Franz Anton von Weber an Peter I., Herzog von Oldenburg in Eutin
Eutin, Spätestens am Montag, 12. März 1787

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Unterthänigste Vorstellung und Bitte
Mein
Des Capellmeisters Franz Anton v. Weber. das mir das HöchstVerliehene Musik Privilegium
abgenommen, und dagegen meine Vormals
Bezogene Pension von 200 rth Huldreichst
wieder zugewandt werden möge
mit anh. Litt a ut intus

Hochwürdigst-Durchlauchtigster Bischof, und Herzog!
und Regierender Administrator,
Gnädigster Fürst und Herr!

Wenn ich mich hierdurch unterthänigst erkühne, Euer Herzoglichen Durchlaucht meine Bedrängnüße submißest vorzustellen, so darf ich die überzeugende Hoffnung hegen, das Höchstdieselben meinen Klagen, die ich weder durch Vergrößerung, noch durch einige Abweichung von der strengsten Wahrheit zu übertreiben gedenke, ein Huldreichstes Gehör nicht versagen werden.

Es ist bekannt, das von Euer HochFürstlichen Durchlaucht Höchstsee:[ligen] Herrn Antecessore ich zum CapellMeister mit einem Jährlichen Gehalt von 400 rth: Gnädigst bestellt wurde. Ich erhielt darüber, gleich andern Hochfürstl: Bedienten, eine mit keiner einzigen Einschränkung Versehene Bestallung, und glaubte also, wie jeder Bedienter, zu der Erwartung | Berechtiget zu seyn, mich Zeit Lebens meiner Dienst Einkünfte, wenn auch einst meine würklichen DienstLeistungen nicht weiter Begehrt würden, erfreuen zu können. Dennoch muste ich, was keinem Bedienten noch begegnet war, das Harte Schicksal erfahren, ohne mein Verschulden, und ohne einige Erwähnung, das ich mir eine Höchste Ahndung zugezogen häte, auf die Hälfte des stipulirten Gehalts herunter gesezt zu werden. Ich verfehlte nicht, so gleich meine Nothdurft submißest, in der bezüglich angeschloßenen Bittschrift, vorzustellen, allein, ich war nicht so glüklich, eine Änderung meiner traurigen Lage zu Bewürcken, und ich muste nun mit 200 rth. eine Zahlreiche Familie unterhalten, die ich schon vorhin, bey aller möglichen Einschränkung, mit 400 rh kaum zu nähren vermogte. Endlich wünschte mann, mit dem hiesigen StadtMusicanten Dienst ein anders arrangement zu treffen. Mir wurde dieser Dienst unter der Bedingung angetragen, das ich an den abgehenden Privilegiatum Bülau jährlich 50 rh: von meiner Pension abgeben, und dagegen mit Beybehaltung der übrigen 150 rh. mich des Privilegij zu erfreuen haben solle. Allein, die Betrachtung, das ich selbst bey BauernHochzeiten und andern Gelegenheiten nicht mit aufwarten könnte, das ich dahero die Quelle meines Erwerbs fremden Händen anvertrauen, mithin einer jeden möglichen Vervortheilung mich unterwerffen müste, bewog mich Anfangs, diesen Dienst unterthänigst zu verbitten, besonders, da es mir zur Pflicht gemacht werden solte, beständig zwey tüchtige Leute hieslebst zu den Musicalischen | Verrichtungen zu unterhalten, auf deren Beköstigung pp. ich leicht einen ganzen jährlichen Verdienst rechnen mögte. Mann wiederholte den Antrag, und ich gab nach, denn ich konnte Staat darauf machen, bey den Comöedien, die hier alle Winter aufgeführt wurden, bey den nicht seltenen Concerten am Hofe, und bey den Verschiedenen Höchsten Geburths Tagen, die mit Musik gefeyert wurden, bey Bällen, Schlittenfahrten pp. eine genügliche Entschädigung zu finden, und der Entwurf einer damals von mir unterthänigst eingereichten Musicalischen Taxe ergiebt deutlich wie sehr ich diese der Zeit zum öftern Höchst geforderten Arbeiten in Anschlag brachte. Darf ich es noch erwähnen, Gnädigster Herr! wie sich nun in Ansehung meiner die Umstände geändert haben? Wie tief nun meine Hoffnungen gesunken sind? Keine Comöedie, kein Ball, kein Concert, wozu ich gefordert werde! Ja, in der Taxe, die mir jezt Höchst Vorgeschrieben ist, wird dieser Verrichtungen bey Hofe nicht einmahl mit einer Sylbe erwähnet, zum einleuchtenden Beweise, das solche Musicken entweder von dem Privilegio ausgeschloßen sind, oder das ich auf keinen Vortheil daher zu rechnen habe. Mir bleiben folglich nur die wenigen Hochzeiten in der Stadt und auf dem Lande, woraus ich die Sustentation meiner Leute, und die Järhlich an Bülau abzugebenden 50 rh. gewinnen soll. Allein, gesezt auch, das mir alles richtig berechnet würde, so ist doch die Einnahme so unbeträchtlich, das sie mit der Ausgabe in gar keine Vergleichung gebracht werden mag, und ich müste zu der tiefsten Armuth herabsinken, wenn nicht Euer Herzoglichen Durchlaucht geruhen sollten, meinem Kummer ein Ziel zu sezen. Als ich meinen jezigen Dienst antrat, war es mir Platterdings unmöglich, die Lage voraus zusehen, in welche ich dermalen versezet bin, und dies werden Höchstdieselben mir gewis nicht zurechnen. |

Unterthänigst zuversichtlich wage ich demnach die devoteste Bitte: das Euer Herzoglichen Durchlaucht mir das verliehene Privilegium gnädigst wieder abnehmen, und die Beziehung meiner ehemaligen Pension von 200 rth. solchergestalt huldreichst erlauben wollen, das ich bey dem Genus derselben anderstwo versuchen möge, einen Nebenverdienst zu erhalten. sollten inzwischen Euer Herzogl: Durchlaucht sich gnädigst nicht bewegen laßen, mich von der jährlichen Abgabe der 50 rth. an den vormaligen StadtMusicus Bülau zu entbinden, so füge ich auf diesen Fall die ehrfurchtsvollste Bitte hinzu, das es mir mildest gestattet werde, ein taugliches Subject unterthänigst in Vorschlag bringen zu dürfen, das, gegen besagtes Prostandum, in Meine Stelle trete.

Hierüber p.

Apparat

Zusammenfassung

klagt über die finanziellen Bedingungen, besonders die Halbierung seines Gehalts unter des Fürstbischofs Vorgänger und Belastung durch Pensionszahlungen für seinen Vorgänger und Beköstigung seiner Gesellen; bittet um Rücknahme seines Privilegs als Stadtmusikant und Wiedereinsetzung seiner Pension

Incipit

Wenn ich mich hierdurch unterthängist erkühne

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Frank Ziegler

Überlieferung

  1. Oldenburg (D), Niedersächsisches Landesarchiv – Standort Oldenburg (D-OLns)
    Signatur: 30/5-46-1, fol. 12–14

    Quellenbeschreibung

    • 2 DBl. (5 b.S.)
    • Vermerk am Kopf der Seite: "prod Eutin im Cob den 12t März 1787.“

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Schwab, Heinrich W.: "Zur Musikkultur des Adels in Schleswig-Holstein gegen Ende des 18. Jahrhunderts", in: Staatsdient und Menschlichkeit. Studien zur Adelskultur des späten 18. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein und Dänemark (Kieler Studien zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 14), Neumünster 1980, S. 209 (Auszug)

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