Louis Spohr an Carl Maria von Weber in Prag
Gotha, Donnerstag, 21. September 1815

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[von Webers Hand:] erhalten Prag d: 30t Sept: 1815.
btw –––––– 31t 8ber–––––––

Geliebter Freund,

Da Sie mir in Ihrem lezten Briefe nach Carolath schrieben daß Sie im Begriff wären auf einige Monathe zu verreisen so verschob ich es bis jezt Ihnen zu antworten; da ich nun aber in etwa 4 Wochen ganz aus der hiesigen Gegend scheiden werde, so bitte ich Sie, mir so bald wie möglich die Partituren vom Faust hieher unter Hrn. Schade’s Adresse gefälligst zu schicken. Ich werde nach der Frankenhäuser Musick noch die den 18ten October statt findet*, noch einmal hieher zurückkehren und wünsche sie dann vorzufinden.

Wie steht es bey Ihnen? Haben Sie neue Sänger aquerirt und können Sie die Oper nun besetzen? Ohnerachtet ich nun kein Zeuge seyn könnte, so wünschte ich demohngeachtet sehr, daß die Oper bey Ihnen gegeben würde, da ich sie unter Ihrer Leitung in den sorgsamsten Händen weiß*. Können Sie die Aufführung möglich machen, so lassen Sie die Partitur für Ihr Theater kopiren und ich überlasse es ganz Hrn Liebich (den ich von | mir zu grüßen bitte) mir nach dem Erfolg den die Oper haben wird, irgend ein Honorar dafür zu bestimmen.      Zugleich bitte ich Sie, mir mit den Partituren auch einige Textbücher mitzuschicken da ich kein einziges mehr besitze.

Wir haben von Carolath* über Warmbrunn wo wir 8 Tage verweilten, Dresden, Leipzig u.s.w.* eine sehr angenehme Reise gemacht und in hiesiger Gegend einen vergnügten Aufenthalt gehabt. Es hat mir Freude gemacht, meine Wiener Kompositionen bey Hofe und in der Stadt zu hören zu geben*; auch haben wir mit Romberg, Preisings und Schlicks viel Musik privatim gemacht. — Morgen reisen wir zu meinen Eltern*, wo wir bis zum Frankenhäuser Concert verweilen werden.

Wie geht es Ihnen mein geliebter Freund und was haben Sie neues gemacht? Erfreuen Sie mich ja mit recht ausführlichen Nachrichten von sich und Ihren Arbeiten.

Meine Frau grüßt Sie herzlich.
Ewig
der Ihrige
Louis Spohr.

Apparat

Zusammenfassung

bittet um Rücksendung der Faust-Partitur nach Gotha; äußert den Wunsch, seinen Faust nach Möglichkeit doch noch unter Webers Leitung in Prag aufzuführen; Reisebericht

Incipit

Da Sie mir in Ihrem lezten Briefe nach Carolath schrieben

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Wien (A), Österreichische Nationalbibliothek (A-Wn), Handschriften- und Inkunabelabteilung
    Signatur: 7/100-2

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.)
    • am rechten Briefrand unter der Anrede Empfangs- u. Beantwortungsvermerk von Webers Hand

    Dazugehörige Textwiedergaben

Textkonstitution

  • „noch“durchgestrichen
  • „18tensic!

Einzelstellenerläuterung

  • „… 18 ten October statt findet“Zum Musikfest in Frankenhausen am 19./20. Oktober 1815 vgl. u. a. Webers Ankündigung.
  • „… in den sorgsamsten Händen weiß“Die Uraufführung von Spohrs Faust fand erst am 1. September 1816 in Prag statt; vgl. Webers Einführung zur Oper in den Dramatisch-musikalischen Notizen.
  • „… Wir haben von Carolath“Spohr hatte am 8. März 1815 Wien verlassen und war über Brünn (März) und Breslau (März/April) nach Carolath gereist, wo er sich bis zum 24. Juni aufhielt; vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hg. von Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 1, S. 193–196 sowie die Breslau-Berichte in: AmZ, Jg. 17 (1815), Nr. 16 (19. April), Sp. 279 und Nr. 20 (17. Mai), Sp. 341f.
  • „… verweilten, Dresden , Leipzig u.s.w.“Weitere Reisestation war Merseburg, wo Spohr am 8. August konzertierte; vgl. dessen Brief an Friedrich Carl Julius Schütz in Weißenfels vom 6. August 1815 .
  • „… Stadt zu hören zu geben“Die Gothaer Fourierbücher (Thüringisches Staatsarchiv Gotha, Oberhofmarschallamt Nr. 681/c; als Depositum in D-GOl, 1815 Bd. III) geben lediglich Hinweis auf ein am 7. September stattgefundenes Hofkonzert im Schloss Friedrichsthal, allerdings ohne einen Hinweis auf Spohr. Das öffentliche Konzert fand am 20. September in der Margarethenkirche statt; vgl. die von Kantor Johann Gottfried Schade veranlasste Konzertanzeige in: Privilegirte Gothaische Zeitung, 1815, Nr. 146 (13.September). Demnach erklangen allerdings keine in Wien komponierten Werke: Spohr brachte gemeinsam mit Andreas Romberg ein Violin-Doppelkonzert (die Concertante Nr. 1 A-Dur op. 48, entstanden 1808 in Gotha), gemeinsam mit seiner Frau eine große Sonate für Harfe und Violine (vermutlich op. 16 oder op. 115, beide entstanden in Gotha 1806 bzw. 1809) und abschließend eine Polonaise für Violine (op. 40, entstanden 1815 in Carolath) zur Aufführung.
  • „… reisen wir zu meinen Eltern“Carl Heinrich Spohr und seine Frau Ernestine, geb. Henke in Gandersheim.

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