Carl Maria von Weber an Gottfried Weber in Darmstadt
Dresden, Montag, 13. Mai 1822

Heute lieber Bruder in Eile ganz kurz, da ich aufs Land ziehe und nicht weiß wo mir der Kopf steht.      Ich freue mich der braven Antwort von Schotts,* die die alte Firma achtungswerth erhält. Bei weitem nicht alle Theater haben den Freyschütz, aber freilich muß man es dafür annehmen da er bis der Stich vollendet wäre noch viel fältig begehrt werden kann. da nun Schotts am besten dieses Unternehmen übersehen können so mögen sie mir ein anständiges Gebot thun und, ich kann mich vielleicht dann auch für die Folge mit Ihnen für solche Unternehmungen verbinden.

Auf eine Rezension von dir freue ich mich. das wird was tüchtiges sein. was das Sylbenklauben betrifft, so hoffe ich zu wißen wie man deklamiren muß, aber giebt es nicht Fälle, wo die deklamatorische Wahrheit dem melodischen Fluß nachstehen muß? und umgekehrt? --

Wer Teufel ist übrigens unfehlbar? ich gewiß am allerwenigsten.

Stelle dir vor daß meine Frau uns den Poßen gespielt hat unsre Rechnung zu nichte zu machen*. um vier Wochen zu früh nieder gekommen, hat sie mir den 25t Aprill einen gesunden Knaben glüklich gebohren.      der Kerl heißt nach der Mutter Willen Max, da denselben Abend meine Oper gegeben wurde. Wenn ich nun nur nicht auch so dumm bin und früher sterbe wie du. und meine Seele, das glaub ich fast sicher.*

ich wollte mein Freysch: gefiel dem Großherzog so recht aus dem Salze, und er griff sich ’mal ordentlich an. - - Kaufmann seh ich sehr selten. werds aber ausrichten.

für die Encyclop: habe ich guten Willen*, aber | keine Zeit. die Bache habe ich gemacht. sonst noch nichts. du glaubst nicht was mein Dienst meine Zeit zerstükkelt.

Die Biographien wollen wir aus wechseln.

Grüße deine liebe Familie und Hoffmanns herzlichst von deinem treuen W:

Apparat

Zusammenfassung

in Eile vor dem Verlassen der Stadt: freut sich über Schotts Antwort u. hofft, mit ihm ins Geschäft zu kommen; freut sich auf G’s Rezension (des Freischütz?); über richtige Deklamation; zeigt Geburt des Sohnes an; hofft, daß der Freischütz Ludewig I. gefalle; hat zur Enzyklopädie guten Willen, aber keine Zeit; die „Bache“ habe er allerdings gemacht

Incipit

Heute lieber Bruder in Eile ganz kurz

Generalvermerk

Streichungen und Anmerkung von der Hand Gottfried Webers als Vorbereitung zur Publikation in der Caecilia

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. New Haven (US), Yale University, Beinecke Rare Book and Manuscript Library (US-NHub), Frederick R. Koch Foundation

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.)
    • am oberen Rand der Rectoseite von Gottfried Weber: „1822 May 213.“

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Anonym: "Eine Reihenfolge von Briefen C.M.v.Webers" in: Caecilia Bd. 7 (1828), Heft 25, S. 24 (unvollständig)
    • Bollert/Lemke 1972, S. 83–84

Einzelstellenerläuterung

  • „… braven Antwort von Schotts ,“Diese Antwort, bezogen auf eine mögliche Partitur-Ausgabe des Freischütz, enthielt wohl jener Brief Gottfried Webers, den Weber laut Tagebuch am 9. Mai als erhalten notierte. Der Empfang eines separaten Briefes vom Verlag ist in dieser Zeit nicht nachweisbar.
  • „… Rechnung zu nichte zu machen“Die Freunde hatten wohl damit gerechnet, annähernd zeitgleich Vater zu werden: Gottfried Webers Tochter Antonie wurde am 22. Mai 1822 geboren, C. M. von Webers Sohn Max Maria aber bereits am 25. April.
  • „meine Seele, das … ich fast sicher.“Unterstreichung sehr wahrscheinlich von Gottfried Weber .
  • „… Encyclop: habe ich guten Willen“Gottfried Weber verfasste zahlreiche Beiträge für die Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge von Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber; vgl. Holtsträter in Weber-Studien, Bd. 8, S. 431f. Er wollte auch C. M. von Weber als Beiträger gewinnen.

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