Carl Maria von Weber an Caroline Brandt in Prag
Dresden, Donnerstag, 21. August 1817 (Nr. 81)

Geliebte Mukkin

Gestern Abend eben als ich ins Bad gieng erhielt ich Deinen No 82, und beantworte ihn deinem Willen gemäß sogleich, obwohl ich überzeugt bin daß du unterdeßen schon wegen der Briefe wenigstens beruhigt bist, und auch nicht mehr in einer so reizbaren Stimmung, sonst hättest du dir alles sehr gut selbst erklären können. höre also zu geliebter – Oz! in No: 76 schrieb ich dir daß ich mit nächster Post die junge Spröde schikken würde. Nun kann man so eine Person nicht mit der Brief– sondern nur der fahrenden Post expediren, dieß geschah d: 12 mit No: 77 das d: 13t früh hier abgieng, und wobei ein Brief von Louis, Muster von Gros de naples pp waren. Daß du den 18t das noch nicht erhalten hattest, wäre unbegreifflich, wenn wir beide nicht gar zu gut die Langsamkeit und Bequemlichkeit der Briefträger in Prag kennten. Statt also Zeter zu schreyen und dich abzuängsten hättest du hübsch nach der Post der fahrenden nehmlich /: die natürlich länger braucht als die andre :/ schikken sollen und fragen laßen ob kein Päkkchen für dich da wäre.      Dieser Brief komt vielleicht auch früher an als No: 80 den H: Zwik nebst denen nöthigen Papieren überbringt, welches ich hiemit angezeigt haben will.      Ach Schneefuß was will ich froh sein, wenn wir so weit sind daß uns die Briefträger keinen Kummer mehr machen und unsre Mißverständniße nicht länger als eine 4tel Stunde dauern können. Nun Gott sei Dank, nur noch knappe 5 Wochen denn da du es so sehr wünschest will ich einige Tage früher kommen, obwohl die Zeit die ich in Prag zubringe unserer übrigen Reise entgeht, und ich eigentlich nicht weis, was ich in Prag so früh zu thun habe.      Mein Brief No 78 hatt also ohne es zu wollen, dich auf die trübe Nachricht von deines braven Vaters Gesundheit vorbereitet. Gott stärke dich dabei, daß du dich mit so viel Faßung als möglich seinen Schikkungen fügest.      Was unsre Geburts Konfusion betrifft so muste ich wirklich recht herzlich lachen wie ich las mit welcher Verzagtheit und Umschweiffen du mir davon sprichst, laß gut sein, auf der Welt sind wir einmal, haben einander lieb und den Willen uns glüklich zu machen was brauchts mehr? höchstens nur noch das daß du dir nicht gleich von jedem Wort wehe thun läßt, und etwas auf angenehme Täuschung hältst, Wie könnten wir von Herzen und wahrhaft uns – Gesundheit trinkend freuen an dem Tage wo du nicht gebohren bist, laß dem doch sein Recht, der andre hat sich so immer dagegen gesträubt fröhlich gefeyert zu werden, der war bescheiden, und schrie immer es komt mir nicht zu – – o du dummer Kerl, könnt ich dich nur einen Augenblik an mein Herz drükken, und du in meinem Gesicht lesen wie heiter und liebevoll es an dich denkt, und gewiß ängstlich alles umgeht was dich betrüben könnte, aber deßhalb nicht seine Wahrhaftigkeit verläßt wenn es einmal seine | Meinung sagen muß.      Ueber den übrigens trüben wehmütigen Ton deines Briefes der lauter Jammer und Noth in der lezten Zeit sieht, wo du wohl eigentlich nur Frohsinn und Ruhe sehen solltest sage ich nichts weiter, weil ich wohl weis in welcher körperlichen Stimmung du ihn geschrieben hast, wo der schwarze Flor und die Schloßhunde überall hängen und herumlaufen. Ueber meinen Unmuth sei ganz ruhig, der ist wahrlich nicht so arg, und ich bin besonders jezt recht heiter und guter Dinge, ruhig allem entgegen schauend was da paßiren kann.      Zwik eilte mich so daß ich Dir Vorgestern gar nichts berichten konnte.

d: 19t hatte ich Probe mit der ganzen Kapelle von neuen Entre Acts die ich habe von München komen laßen. dabei probirte ich auch eine alte Simphonie von mir*, die sehr ergriff, und wobei sie sagten es wäre zuweilen als wenn Jupiter donnerte. nun freilich mit so einem Orchester – Mittag mit Öhlenschläger und Arnim. Abends Axel und Walburg, ging gut, und gefiel sehr. Abends noch Abschied von den beiden Dichtern genommen.      Gestern d: 20t den ganzen Vormitt[a]g gearbeitet und recht viel an dich gedacht, ich arbeite nehmlich an einer Scene der Agathe wo ich immer noch nicht das Feuer, die Sehnsucht, die Glut erreichen kann die mir dunkel dazu vorschwebt, sie heißt am Ende nehmlich –

Alle meine Pulse schlagenund das Herz wallt ungestümSüß entzükt entgegen ihm!Konnt ich das zu hoffen wagen? –Ja! es wandte sich das GlükZu dem theuren Freund zurük,will sich Morgen treu bewähren!Ists nicht Täuschung, ists nicht Wahn – ?Himmel nimm des Dankes ZährenFür dieß Pfand der Hoffnung an!*

Gelt das ist schön?, ja, wenn‘s nur schon fertig wäre. Nun ade H: v. Graml Peter, will noch ein bißel warten vielleicht kömt heute, /: das heißt vor 10 Uhr :/ noch ein Briefel von dir das beßer und lustiger lautet als das vorliegende, so lange will ich den nicht zu machen und mich einstweilen rasiren, ade – –

Richtig da ist Dein No: 83, und ich habe Recht gehabt. /: wie immer :/ Ich ehre deinen Schmerz meine geliebte Lina, und hoffe aber du wirst suchen so ruhig als möglich zu ertragen was nicht zu ändern ist.

Der Brief muß auf die Post ich kann ihn also nur eilends schließen. Morgen ein mehreres. Gott segne und stärke dich + + +.      Die Einlage gieb ab. Ewig dein dich innigst liebender treuer heitrer Carl.

Millionen Bußen.

Apparat

Zusammenfassung

klärt den Verbleib versch. Postsendungen auf: teilt mit, daß "Die junge Spröde" nebst Brief No. 77 u. Brief von Louis Brandt am 13. August mit der "fahrenden Post" nach Prag abgegangen sei; Privates (betr. Unsicherheit über Geburtsdatum); Tagebuch 19.-20. August; zitiert Stelle aus dem "Freischütz" (Szene der Agathe), die er noch zu verbessern hofft

Incipit

Gestern Abend eben als ich ins Bad gieng

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Mus.ep. Weber, C. M. v. 117

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b.S. o.Adr.)

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Muks, S. 474–478

Textkonstitution

  • „t“überschrieben.

Einzelstellenerläuterung

  • „… eine alte Simphonie von mir“Weber komponierte 1807 zwei Sinfonien, die beide in C-Dur stehen, weshalb sich hier nicht bestimmen lässt, welche er mit der Kapelle geprobt hat.
  • „… dieß Pfand der Hoffnung an!“Schlussabschnitt der Arie der Agathe, Nr. 8, aus dem 2. Akt des Freischütz.

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