Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Hosterwitz
London, Montag, 22. und Dienstag, 23. Mai 1826 (Nr. 30)

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A

Madame

Madame la Baronne de Weber

a

Dresde Hosterwitz | bey | Pillitz*

en Saxe

[Nr. 30]

Die Briefe gehen wieder einmal recht langsam, mein geliebtes Leben. Du hast meinen vom 28. April erst am 10. Mai erhalten, ich heute erst Deinen vom 10.*, also elf Tage. So glücklich macht mich Eure Gesundheit und Zufriedenheit. Es ist wohl nur Einbildung, aber Deine Briefe aus Hosterwitz athmen viel ruhiger und heiterer.

Den 23.

So weit, also nicht weit, war ich gestern gekommen, als ich gestört wurde, und nicht wieder zum Schreiben kam. Auch jetzt werde ich nur noch kurz sein können, denn ich habe gar zuviel zu thun mit meinem Concert*. Also sei nicht bös, wenn es kurz abgerissen ist. Was freue ich mich, daß Du so brav spazieren gehst, das beweist mir Deine Besserung in jeder Hinsicht. Unser Wetter ist auch gut und wirkt wohlthätig auf mich ein.

Herr Schlesinger ist nicht gescheidt. Ich cedire ihm mein Recht, seine Sache ist es, es bekannt zu machen soviel und soweit er es nöthig findet*. Die Bayer’sche Geschichte ist wirklich merkwürdig. Dasselbe hat mir hier der Gesandte mitgetheilt und ich habe ihm darauf gesagt, daß der Clavierauszug allerdings auch von mir verfertigt und besorgt sei, und ich also hoffe, der Ertheilung stehe Nichts im Wege. In dieser Weise wird nun wohl auch Roth Bassenge instruiren etc. Ja, ja, es ist gar zu schön, zusammen zu stehn in jedem Augenblicke des Lebens und sich zu helfen, zu tragen, zu rathen, zu freuen. Ich hoffe zu Gott, daß wir dieses Glück nicht wieder entbehren wollen und jeden Augenblick recht genießen. O, Du dummer Kerl! ob wir uns werden fremd geworden sein? Ja, wenn jahrelanges anderes Leben und Gewohnheiten dazwischen lägen, aber die paar Monate, die doch nur unsere Sehnsucht eine solche Ewigkeit werden läßt! Nein, nein, davor ist mir nicht bange. Die Kinder, ja, eher. Wie freue ich mich, daß meinem guten Roth Hosterwitz anschlägt. Welche Beruhigung ist es für mich, ihn bei Dir zu wissen, den treuen, liebenden Freund. Hedenus ist auch draußen? Nun sieh, wie gut das ist. Ja, ja, brauche nur eine Kur und bade ordentlich. Das thut Dir gewiß gut. Du könntest mir keine größere Freude machen als mit der Gewißheit, daß Devrients weggehen. Ich glaube es aber nicht. Gott, welche Ruhe wäre dann für mich zu hoffen. Na, ich bin froh, daß die Treppenthür gemacht ist. Kannst Du glauben, daß ich schon oft daran gedacht habe, und Dir deshalb schreiben wollte? Ich habe die letzten Tage manches Angenehme erlebt. Den 19. Mittags bei Planché, der eben von Paris zurückkam und viel Amüsantes erzählte. Auch war ich den ganzen Tag wohl und ohne Husten. Und Sonntag den 21. eine sehr schöne Parthie mit meinem Dr. Kind, Göschen und Fürstenau, nach Richmond, eine herrliche Aussicht über ein waldiges Thal, einige Aehnlichkeit mit Findläters. Im trefflichen Gasthofe – Alles so luftig und freundlich – gegessen, dann auf der Themse ein bischen herumgefahren, begünstigt von dem herrlichsten Wetter. Der Blüthenduft, das recht eigentliche frische Waldesgrün, das Alles erfreute und belebte mich unendlich. Vor 9 Uhr waren wir schon wieder zu Hause. Gestern Mittag auch in einer deutschen Familie, bei Aders, den ich schon lange, lange in Deutschland kannte, wo er alle Jahre hinreist. Wahre Kunstfreunde, wo Musik und Malerei zu Hause ist. Da war ich denn auch recht behaglich. Du siehst, daß ich es an Nichts fehlen lasse und mich unterhalte wo ich kann. Aber, was ist das Alles gegen Hamerl*!!

Sei nicht böse, Mukkin, aber ich muß schließen, ich habe soviel zu thun, daß ich nur mit Mühe diesen Brief zusammenstoppelt habe, was Du dem Lumpenkerl wohl auch ansehen wirst.

Nach dem Concert wird’s besser werden. Gott segne Euch Alle und erhalte Euch so gesund und heiter. Immer näher rückt die Zeit des Wiedersehens. Wie glücklich wird sie machen Euren, Euch über Alles in der Welt treu liebenden Vater
Carl.

Apparat

Zusammenfassung

Privates u. Geschäftsdinge, bes. wohl den bei Schlesinger erscheinenden Klavierauszug und den Privilegantrag für Bayern betreffend; Bericht über Fahrt nach Richmond und Besuch bei Aders

Incipit

Die Briefe gehen wieder einmal recht langsam

Generalvermerk

Brieftext verschollen, Übertragung nach Erstdruck

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Slg. Weberiana Cl.II A a 3, 22 (= nur Adresse)

Quellenbeschreibung

  • 1 Briefumschl. (1 b. S.), Siegelspur.
  • PSt: [Rundst.:] F / 26 / 6
  • Echtheitsbestätigung am unteren Rand der Recto-Seite  von Jähns: Umstehend Adresse des viertletzten an seine Gattin nach Dresden gerich-| teten eigenhändigen Briefes von Carl Maria von Weber, zum Briefe | No 30, aus London vom 22. Mai 1826 datiert, gehörig. 
  • Am unteren linken Rand der Versoseite: Handschrift von C. M. v. Weber. | Nr. 30. | 22. Mai 1826.; mit Blei: II.a.3. / 22, rechts unten: verte !

Textzeuge

Karl von Weber (Hg.), Reise-Briefe von Carl Maria von Weber an seine Gattin Carolina, Leipzig 1886, S. 207–209

Textkonstitution

  • "Dresde": durchgestrichen.
  • "Hosterwitz | bey | Pillitz‡‡": Hinzufügung am Rand.
  • "Hosterwitz | bey | Pillitz": durchgestrichen.
  • "Pillitz": sic!

Einzelstellenerläuterung

  • "… Hosterwitz | bey | Pillitz": ab Hosterwitz von fremder Hand
  • "… heute erst Deinen vom 10.": TB-Eintrag: „No. 22“ erhalten, eigentlich Nr. 24
  • "… zu thun mit meinem Concert": vgl. Komm. im Brief von Weber an Caroline vom 5. Mai 1826
  • "… soweit er es nöthig findet": Komm. zum Privilegium ...
  • "… ist das Alles gegen Hamerl": Heimat

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