Carl Maria von Weber an Friedrich Rochlitz in Leipzig
Prag, Dienstag, 7. November 1815

Mein theurer verehrter Freund!

Ich hoffe zu Gott daß Ihr Stillschweigen auf meinen lezten Brief vom 11t Sept: nur eine Folge überhäufter Arbeit und nicht etwa einer Krankheit oder sonstigen Verstimmung ist.      Von H: Clement glaubte ich Gewißheit hierüber zu bekommen, der ist aber noch nicht zurük, und ich muß nun schon selbst in der Hoffnung daß diese Zeilen Sie froh und zufrieden treffen, Sie wieder an ihren fernen Freund errinnern.      Aus den Beylagen* ersehen Sie daß ich nicht müßig bin für die Kunst zu wirken, und alle Mittel hervor suche auf das Publikum zu wirkenT. ich will wenigstens mit der Beruhigung von meinem hiesigen Kampfplaz abtreten, nichts unversucht gelaßen zu haben was in meinen Kräften stand.      Mein Entschluß binnen Jahr und Tag Prag zu verlaßen, steht noch immer unwandelbar fest, und ich beschäftige mich mit Vorarbeiten zu meiner großen Reise.      Mein Gemüth ist ruhiger geworden, ich kann arbeiten, und benuzze so viel als möglich die wenigen, abgerißnen Stunden die mir meine Dienst Geschäfte übrig laßen für mich. Mein Abgang von hier ist übrigens noch ein Geheimniß.

Ich möchte Ihnen so gern viel von mir schreiben, und sehe daß ich in diesen paar Worten schon alles erschöpft habe was sich jezt von mir sagen läßt. Es schlendert so ein Tag nach dem andern hin, und das traurigste ist, daß ich nie eine ordentliche Zeit hintereinander bey meiner Arbeit sizzen kann, sondern nur abgerißene Zeit Brokken gierig haschen muß. kaum bin ich warm geworden so muß ich auch schon wieder fort. bey einer großen Arbeit wie meiner Cantate ist das höchst verdrießlich.      das einzige Schöne und lohnende was mein jeziges Geschäft hat, ist wenn man das verkannte Gute zu Ehren bringen, und zeigen kann, daß etwas Gutes auch nur gut gegeben werde um gewürdiget zu werden.      der glükliche Erfolg der Oper Meyerbeers hat mir unendliche Freude gemacht, und ich ersuche Sie diesem kleinen Aufsaz so bald das möglich ein Pläzchen in der M: Z: zu gönnen.      Seit ich von München weg bin, habe ich keine zu sehen bekomen, und wenn unser PapierGeld nicht ein derber Schlagbaum vor allen baares Geld kostenden Zeitungen wäre ich hätte mir sie längst gehalten und Posttäglich schikken laßen.

In einiger Zeit werde ich eine Fortsezzung meines früheren Aufsazzes folgen laßen.

     Machen Sie mir die Freude bald etwas von Ihnen und den lieben Ihrigen, Ihrem Wirken, Treiben und Leben [zu] hören. Ihrer trefflichen HausMutter, und der lieblichen Braut alles erdenklich herzliche, und gedenken Sie freundlich Ihres unveränderlich treusten Freundes vWeber

Apparat

Zusammenfassung

plant Prag zu verlassen; klagt über mangelnde Ruhe zur Arbeit; über mitgeschickte Aufsätze; kündigt Forsetzung seines Aufsatzes (über Prag?) an.

Incipit

Ich hoffe zu Gott daß Ihr Stillschweigen

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. II A c, Nr. 11

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (1 b. S. o. Adr.)
Weitere Textquellen
  • MMW I, S. 502–503 (unvollständig)

Textkonstitution

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