie sie eben gerade gebraucht werden.

Graf Brühl

Apparat

Zusammenfassung

Brühl versucht erneut die Aufführung von Webers "Freischütz" während der Einweihungsfeierlichkeiten des Schauspielhauses zu erwirken, obwohl der König diese später haben wollte, da er Weber das Versprechen darüber gegeben hätte

Incipit

Ew: Königliche Majestät werden nicht ungnädig aufnehmen, wenn ich

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Solveig Schreiter

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Geheimes Staatsarchiv PK (= GStA PK)
Signatur: I HA Rep. 89, Nr. 21091, fol. 28-31

Quellenbeschreibung

  • 2 ineinandergelegte DBl. (7 b. S.)

Textkonstitution

  • "befohlen": sic!

Einzelstellenerläuterung

  • "… nämlich befohlen, daß das Trauerspiel": gemeint ist Das Bild, Trauerspiel in 5 Akten, veröffentlicht Leipzig 1821, neue Auflage 1822.

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