Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Hosterwitz
London, Freitag, 26. Mai 1826 (Nr. 31)

A Madame

Madame la Baronne de Weber

a

Dresde

en Saxe

No 31:

Heute! geliebte Mukkin, nur ein kurzes Lebens und Gesundheits Zeichen. bin gar zu ermüdet. habe die Konzert Probe gehabt.* die recht gut gieng, alles beeifert sich mich zu befriedigen. mich greift aber auch alles sehr an. und so fallen mir denn die Augen zu indem ich schreiben will. mußt also heute schon Nachsicht haben. deinen lieben vom 13 und 14, mit Postzeichen vom 16 May, No: 19 /: muß aber heißen No: 23 :/ fand ich nach der Probe.

Nein es ist zum Verzweifeln mit den Posten. wo stekken nur meine Briefe, ich der ich regelmäßig alle Woche 2 mal schreibe? Also die Bären haben dich besucht. über Kemble habe ich schon in meinem vorlezten Briefe* gesprochen. du hast sehr recht, nirgends regnet es Geld, und hier am allerschwersten. ich bin zufrieden im Ganzen, und damit gut.       Das Nro: 3* habe ich bereits lange auch besorgt an Schleßinger. ich hoffe nicht daß jemand so frech ist meinen Namen zu mißbrauchen. – Ihr glüklichen Menschen sprecht von gesegnetem Appetit. Gott erhalte Euch dabei hätte ich nur ein bißel davon. Aber du abscheulicher Mops, trinkst wieder Kaffee? wo ich jezt alle Morgen in Gedanken mit deinem Cacao kokkettirte, und mich kindisch freute daß du ihn vielleicht eben mit mir zugleich tränkst. das ist jezt meine Schäfer Stunde, und das einzige was mir schmekt.

Lexel fängt also an, Worte zu lernen. was freue ich mich auf den kleinen poßirlichen Kerl.       Nun gottlob, geht es ja mit Gewalt aufs Ende los. heute beginnen schon die Theater Proben des Freyschützen*. so daß ich dir baldigst geliebte Verbote werde zurufen können. O Gott, wie glüklich werde ich sein, wenn ich wieder in meinem Wagerl sizze. – – werdet in Gottesnamen schwarz Kinder, nur gesund dabei. ich fürchte du wirst mich auch nicht verschönert finden.       Lüttichaus Brief habe ich zugleich mit deinem erhalten. er ist so freundlich und gut, und thut was er kann.

Ja wohl ist Rothe ein treuer sorgsamer Freund. – wie ihr mich empfangen sollt? Ach um Gottes willen, ganz allein. laßt Niemanden meine reine Freude stören, mein Weib, meine Kinder, und meinen besten Freund die ersten Augenblikke zu genießen. es würde mir wirklich das Wiedersehen recht verbittern, wenn es anders wäre. Ach, die Sehnsucht die ich nach diesen Augenblikken, und meiner Ruhe in Hosterw: habe, ist für Euch unbegreifflich, und Räthselhaft. dazu muß man in London gelebt haben. –

Nun, meine Alte. lebe wohl, dieser Brief ist nicht sein Geld werth. ein Schelm thut aber mehr als er kann. heute Abend werde ich ja nun sehen, wie es mit der englischen Theilnahme steht.       Gott segne Euch + + + und erhalte Euch so gesund, /: diese erste Himmelsgabe, ohne die alles nichts ist :/ als er bisher gnädigst gethan. ich umarme und küße euch innigst in Gedanken. Ewig euer treuer Vater
Carl.

Apparat

Zusammenfassung

Reaktion auf Berichte aus Hosterwitz; Privates; nach Probe zum Konzert recht ermüdet; Wunsch nach Heimreise

Incipit

Heute! geliebte Mukkin, nur ein kurzes Lebens und Gesundheits Zeichen

Generalvermerk

Zuweisung der Adressenseite nach Jähns

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Brief in zwei Teilen

    Fragment 1: Umschlagblatt

    Lörrach (D), Dreiländermuseum (D-LÖRdm)
    Signatur: Br. 60

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (1 b.S.)

    Fragment 2: Brieftext

    Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: WFN - Mus.ep. C.M.v.Weber 237

    Quellenbeschreibung

    • urspr. 1 DBl. (2 b. S. o. Adr.), Bl. 2 bis auf 1,5 cm Rand mit Siegelspur abgeschnitten
    • Zufügung zur Adresse von fremder Hand: „Hosterwitz | bey Pillitz [sic!]

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • MMW I)I, S. 701 (Auszug)
    • Reise-Briefe 1823/1826, S. 210–212

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