Carl Maria von Weber an Louis Spohr in Carolath
Prag, Sonntag, 28. Mai 1815

S: Wohlgebohren

dem Herrn  KapellMeister

Louis Spohr

dermalen

zu

Càrolath

bey Neustädtel in

Schlesien.

Mein theurer Freund!

Von Tag zu Tag habe ich die Beantwortung Ihres lieben Briefes vom 9t Aprill verzögert um Ihnen endlich einen erfreulichen Zustand unsrer Oper melden zu können, aber noch ist es leider nicht möglich, und ich eile Ihnen blos zu sagen daß wir Ende August Häser erwarten, H: Rosenfeldt und Ehlers auch zu bekommen hoffen*, und so unsre Oper gegen den Herbst wohl wieder auf einem respectabeln Fuß sein wird. bis jezt ist unser ganzer Personal Stand noch der Ihnen beschriebene.

In einigen Tagen trete auch ich meine Urlaubs Reise an, die mich zuerst nach München führen wird, meine Adresse da ist bey H: KammerMusikus Bärmann, MaximiliansPlaz No: 1328.

Die Partitur Ihrer Oper übergebe ich H: Liebich, dem Sie nun so gütig sein müßen, Ihre weiteren Dispositionen zu schreiben.      Es thut mir unendlich wehe, daß die ungünstigen verdammten Umstände mir nicht erlaubten Ihnen und mir die große Freude der Aufführung zu machen, nehmlich in der bestimmten Zeit. Laßen Sie sie aber uns, wie ich herzlich wünsche und hoffe, so sollen Sie gewiß noch zu Ihrer Freude davon hören wenigstens*.

Nun addio liebster Freund, alles Schöne an Ihre liebe Gattin und bleiben Sie der Freund Ihres treuen Freundes CMv:Webers

den 3t oder 4t Juny reise ich ab.

Apparat

Zusammenfassung

teilt mit, daß die derzeitige Besetzung der Prager Oper eine Aufführung von Spohrs "Faust" nicht zulasse; bittet jedoch um Verbleib der Partitur zwecks späterer Aufführung.

Incipit

Von Tag zu Tage habe ich die Beantwortung Ihres

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: N.Mus.ep. 1521

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2. b. S. einschl. Adr.)

    Provenienz

    • Stargardt, Kat. 534 (8. November 1957), Nr. 513
    • Leo Liepmannssohn, Katalog zur Auktion am 15./16. Oktober 1894 (Nachlass Spohr u. a.), Nr. 597

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • [Leopold Hirschberg], Carl Maria von Weber an Louis Spohr. Eine Hundertjahrerinnerung an den 12. Januar 1824, in: Berliner Börsen-Courier Jg. 56, Nr. 21, 1. Beilage (13. Januar 1924), S. 5

Einzelstellenerläuterung

  • „… Ehlers auch zu bekommen hoffen“Wilhelm Häser gastierte erst im Juli/August 1816 in Prag; die Engagementsverhandlungen mit Viktor Rosenfeldt und Wilhelm Ehlers verliefen trotz mehrmonatiger Gastspiele in Prag (Rosenfeldt seit 30. April 1815, Ehlers ab 25. Juli 1815) erfolglos.
  • „… Ihrer Freude davon hören wenigstens“Die Uraufführung von Spohrs Faust fand erst am 1. September 1816 in Prag statt.

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