Carl Maria von Weber an Adolph Martin Schlesinger in Berlin
Dresden, Sonntag, 25. März 1821

Herrn

A: M: Schlesinger

berühmten Buch und Musik Verleger

zu

Berlin

Geehrter Freund!

Entschuldigen Sie heute meine Kürze, wenn ich nur das Nothwendigste Ihres geehrten Schreibens beantworte. Es ist unglaublich wie meine Zeit jezt in Anspruch genommen wird. auch darf ich ja hoffen Sie bald zu sehen.     Für das Übersendete* danke ich vor der Hand. ich habe es leider noch nicht einmal durchsehen können. doch scheint mir Papier und Stich schön.     Auch weiß ich eine Aufmerksamkeit wie die im Freymüthigen enthaltene, gewiß zu erkennen.* mit nächstem Posttag sollen Sie die Ouverture der Preziosa im Klavierauszug erhalten*. Wollen Sie nicht das Ganze? im KlavierAusz. geben? oder nur die Tänze und Märsche?*      Die Ouverture werde ich hier gleich in Stimen schreiben laßen, damit Sie es gleich zum Stich parat haben*. Sie halten mir dafür nebst KlavierAusz: Fünfzehn Frieddor zu gute*.      Mit aufrichtiger Freude sage ich Ihnen, daß ich schon seit geraumer Zeit die Veredlung des Freym: bemerke*, und Ihnen und H: Dr: Kuhn*, den ich freundlichst zu grüßen bitte – schon lange dazu Glük wünschen wollte.      Ein mehreres darüber mündlich. ich denke Ende Aprill in Berlin einzutreffen*. Ueberhaupt erfreut es mich sehr aus Ihrem Briefe Ihre Zufriedenheit, und das Wohlergehen Ihres H: Sohnes zu ersehen. den größten Theil der noch von mir zu erhaltenden Kompositionen* hoffe ich mit zu bringen.

Der Himmel erhalte Sie gesund und froh.
Meine Frau grüßt freundlichst, und ich bin wie immer Ihr
alter Freund
CMvWeber

Apparat

Zusammenfassung

dankt für Übersendetes, das er noch nicht habe durchsehen können; dankt für eine Aufmerksamkeit Schlesingers im Freimüthigen; werde den Klavierauszug der Preziosa-Ouverture abschicken; fragt an, ob Schlesinger nicht an einem Klavierauszug der gesamten Preziosa-Musik interessiert sei; äußert sich anerkennend über den Fortschritt des Freimüthigen; hofft, Schlesinger in Berlin zu sehen und ihm den größten Teil der noch ausstehenden Kompositionen dorthin mitbringen zu können

Incipit

Entschuldigen Sie heute meine Kürze

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. In Privatbesitz

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. einschl. Adr.), Siegelrest
    • mit Empfangsvermerk des Verlages Schlesinger auf der Adressenseite: Dresden, den 25 und 29 Maerz 21 | Carl Maria v Weber | beantw. [ohne Angabe]
    • PSt: DRESDEN 26. März 21

    Provenienz

    • Sotheby’s (20. Mai 2005), Nr. 182 mit Teilfaks. (1r)
    • Stargardt Kat. 540 (1958), Nr. 171
    • Rauch, Nicolaus (Genf): Cat. 16 (29./30. April 1957), Nr. 410
    • Gilhofer & Ranschburg (Wien): Auktion 62 (7.-10. Nov. 1934, Slg. Franz Trau), Nr. 882
    • Cohn, Albert: Kat. 196 (1889), Nr. 318
    • ebd., Kat. 169 (1885), Nr. 499
    • Cohn, Albert: Kat. ?? (Angaben fehlen), Nr. 377 (evtl. Kat. 159 von 1885 - so die Angabe in der Kaiser-Liste)

Einzelstellenerläuterung

  • „das Übersendete“Möglicherweise hatte Schlesinger Belegexemplare des im Herbst 1820 in seinem Verlag erschienenen Stimmen-Erstdrucks der Jubel-Ouvertüre (PN: 1048.), vielleicht auch des bereits im April 1820 vorgelegten Klavierauszug-Erstdrucks desselben Werks (PN: 1049.) geschickt. Bei Schlesinger war zudem im Februar 1821 die von Carl Klage arrangierte Fassung der Ouvertüre für Klavier zu vier Händen erschienen (PN: 1076).
  • „Aufmerksamkeit wie die … gewiß zu erkennen.“Gemeint ist wohl die ungezeichnete Besprechung der Preciosa in der Zeitung für Theater und Musik zur Unterhaltung gebildeter unbefangener Leser. Eine Begleiterin des Freimüthigen, Jg. 1, Nr. 11 (17. März 1821), S. 42–43.
  • „… der Preziosa im Klavierauszug erhalten“Weber übersandte Schlesinger den Klavierauszug der Ouvertüre zu Preciosa (JV 279) mit Brief an Adolph Martin Schlesinger vom 29. März 1821, vgl. Tagebuch 29. März 1821. Sie erschien bereits Ende April 1821 als: OUVERTÜRE | zu dem Schauspiel | Preciosa | componirt | und für das Pianoforte eingerichtet | von | CARL MARIA VON WEBER. | Eigenthum des Verlegers. | N° 1089. Berlin, Pr. 10 gl: | In der Schlesingerschen Buch= & Musikhandlung.
  • „… nur die Tänze und Märsche?“Schlesinger veröffentlichte im Sommer des Jahres die komplette Preciosa-Musik im Klavierauszug, vgl. Der Freimüthige, Jg. 18, Literarisch-artistisch-musikalischer Anzeiger Nr. 5 (22. Juni 1821).
  • „Ouverture werde ich … Stich parat haben“vgl. dazu Brief an Adolph Martin Schlesinger vom 29. März 1821; die Stimmen erschienen ebenfalls im Sommer 1821 unter dem Titel: OUVERTÜRE / zu dem Schauspiele / „Preciosa“ von P. A. Wolff. / für / das grosse Orchester / componirt / von / Carl Maria von Weber. / Eigenthum des Verleger’s. / Berlin, / In der Schlesingerschen Buch= und Musikhandlung. / N° 1089 Preis 2 Rth 4 gl.
  • „Fünfzehn Frieddor zu gute“Zum Empfang des Honorars für die genannten Ausgaben der Preciosa vgl. Tagebuch 13. Juni 1821.
  • „Veredlung des Freym: bemerke“Der Freimüthige. Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser. Weber hatte im Brief vom 8. Februar 1819 an Schlessinger Bedenken zu diesem 1803 von August Kotzebue begründeten und mit Jg. 16 (1819) von Schlesinger übernommenen Blatt geäußert.
  • „H: Dr: Kuhn“August Kuhn, seit Jg. 5 (1808) Herausgeber des Freimüthigen.
  • „in Berlin einzutreffen“Weber traf erst am 4. Mai 1821 in Berlin ein, vgl. Tagebuch.
  • „zu erhaltenden Kompositionen“Aus dem mit Schlesinger am 11. August 1819 abgeschlossenen Vertrag war Weber noch folgende Kompositionen schuldig, die er fast ausnahmslos erst am 11. August 1822 an Schlesinger sandte: die Klaviersonate Nr. 4, die Volkslieder op. 64, die Gesänge für Männerstimmen op. 68 sowie die Kantate Natur und Liebe op. 61. Lediglich die Stichvorlage zur Aufforderung zum Tanze brachte Weber 1821 nach Berlin mit; vgl. Weberiana 23, S. 86.

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