Friedrich Rochlitz an Ignaz Franz Edler von Mosel in Wien
Leipzig, Freitag, 16. August 1822

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Da bin ich denn, mein verehrter, theurer Freund, seit vorgestern spät Abends wieder in den alten vier Pfählen und an dem lieben, gewohnten Schreibtisch; und der erste Brief, den ich schreibe, sey, wie billig, an Sie gerichtet: an Sie, dem, so wie den werthen Ihrigen, ich in den verflossenen Monaten so vieles verdankte, jetzt verdanke, lebenslang verdanken werde. Wie könnte ich auch anders, da, außer diesen, was Sie direct mir erzeigt und zugewendet, Ihr ganzes Seyn und Wesen, wie Sie mich es kennen lassen und mir zugeneigt, von nun an mit in das meinige verflochten ist? Könnte ich denn jemals in mein Leben überhaubt zurückblicken, ohne daß jene Monate in Wien und Baden leicht und schön vor mein Auge träten? und könnte ich dieser Bilder der Erinnerung mir bewußt werden, ohne daß auch Ihr Bild bestimmt und freundlich vor mir erschiene? Könnte ich die theuren Freunde, die mir Gott nah’ oder fern’ gegeben, im Geiste überzählen, ohne daß ich auch Ihrer, der Sie mir wahrhaft ein Freund geworden sind, dankbar und freudig gedächte? Sie werden selbst mir zugestehen, daß dies alles nicht anders möglich sey. Wenn ich Ihnen nun aber, außer diesem, wozu mich das Herz drängt, diesmal kaum noch einige Worte schriebe: so rechnen Sie es einzig dem zu, daß sich während meiner Abwesenheit ein Berg ovn Briefen, Paketen und andern Papieren, andrer Angelegenheiten nicht zu gedenken, aufgethürmt hat, so daß ich kaum sehe, wo anfangen, nicht aber, wo enden.

Meine Reise bis Prag, auf der stößigen, wenn auch sonst nicht üblen Diligence, war für mich verwöhnten Stubensitzer beschwerlich genug. desto wohler that mir ein Tag Ruhe in Prag; und den andern Theil der Fahrt konnte ich mir dann bequem und angenehm machen. Ich ging nach Töplitz, von da nach Außig, zu Wagen; nahm mir hier ein Schiffchen, und schwamm zwischen den reizenden Elbufern über Tretschen nach Schandau. Hier traf ich meine Frau, aber (leider!) nicht so wohl, als ich gehofft hatte. Ich verweilete bey ihr bis zum fünften Tage und kehrte nun hieher zurück, indeß sie noch einige Wochen in jenem Bade für ihre Gesundheit sorgen will. Neues von hier aus kann ich Ihnen nicht melden: Wichtiges aus den Fächern, die auch Ihnen zunächst anziehend sind, ist nicht eben vorgefallen, u. mit Andrem will ich Sie um so weniger behelligen, als es für mich nicht im Geringsten erwünscht ausgefallen ist. und so sey denn auch mit nichts Neuem, sondern mit dem Alten beschlossen, daß ich Ihnen, Ihrer Frau Gemalin, den Ihrigen insgesammt, und allen, die beygetragen haben, mir die letzten Monate zu den schönsten in einer namhaften Reihe von Jahren zu machen, herzlichen Dank dafür sage, Sie insgesammt um die Fortdauer Ihres gütigen Andenkens bitte, und ihnen allen aus voller, lebendiger Überzeugung zusichere, daß die erfreulichen, würdigen Verbindungen, die ich in Wien geschlossen, lebenslang für mich unauflösbar bleiben werden. Dem Herrn Grafen Dietrichstein, dem Hrn. Dr. v. Portenschlag, (den ich die letzten Tage in Wien nicht habe treffen können, so daß ich selbst ohne ein DankensWort für seine Fürsorge habe abziehen müssen,) dem Hrn. Abbé Stadler, dem Hrn. v. Schreyvogel, und wer sonst in Ihre Nähe kömmt, und, wie Sie wissen, um mich sich verdient gemacht hat – diesen allen bitte ich mich zu empfehlen, und ihnen nochmals meinen Dank zu bringen.

Gott erhalte Ihnen und den theuren Ihrigen Ihre Gesundheit und geben Ihnen viel Freud! In treuer Ergebenheit, Hochachtung und Freundschaft für immerdar Ihr
Rochlitz

Apparat

Zusammenfassung

ist von der Wien-Reise wieder zu Hause eingetroffen, hat unterwegs Prag und seine Frau in der Kur in Bad Schandau besucht; berichtet über die Reise und dankt ausführlich für die Gastfreundschaft in Wien, die ihn lebenslang dankbar sein lasse; diverse Grüße (Weber in dem Brief nicht erwähnt)

Incipit

Da bin ich denn, mein verehrter, theurer Freund, seit vorgestern

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Wien (A), Österreichische Nationalbibliothek (A-Wn), Handschriften und Inkunabelsammlung
Signatur: 7/130-4

Textkonstitution

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