Korrespondenz-Nachrichten aus Mannheim, 30. September 1811

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Mannheim, 30. Sept.

Die letzten fünf Tage waren für alle Freunde der Kunst eine reiche Erntezeit. Iffland, der Veteran und Zögling unserer Bühne, gab vier Gastrollen, reichen Ersatz für seine siebenjährige Abwesenheit*. Er trat im Fridolin als Graf von Savern, im Nathan als Nathan, in der Versöhnung als Wittburg und in dem gutherzigen Polterer als Morhof* auf. Ueber das Spiel dieses vortrefflichen Künstlers viel sagen zu wollen, wäre überflüssig.

Du sahest ihn ja selbst bey seiner letzten Anwesenheit. Sein Ausdruck in Ton, Miene und Bewegung wird so leicht in einem Menschen nicht wieder vereint gefunden werden.

Der seltenen Erscheinung des Kometen gleich, steht er unter den Mitgenossen seiner Kunst. – Außer diesen theatralischen Vorstellungen deklamirte er in einem Concerte, das Kapellmeister Weber gab*, das Schillersche Gedicht: Fridolin oder der Gang nach dem Eisenhammer*. Die von Hrn. Weber dazu gesetzte Begleitung des Orchesters* mag wol ihre Schönheit haben und an einigen Stellen hinreissen; dennoch schien sie mir an einigen andern nicht richtig gedacht, und auf das Individuelle Ifflands berechnet.

Außerdem sehen wir mit froher Erwartung wieder einem neuen Werke, der Frucht des hohen Talents unsers braven Kapellmeisters Ritter, entgegen, der seit der Erscheinung seines Urtheils Salomons noch drey sehr artige kleine Opern: der Zitterschläger, die beyden Eremiten und Feodore* komponirte. Indessen sein neuestes Werk: Davids Erhöhung*, eine große Oper, welche er im Einverständnisse mit dem Verfasser des Stücks* bearbeitet, und die in kurzer Zeit nun beendigt wird, ist die Krone aller seiner bisherigen Kompositionen, was sich auch erwarten läßt, da er mit besonderer Liebe daran arbeitet.

Man vermuthet, daß diese Oper zum Empfang unserer geliebten Großherzogin* bestimmt sey.

Apparat

Generalvermerk

Zuschreibung: Brief von C. M. v. Weber an G. Weber vom 15. November 1811

G. Weber teilte Meyerbeer am 4. Oktober 1811 mit: Über Webers Conc[ert]sagen wir nichts[im Badischen Magazin]weil ich unter eigenem Nahmen wie gesagt etwas ins Eleg[ante]Blatt schike. Aus C. M. v. Webers Brief an G. Weber vom 15. November 1811 ergibt sich sowohl die Zuschreibung der Rezension in der Zeitung für die elegante Welt an G. Weber (1811-V-74), als auch dieser Rezension im Morgenblatt an Dusch, den G. Weber mit dem Plural wir mitangesprochen hat, zweifelsfrei: deine Rez:vom Eisenha:habe gelesen im Elegans aber Unkn:noch nicht im Mattinale.

Die Kritiken über Ifflands Gastspiel und das Konzert von Bernhard Anselm Weber entstanden ganz offensichtlich in Absprache. Zunächst schrieb Dusch diese kurze Korrespondenz-Nachricht für das Morgenblatt und besprach Ifflands Gastspiel ausführlich im Badischen Magazin (1811-V-68), G. Weber ließ eine ausführliche Besprechung von B. A. Webers Konzert in der Zeitung für die elegante Welt (1811-V-74) folgen, in der er kurz Ifflands Gastspiel erwähnte, Dusch verfaßte eine Kritik über dieses Konzert für die Unterhaltungs-Blätter (1811-V-82). Über Peter Ritters Opern war Dusch durch die Kritiken G. Webers über Salomons Urteil (1811-V-53 und 1810-V-22), Der Zitherschläger (1810-V-19), Das Tal von Barcelonetta (1811-V-57) und Feodora (1811-V-69) unterrichtet.

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

  • Textzeuge: Morgenblatt für gebildete Stände, Jg. 5, Nr. 246 (14. Oktober 1811), S. 984

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